Karneval im Rheinland

hier gibt es Kamelle

Nein, warum soll ich auch etwas gegen den Karneval haben. Denn das ist Brauchtum, was es immer schon im Rheinland gegeben hat und immer geben wird. Und ich kann dem Karneval aus dem Weg gehen, wenn mir danach ist. Dann kann ich ihn mitfeiern, wie ich Lust dazu habe. Und das ist dem Karneval ganz egal. Immerhin am Rosenmontag gehe ich zum Zug und dann ist auch gut.

Schon ist im Rheinland der Karneval die fünfte Jahreszeit. Denn er beginnt am 11. November (Hoppeditz Erwachen) und endet am Aschermittwoch, wo traditionell in der Kirche am Markt beim Gottesdienst den Gläubigen ein graues Aschekreuz auf die Stirn gemalt wird. Weil dann beginnt die Fastenzeit. Und der Rest des Jahres geht zur Vorbereitung des Karnevals drauf.

Altweiberfastnacht

So für die meisten Menschen hier ist der Karneval aber nur zum Straßenkarneval an den närrischen Tagen spürbar. Und die beginnen am Donnerstag zur Altweiberfastnacht. Dann endet der Betrieb in Schulen, Kindergärten und in vielen Ämtern und Geschäften um 11 Uhr 11. Und normal würde der Karneval in dieser Stadt am Rathaus beginnen, wenn die alten Weiber das Rathaus stürmen und den Rathausangestellten allen voran dem Bürgermeister die Krawatten abschneiden.

So steht aber das hiesige Rathaus leer und wird demnächst abgerissen. Und so verlagert sich der Karnevalsbeginn in dieser Stadt in diesem Jahr ganz auf den öffentlichsten aller Plätze in der Stadt, den Marktplatz. Hier ist eine Bühne aufgebaut und lokale Künstler singen Karnevalslieder und hunderte Närrinnen und Narren sind gekommen, um den Beginn der närrischen Tage zu feiern.

Selbst wenn man hier gar nichts mit dem Karneval zu tun hat, lässt sich ihm doch so ganz nicht aus dem Weg gehen. Kinder möchten ein Kostüm haben und zu Karnevalsfeiern gehen. An Altweiberfastnacht und am Rosenmontag sind Ämter und viele Geschäfte geschlossen. Karneval bedeutet im Rheinland schon immer etwas einen Ausnahmezustand.

Der Rosenmontagszug als Höhepunkt des Karnevals

Und mit den Kindern geht man dann am Rosenmontag zum Zug. Das muss einfach sein. Man muss dazu große Taschen mitnehmen und flink sammeln, was Alles so von den karnevalistischen Wagen geworfen wird. Das ist zu einem großen Teil ungesundes Zeug wie Bonbons, Popcorn, Chips, Kamelle, aber manchmal bekommt man von den Wagen aus den ländlichen Regionen der Stadt auch mal etwas Nützliches wie einen Sack Kartoffeln oder ein Brot. Oder es gibt auch schon mal nützliche Gegenstände für die Küche. Es ist dann immer spannend nach Beendigung des Zugs zu Hause die „Beute“ zu begutachten. Immerhin muss man dann ja eine Zeitlang keine Süßigkeiten mehr fürs Kind kaufen.

UPDATE am Rosenmontag, 3.3.2014:

Und nun ist es wieder soweit. Gegen 10 Uhr gehen wir aus dem Haus, damit wir den pünktlich wie immer um 11 Uhr 11 startenden Rosenmontagszug nicht verpassen. Es ist voll wie immer, leider treffen wir Petra und ihre Leute nicht.

Wie immer sammeln wir reichlich „Kamelle“ und nicht nur das. Als nach einer Stunde der letzte Wagen an uns vorbeigefahren ist, gehen wir Richtung nach Hause. Und da, wo wir uns mit Petra treffen wollten, stehen zwar nicht sie und Cedric, aber einige ihrer Freunde. Was ist überhaupt hier so voller Menschen? Tatsächlich zieht der Zug auch hier noch mal an uns vorbei. Ein bisschen sammeln wir ein weiteres Mal, aber nun reichts doch. Unsere Taschen sind voller Kamelle. Echt närrisch.

 

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Text/Fotos: Ernst Käbisch

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