Kokerei Zollverein in Essen

Der im Sommer beliebte Biergarten des Cafes der Kokerei Zollverein
Der im Sommer beliebte Biergarten des Cafes der Kokerei Zollverein

von Ernst Käbisch

Die Kokerei Zollverein in Essen ist die Fortsetzung der Zeche Zollverein mit noch beeindruckenderen Mitteln. So scheint es uns bei unserem Rundgang über das Riesengelände. Endlich gucke ich mir einmal die gigantisch-großen und allmählich verfallenden Werksanlagen der Kokerei an, wovon ich schon viele Fotos gesehen habe.

Wahrscheinlich gibt es keinen zweiten Ort im Ruhrgebiet, der so gigantisch-groß und gut erhalten noch die alte Montanindustriewelt im Ruhrgebiet in Erinnerung hält wie die Zeche und die Kokerei Zollverein in Essen. Obwohl es gerade im Ruhrgebiet zahlreiche weitere Industrieruinen gibt, die ja ebenfalls eindrucksvoll erhalten bleiben konnten. Denn da ist z.B. der Landschaftspark Duisburg-Nord, die Phönixhütte (Phönix West) in Dortmund, die Henrichshütte in Hattingen und die Kokerei Hansa in Dortmund, wo es ähnlich erschreckend wie in einer apokalyptischen Welt aussieht wie besonders hier bei der Kokerei Zollverein.

Trotzdem ist das hier total faszinierend. Denn diese verfallenden, verrostenden Anlagen in dem beruhigenderweise ja längst stillgelegten Werk bilden ein einziges gigantisch-großes weitläufiges Werksgelände mit einzigartiger morbider Atmosphäre. So genau weiss ich nur, dass die in der Zeche geförderte Kohle hier zu Koks veredelt wurde. Also wie das funktionierte, kann ich meinem heute mit mir hierhin gefahrenen Cousin aber beim besten Willen nicht erklären. Denn als ich mir mit Marion und Tim in Dortmund-Huckarde mal die Kokerei Hansa angucken wollte, war Tim noch so klein, dass er ständig den Vortrag des geduldigen ehemaligen Kokereiarbeiters bei der Führung störte. Und so gingen wir eben ohne zu erfahren, wie aus Kohle Koks wird.

Das Werksschwimmbad der Kokerei Zollverein

Und auch die Kokerei Zollverein hatte Tim wohl sehr erschreckt, als ich einmal mit ihm hier war. So wollte ich ihm doch nur das Werksschwimmbad zeigen, was als Kunstwerk inmitten der natürlich morbide wirkenden vor sich hinrostenden Industrieanlagen in Sommermonaten ein ulkiges Kuriosum ist. Denn schwimmen kann man in den 2 aneinandergeschweissten und schwimmbadhellblau gestrichenen Containern tatsächlich. Und wir haben das sogar beide gemacht. Dann aber hatte Tim mächtig etwas gut bei mir, sagte er. Wie ein Rohrspatz schimpfte er vor sich hin und wollte nur so schnell wie möglich weg von diesem Ort. Und wir mussten erstmal in Essen-Stoppenberg eine Pizzeria suchen und Pizza essen. So als Entschuldigung praktisch.

Also wenn ich es mir so überlege, war ich doch als Kind auch nicht anders. Denn das Ruhrgebiet mit seinen vielen lauten Zechen und Hütten und den qualmenden Schloten war jahrzehntelang immer etwas, wo ich einen großen Bogen drum machte. Und arbeiten hätte ich da nie wollen und ich habe es ja auch nicht. Denn als Kind haben diese gigantischen Industrieanlagen furchterregend auf mich gewirkt. Dann muss ich mich ja nicht wundern, dass es meinem Kind ebenso geht.

Arbeiten auf der Kokerei Zollverein

Auch meinem Cousin beeindruckt besonders die gewaltige Kokerei mächtig und er hat dieselben Gedanken wie ich. Nämlich ist auch er froh, nicht an so einem Ort gearbeitet haben zu müssen. Schon mal war er für ein paar Wochen als Schüler oder Student in einer Fabrik, aber nie für längere Zeit. Dann habe ich ihm ja doch eine Erfahrung voraus. Denn in der Galvanikabteilung einer Ratinger Fabrik habe ich es schon einmal fast 2 Jahre ausgehalten.

Dann allerdings bin ich erstmal 6 Wochen nach Thailand gefahren. Und das ist jetzt ein Thema, wo Peter viel mehr Erfahrung zu hat als ehemaliger Indienreisender. So erzählt er hier auch immer wieder mal ein bisschen davon. Denn statt 2 Jahre Fabrikarbeit hat er mir eben 2 Jahre Asienaufenthalt als Erfahrung voraus.

Immerhin hat er bei mir aber jetzt auch nicht etwas gut. Denn er sagt mir sogar, dass er gerne wieder an so einen Ort mit mir fahren würde, wenn ich demnächst wieder im Ruhrgebiet bin. Dann denke ich, wird das wohl bald mal sein. Denn längst haben diese zumeist bereits lange stillgelegten Arbeitsorte ihren Schrecken für mich verloren. So fahre ich inzwischen oft an Orte, wo früher Zechen und Hütten waren. Und im Gegenteil faszinieren mich diese Orte inzwischen, wo früher hart gearbeitet wurde und jetzt die Natur sich wieder ihre Rechte nimmt.

Zuerst auf eins der Bilder klicken. Dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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