Landesarchiv NRW in Duisburg

Landesarchiv NRW am Innenhafen Duisburg
Landesarchiv NRW am Innenhafen Duisburg

von Ernst Käbisch

Das Landesarchiv NRW für das Rheinland soll ein Millionengrab an Steuergeldern und viel teurer als ursprünglich geplant geworden sein, heißt es. Selbst wenn das so ist, so große Projekte werden doch immer viel teurer als geplant. Vergleichsweise sind hier noch Peanuts ausgegeben worden. Gut finde ich, dass mal das Ruhrgebiet und die klamme Stadt Duisburg so ein attraktives kulturelles Projekt aus Steuergeldern bekommen hat.

Es ist schön, mal wieder in Duisburg zu sein. Ich mag es, vom Bahnhof aus die stets belebte Königstraße in Richtung Hafen entlang zu gehen. Ich komme am barocken Rathaus und der Salvatorkirche mit der schwarzen Turmspitze vorbei. Und dann ist da am Innenhafen schon vor mir die neue markante und nun fertiggestellte Sehenswürdigkeit. Während des Baus hielt ich dieses rote, hohe Haus mit dem spitzen Dach immer für einen Schildbürgerstreich wegen der zugemauerten Fenster und Türen im älteren unteren Teil.

Landesarchiv NRW in Duisburg am Innenhafen

Aber das ist ja der Teil des Landesarchivs, wo die Akten untergebracht sind. Das ist der umgebaute ehemalige Getreidesilo mit dem hohen spitz zulaufenden neugebauten Turm darüber. Fast sieht das Ganze ja von weitem auch wie eine Kirche aus. Dahinter schliesst sich das rote an den alten Kränen vorbeischlängelnde „Kirchenschiff“ an, wo dann auch Fenster und Türen drin sind. In diesem modernen Teil des Baus ist der Eingang mit dem Pförtner. Hier muss man die Taschen wegschliessen und kann man seine Jacke aufhängen. In dem „Kirchenschiff“ geht es auch zum Lesesaal und der Anmeldung bei den Archivaren.

Ich war noch nie hier und überhaupt erst ein einziges Mal in einem Archiv und mir kommt das Ganze ziemlich spannend vor. Einen Benutzerausweis bekomme ich angefertigt, nachdem ich mich auf einer Internetseite angemeldet habe. Dann kann es schon losgehen mit dem Studium der Akten, die ich auch bestellen wollte. Jedenfalls einen grossen Teil davon hatte ich versucht von zuhause aus online zu bestellen, aber irgendwas hatte ich da falsch gemacht.

Infos zu Bergwerken in Ratingen im Landesarchiv NRW

Zum Glück hat Siggi da mehr Ahnung von und so sitzen wir nun im gemütlichen und wie in einer Bücherei ganz ruhigen und lichtdurchfluteten Lesesaal. Ich bin fasziniert über die zahlreichen Informationen, die ich aus uralten, vergilbten, zum Teil mit Schreibmaschinen beschriebenen aber auch handschriftlichen Schriftstücken über die alten Bergwerke in Ratingen und Umgebung bekomme. Nicht alles und sogar eigentlich ganz wenig, kann ich besonders aus den älteren, dann meist nur handschriftlichen Dokumenten erfassen.

Das sind meistens Dokumente über die alten Eisenerz- und Bleibergwerke, die es doch so zahlreich auch in der Stadt Ratingen gegeben hat. Ich bin doch einigermassen erstaunt darüber, das hier so schwarz auf eher gelb als weiss bestätigt zu sehen. Das ist nämlich etwas, wovon fast niemand in der Stadt Ratingen mehr weiss. Selbst die Bergbaufachleute hier wissen über die alten Bergwerke hauptsächlich in den Bezirken Lintorf, Hösel und Homberg Nichts oder nicht viel. Tatsache war vor der ganzen jetzigen Industrialisierung mit nur noch wenigen herkömmlichen Betrieben der Montanindustrie auch in Ratingen der Bergbau offenbar einmal einer der führenden Wirtschaftszweige.

Die Akte AMALIENGRUBE im Landesarchiv NRW

Es gab in Ratingen-Mitte (früher hiess das: Eckamp, Eggerscheidt und Ratingen) immerhin ja das Probebergwerk AMALIENGRUBE. Von der AMALIENGRUBE kann ich auf einer offiziellen Urkunde „Im Namen des Königs“ lesen, dass dazu einem Kaufmann Aloys Sebastian Mittweg zu Werden am 5.Juli 1862 vom Oberbergamt Dortmund die Berg-Eigentums-Verleihungsurkunde verliehen wurde.

Weitere Informationen gibt es hier zur AMALIENGRUBE nicht; das ist nur ein ganz dünner Ordner mit nur diesem einen Blatt. Aber ich weiß schon aus dem Stadtarchiv Ratingen, dass die Amaliengrube nur ein Probebergwerk war. In der Nähe der Textilfabrik Comford und evt. auch am ehemaligen Kalksteinbruch blauer See war die AMALIENGRUBE tätig. Aber wegen Unergiebigkeit der Erzschicht wurde dieses scheinbar einzige Bergwerk im Zentrum von Ratingen wieder aufgegeben.

weitere spannende Infos im Landesarchiv NRW

Andere Ordner zu Ratinger Bergwerken sind aber wesentlich umfangreicher. Da gab es z.B. eine Eisensteinzeche ALTFELD in Lintorf, wo immer das gewesen sein kann. Ich habe keine Ahnung und kann auch die zum Teil in Sütterlinschrift geschriebenen Dokumente dazu nicht entziffern. Aber es gibt hierzu viele Informationen. Immerhin sollte man sich doch mal die Mühe machen, diese gründlich Wort für Wort zu lesen.

Und reichlich Infos gibt es zu den Eisenstein- und zum Teil auch Bleierzzechen FINA, FINA2, VEREINGTE FINA und ALTSCHEIDT2 und ALTSCHEIDT3. Da gibt es umfangreiche Ordner zu. Von diesen Bergwerken habe ich auch schon mehrmals gehört und gelesen und bin sogar mit dem Rad schon die ehemaligen Standorte abgefahren. FINA ist gerade noch soeben auf Ratinger Gebiet ganz im Osten vom Stadtteil Homberg an der Grenze zu Heiligenhaus und Wülfrath. Der hier anwesende Bergmann Siggi sagt mir, FINA war schon ein beachtlich grosses Bergwerk. Von der Erzzeche ALTSCHEIDT gibt es sogar noch Relikte, nämlich ein umzäuntes Waldstück mit Resten von Schachtanlagen neben dem Lokal Eule in Hösel. Es gibt in Hösel auch eine Straße, die Allscheidt heißt.

Das ist für heute eine ziemlich große Ausbeute an Informationen über die Ratinger Zechen. Dabei habe ich mir ja noch nicht einmal die auch hier bestellbaren Akten zu den viel mehr bekannten bzw. viel weniger unbekannten Lintorfer Erzzechen DIEPENBROCK und FRIEDRICHSGLÜCK angeguckt. Aber in das Duisburger Landesarchiv werde ich eh bald mal wieder hinfahren. Das ist ja richtig klasse hier.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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