(K)eine Silbermine in Ratingen-Hösel und Heiligenhaus

Bleiglanz einer Silbermine mit Spuren von Silber
Bleiglanz einer Silbermine mit Spuren von Silber

von Ernst Käbisch

Kürzlich erklärte mir jemand bei einer Führung in der Zeche Nachtigall, dass das südliche Ruhrgebiet vor Urzeiten ein tropisches Sumpfgebiet am Rande eines Ozeans war. Und die Kohleflöze entstanden aus Wäldern der Sümpfe. Also war das südlicher gelegene niederbergische Land der Ozean. Und der hier so viel besonders in Wülfrath geförderte Kalkstein besteht aus den Muscheln und Korallen des einstigen Meeres. So ist die Entdeckung von Ruinen eines Kalkwerks in Ratingen-Hösel schon spannend. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Silbermine.

Stollen des Kalkwerks / vom Bunker
Stollen des Kalkwerks / vom Bunker

Dann ist es ja schon schade, dass diese Gebäuderelikte oberhalb des Angertals bei Haus Anger ganz schnöde Bunkeranlagen waren. Immerhin sind da aber auch Gebäudereste von einem Kalkwerk erhalten geblieben. Denn besonders bei diesen Fundamentresten eines Hauses mit Treppenstufen und kleinen Räumen im Felsen, die schon etwas aussehen wie Stolleneingänge, sind auch ältere Mauern aus Backsteinen identifizierbar. Also die Erklärung, dass das mal ein Kalkwerk war, ist einfach logisch. Außerdem ist ja direkt unterhalb gegenüber von Haus Anger ein kleiner See. Und der war wohl ebenso ein Kalksteinbruch wie der blaue See in Ratingen und wie die Kalksteinbrüche in Wülfrath.

Ein Kalkwerk und keine Silbermine

Trotzdem ist es etwas enttäuschend, dass genau hier nicht eine der auch einmal in der Region aktiven Silberminen gewesen ist. Und Silbermine sage ich hier nur einmal provokativ. Weil es gab einst viele so kleine Erzgruben im niederbergischen Land besonders in Velbert. Es gab sie aber auch in Mettmann, Heiligenhaus und sogar in Ratingen. Allerdings ist das lange her und nur bei äußerst glücklichen Voraussetzungen sind da überhaupt noch Spuren von auffindbar.

So sind in Velbert, wo es offenbar die meisten dieser Erzgruben gab, nur der Stolleneingang vom Clemensstollen, die Schleppbahnbrücke im Langenhorster Wald und die Halde Josefine erhalten geblieben. Außerdem existieren noch ein paar aber längst völlig umgebaute Zechengebäude. Für den Laien sind die nicht als solche erkennbar.

Silber wurde in der Silbermine nicht gefördert, nur erhofft

Und Silber haben diese Gruben alle nicht gefördert, jedenfalls nicht in nennbaren Mengen. Immerhin ist in Bleiglanz Silber in Spuren erhalten und schon homöopathische Dosen in Verbindung mit Blei bringen so ein Mineral spektakulär zum Glänzen. Denn solche Stücke Bleiglanz haben wir selber einmal am Klopfplatz vom Zeittunnel Wülfrath gefunden (siehe Beitragsbild). Und das sind schwere, kleine Steinbrocken, die hauptsächlich Blei enthalten, aber eben auch Spuren von Silber.

Also ist es  nachvollziehbar, dass in der Belle Epoque, also am Ende des 19ten Jahrhunderts Erzgruben in der Region wie Pilze aus dem Boden schossen. Und alle hatten die Hoffnung, Silber in großen Mengen zu finden fast wie die Goldsucher in Dawson City am Klondyke. Immerhin konnten viele der Gruben vom dann tatsächlich gefundenem Blei, Zink, etwas Kupfer und Eisen eine Zeitlang leben. Als dann aber die Weltmarktpreise für Blei und Zink sanken, mussten alle diese Gruben aufgeben.

Und das ist nur stark verkürzt eine Analyse, warum es ja hätte sein können, dass da bei Haus Anger in Ratingen-Hösel ein Bergwerk war. Denn Bergbau wurde schon seit vielen Jahrhunderten in der Region betrieben. Und besonders Eisenstein, Alaunschiefer, Bleiglanz und Zinkblende wurde in mittelgroßen und kleinen Gruben gefördert. Das ist nur inzwischen längst vergessen.

Auch ein Kalkwerk ist interessant

Das Loch sieht gefährlich aus und endet in einem Bunker.
Das Loch sieht gefährlich aus und endet in einem Bunker.

Schon ist so die Nichtbeachtung meiner Hinweise bei zuständigen Ratinger Ämtern auf ein m. E. eben doch gefährliches Erdloch bei dem Kalkwerk in Ratingen-Hösel typisch. Denn das wäre ja Privatbesitz der Grafen Spee und kein öffentliches Wegeland. Und deswegen gäbe es für die Stadt keinen Handlungsbedarf, hiess es da lapidar.

Aber selbst wenn ich hier die Reste eines ehemaligen weiteren Kalkwerks in Ratingen nach dem blauen See gefunden hab, so gibt es für mich auch keinen Grund mehr, dem weiter nachzuspüren. Denn es gibt wohl noch eine Fortsetzung dieses Werks im Angertal nur einen Waldweg weiter in Richtung Hofermühle. Und dort soll sich auch noch ein Stolleneingang und so ein Einmannbunker aus dem 2ten Weltkrieg befinden. Aber das ist schon Heiligenhaus und militärische Anlagen haben mich noch nie interessiert.

Der Feldweg führt zum ehemaligen Kalkwerk in Hösel
Der Feldweg führt zum ehemaligen Kalkwerk in Hösel

Dabei ist natürlich auch ein Kalkwerk interessant. Und mir fällt dazu ein, dass bei einer Führung im Nachtigallstollen in Witten erzählt wurde, dass die Kohleflöze im Ruhrgebiet aus Wald eines tropischen Sumpfgebiets am Rande eines Ozeans entstanden. Der Ozean war ja demzufolge das Gebiet hier im niederbergischen Land. Denn der immer noch in Wülfrath geförderte Kalkstein besteht aus Muschelkalk und Kalk von Korallenriffen und ist viele Millionen Jahre alt.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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