Kloster Kamp in Kamp-Lintfort

Der barocke Klostergarten
Der barocke Klostergarten von Kloster Kamp

Sanssouci am Niederrhein wird das Kloster Kamp in Kamp-Lintfort bzw. wohl der Garten vom Kloster auch genannt. Und der barocke Klostergarten des Zisterzienserklosters war eventuell tatsächlich für Friedrich II. das Vorbild für den ebenso barocken Garten von Schloss Sanssouci in Potsdam. Immerhin war Baubeginn in Kamp 1740 und in Sanssouci 1744. Denn Friedrich II. bereiste den Niederrhein in der zweiten Jahreshälfte von 1740.

Dann sehe ich den barocken Garten von Kloster Kamp nun zum dritten Mal. Schon  bin ich hier das erste Mal im Sommer, wo vieles blüht und der barocke Garten in all seiner Pracht zur Geltung kommt. Und das sieht ja toll aus. Dann als ich näher herangehe und mir die Beete detailliert angucke, sehe ich auch, was für eine Arbeit die Gärtner hier mit der Anlage haben müssen.

Der Garten von Kloster Kamp

Denn die Buchsbaumhecken sind penibelst gestutzt. Und an einer Stelle sehe ich eine Lücke in einer dieser millimetergenau wachsenden Hecken. Denn da ist eine Pflanze kaputtgegangen. So etwas ist doch sicher eine Heidenarbei, da den genau passenden Ersatz ebenso millimetergenau wie die Nachbarpflanzen zurechtwachsen zu lassen. Und das muss zugeschnitten werden. Und dann muss man es auch noch in die Hecke einpassen.

So bestehen auch die kegelförmig zugeschnittenen von weitem schon auffallenden Sträucher für die Begrenzungen der Rasenflächen aus Buchsbaum. Und auch sie sind penibel geschnitten. So etwas muss natürlich nicht erwähnt werden, dass auch die Rasenflächen aus feinstem englischen Rasen bestehen. Und auch das ist ebenso sorgsam gestutzt wie die Wege darum sorgsam geharkt sind. Dann ist alles symmetrisch angelegt. Trotzdem wirkt das Gesamtbild zumal mit den vielen jetzt bunt blühenden Blumen großartig.

Der Kräutergarten von Kloster Kamp

Und noch mehr nach meinem Geschmack ist dann der Kräutergarten des Klosters. So wie man es von einem Kloster ja auch erwarten kann, ist das ein üppig/barock angelegter Kräutergarten mit unglaublich vielen Sorten. Und zum großen Teil kenne ich die gar nicht. Denn alleine wieviel Minzesorten es gibt, finde ich erstaunlich. So kenne ich ja nur Pfefferminze. Dann gibt es auch noch Schokominze, Erdbeerminze, Ackerminze. Weiter gibt es Rossminze, grüne Minze, rote Minze…

Dann von weitem könnte man meinen, dass dieser Kräutergarten verwildert ist. Weil zum Teil sind scheinbar gar nicht zusammenpassende Pflanzen in einem Beet. Und auch das täuscht kollosal. Wenn man sich die einzelnen Beete genau ansieht, wird nämlich deutlich, dass hier eine penible Ordnung wie bei dem Klostergarten ist aber nach ganz anderen Kriterien. Denn die vielen unterschiedlichen Sorten von Kräutern wachsen ja dicht nebeneinander. Und diese ganzen Arten – es wachsen hier sicher hunderte verschiedene Kräuter auf kleinstem Raum – müssen sich ja miteinander vertragen. Da gehört schon ein detailliertes Wissen um die Eigenarten jedes einzelnen Krauts dazu, diesen prächtigen Garten zu pflegen.

Das Bergwerk West

Vom Klostergarten sehe ich auch den markanten Förderturm des vor eineinhalb Jahren stillgelegten Bergwerk West. So hat diese kleine Stadt Kamp-Lintfort am westlichen Rand des Ruhrgebiets schon unweit der holländischen Grenze nun ein zweites geschichtlich interessantes Bauwerk, nämlich die Relikte der Zeche. Der aus der Stadt Geldern an der Grenze zu den Niederlanden kommende und zum Duisburg HBF fahrende Bus SB 30 fährt im Stadtzentrum nahe an dem Bergwerk vorbei. Die Busfahrt führt auch durch Zechensiedlungen mit hübschen Wohnhäusern für die einstigen Bergleute. Es muss für viele Menschen in dieser so vom Bergbau geprägten Region am Niederrhein schwer sein, sich daran zu gewöhnen, dass das Thema Steinkohleförderung hier für immer ein Stück Geschichte geworden ist – so wie das Kloster Kamp längst Geschichte ist.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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