Lager Lintorf II in Duisburg und Mülheim an der Ruhr

Waldweg im Druchter Wald in Mülheim an der Ruhr
Waldweg im Druchter Wald in Mülheim an der Ruhr

Jedenfalls sind die Mails des „alten Druchters“, der von 1950-1968 im Kinderheim Maria in der Drucht gelebt hat, immer interessant. Und vor allem sind sie voller Tatsachen, die auch belegbar sind. So sind es oft passende Antworten auf offene Fragen.
Und den folgenden Mails will ich mal nachspüren:

  • 1. Ich glaube Herr Lumer hat recht mit der Annahme, dass der Bleiweiher tatsächlich nicht der Schacht Drucht ist. Dieser befindet sich direkt daneben (kann man auf dem Plan mit den Stollen bei genauem Hinsehen auch erkennen). Meine Informationen die ich von einem mittlerweile verstorbenen Heimatforscher aus Lintorf (er wohnte kurz vor Lintorf im Haus der freien Pfadfinder an der Bissingheimer Str.) erhalten hatte, scheinen also tatsächlich nicht korrekt zu sein. Herr Lumer macht ja auch Führungen rund um die Bergwerke. Insbesondere mit dem Schwerpunkt Wasserführung. Sehr interessant!

Lager Lintorf II  + Schätze aus der Erde

  • 2. Zum Fremdarbeiterlager Lintorf II wie es offiziell genannt wurde. Auftraggeber waren die Deutsche Eisenwerke AG, Abteilung Friedrich-Wilhelms-Hütte Mülheim. Baupläne liegen mir vor. Wäre ein riesiges Lager geworden. Das Gelände mit eigenem Bahnanschluss reichte von der Bissingheimer Str. Ecke Am Eschenbruch bis fast zum Bleiweiher bis hinter dem Teufelshorn und bis hinter dem Zechenbach kurz vor der A3.
  • 3. Schätze aus der Erde. Ich denke, dass es damals schon ein riesiges Problem mit der Wasserführung gab. Zwar stand hier ab 7. August 1751 eine von Jean Wasseige aus Lüttich gebaute Feuermaschine zum Wasserpumpen. Damit stand hier in Lintorf die erste in einem Bergwerk betriebene Dampfmaschine auf Deutschem Gebiet. Diese wurde aber mit den Wassermassen nicht fertig! Ein Nebeneffekt war es allerdings, das in Umkreis von ca. 10 km alle Brunnen trocken fielen und auch der Graf Spee befürchtete das auch seine Bäche zu wenig Wasser führten.
  • Ich selber habe mich mit dem Bergbau im Druchter Wald nur am Rande beschäftigt. Mein Schwerpunkt ist die Geschichte des Heimes.“

Auf den Spuren von Lager Lintorf II

Zuerst fahre ich mit dem Rad von Lintorf aus in die Richtung zum Waldsee Entenfang. Davor allerdings biege ich in die Straße Am Eschenbruch rechts hinein. Denn der sonst etwas eintönige Weg an der Bissingheimer Straße ist jetzt viel interessanter, seitdem ich weiss, dass rechts im Wald Schächte der Erzzechen sind, der Kalkbruch ( der Bleiweiher). Und die Betonpfahlreste am Waldrand könnten von dem zum Glück nie realisierten Lager Lintorf II sein. Dann wäre der Bahnanschluss für das Lager direkt links an der Güterzugstrecke gewesen, wo die Kranfirma arbeitet.

Und die jetzige Rehaeinrichtung „Maria in der Drucht“ hat eine wechselhafte Geschichte erlebt. So ein Dasein als Fremdarbeiterlager in Nazideutschland wurde ihr zum Glück aber doch erspart. Dann weiss ich  nicht, ob die Mauerreste zwischen der Rehaeinrichtung und der ehemaligen Kirche evt. vom Beginn des Lageraufbaus stammen. Und ob es überhaupt hier noch Relikte eines Lagers gibt, was so groß und scheusslich hätte werden sollen, dass es ringsum umzäunt gewesen wäre mit Wachtürmen. Weiter wäre es bewohnt worden von Häftlingen, Zwangsarbeitern wohl im üblichen Stil der Lager der Nationalsozialisten.

Waldweg „In der Drucht“, die ehemaligen Lintorfer Erzzechen

Also der schnurgerade Waldweg „In der Drucht“  führt rechts vorbei an der einstigen Schachtanlage Heinrich. Denn hier verkehrten zur Zeit des Zechenbetriebs Pferdebahnen. Und links war die Schachtanlage Katharine oder Auguste Katharine der Lintorfer Erzzechen. So von diesen einstigen Schächten sind lediglich noch Halden und Pingen übriggeblieben. Schon sind eindeutig aber auch Erzreste im Wald zu finden. Denn Blei-, Kupfer- und Zinkerz und Alaun wurde hier in einem an Bodenschätzen reichen Gebiet ja auch eine Zeitlang sehr professionell gefördert.

Dann fahre ich links den Waldweg in Mülheimer Stadtgebiet hinein. Und der führt zum Schacht Loman. Denn von der Schachtanlage Loman ist weitaus mehr von den alten Zechenanlagen übriggeblieben als nur Halden und Pingen. Zum Beispiel sind da die beiden umzäunten und verschlossenen Areale an der A3 mit einsturzgefährdeten Schächten.

die Maschinenhausruine Loman

Und vor allem ist hinter der Weggabelung mit der umzäunten Halde die Maschinenhausruine Loman. Denn die war bis 1967 ein Wohnhaus, nach dem Krieg hauptsächlich für Ostflüchtlinge. Und das vermutet man längst nicht mehr. Schon ist hier ein dicht gewachsener Wald über der Ruine. Und nur von der Rückseite sieht man, das doch noch ein großes Stück Mauerrest da ist. Dann befinden sich auch metallene Konstruktionen hier noch. Weiter ist auf einem blind endenden Waldweg kurz vor der A3 ist eine ziemlich hohe Halde. Und hier irgendwo habe ich bei einem früheren Besuch Betonfundamente entdeckt/fotografiert, die ich nicht einordnen konnte/kann. So war das von der Zeche, dem Bunker, dem Lager? Also wofür wurde das angelegt? Und offenbar wurde es ja nicht fertiggestellt?

So ist heute aber viel zu matschig und zu nass hier, um mich hier weiter um zu gucken. Außerdem ist jetzt im Spätsommer eh alles zugewachsen. Dann werde im Winter mal wieder hierher kommen.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text: Rainer Zillen, Ernst Käbisch, Fotos: Ernst Käbisch

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