Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote: Halt am Tor zur Hölle

Vulkane auf Lanzarote
Vulkane auf Lanzarote Foto: Tomas Cuba - CC BY 2.0

Der Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote, ein Paradies für Vulkanliebhaber

Vorsichtig steuert Enrico das sechsrädrige Ungetüm das schmale Strässchen entlang. Ein erwartungsvolles Schweigen beherrscht den Bus; selbst die Italiener sind still, sobald sich die sonore Stimme aus den Tiefen des Cassettenschachts erhebt und von der unermesslichen Tragödie aus dem Jahre 1730 zu erzählen beginnt. „Es war am Abend des 1. September„, schallt es durch den Bus, „irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr, als sich plötzlich in der Nähe des heutigen Timanfaya Nationalparks die Erde öffnete, einen riesigen Berg hervorbrach, aus dessen Spitze Flammen drangen, die 19 Tage lang brannten…”

Eingang zum Timanfaya Nationalpark
Eingang zum Nationalpark Timanfaya
Foto: Paul StephensonCC BY 2.0

Ergriffen saugen wir paar Deutschen, ein Grüppchen Italiener, Franzosen und Norweger und eine Handvoll Japaner die Informationen in uns auf, während Enrico den Nationalpark-eigenen Bus entlang der bizarren Lavalandschaft lenkt und Mozarts düsteres Requiem den Erzähler ablöst.

Sechs Jahre lang dauerte das vernichtende Spektakel, immer wieder spiehen die Krater gigantische Säulen von Asche und Lava aus und begruben den einst fruchtbarsten Teil von Lanzarote unter sich. 15 Dörfer würden zerstört, 420 Häuser verschüttet, hunderte von Menschen flüchteten.

 

Der Timanfaya Nationalpark – heute Lanzarotes Touristenattraktion schlechthin

Im Laufe der Jahrhunderte verwandelten sich die Überbleibsel der Eruptionen in eine karge Mondlandschaft, aus der sich 100 rostrot bis ocker gefärbte Vulkankegel erheben, während unter der Erde noch immer das Feuer schlummert. Am Isolote de Hilario, dem Ausgangspunkt der 14 Kilometer langen Vulkantour, demonstrieren Lanzarotenos die heute noch intensive geothermische Energie, die schon in zehn Metern die 600 Grad Celsius überschreitet. Binnen Sekunden entzündet sich Gestrüpp, eiskaltes Wasser schießt als Dampffontäne zurück. Der Park Nacional de Timanfaya – heute Lanzarotes Touristenattraktion schlechthin. Über zwei Millionen Urlauber überfallen mittlerweile jedes Jahr die nordöstlichste Insel der Kanaren wie einen Heuschreckenscharm. Die karge Szenerie hat schließlich ihre Reize.

Für Hollywood-Göttin Rita Hayworth war der Jameos del Aqua das achte Weltwunder

César Manrique hatte es kommen sehen. Als die Inselregierung Anfang der 60er Jahre als einzigen Ausweg aus der Armut das Heil im Tourismus sah, gestand der bedeutendste zeitgenössische Künstler der Kanaren: „Ich habe etwas Angst vor dem Massenansturm auf Lanzarote.” Und vollzog eine künstlerische 180-Grad-Kehrtwende. Aus dem Maler, der nach Madrid und New York gezogen war, um die Welt zu erobern, wurde ein Architekt und Bildhauer – zum Wohle seiner Heimat. Wie keinem anderem vor ihm gelang dem Lanzeroteno die perfekte Synthese „der lokalen Tradition mit modernen Elementen – jedoch immer harmonisch an die Umgebung angepasst. Für den Künstler ist der Ausgangspunkt dieser Synthese stets die Natur, die er nicht verbirgt, sondern vielmehr hervorhebt und einlädt (César Manrique Foundation)”.

Jameos del Aqua
Jameos del Aqua
Foto: tegiozCC BY 2.0

Ohne Manrique wäre die Insel Lanzarote vielleicht zu einem zweiten Torremolinos oder El Arenal verkommen. Manriques Vermächtnis finden wir weitab von Disco und Durchschnitt. Nehmen wir nur das Jameos del Aqua – von der Hollywood-Göttin Rita Hayworth als das achte Weltwunder bezeichnet. Fast schon im nördlichsten Zipfel der Insel gelegen, rekonstruierte der Künstler einen Vulkanschlot, der zuvor als Mülldeponie genutzt wurde. Über eine schmale, steile Treppe gelangt man in einen Grotte, die zu einem Restaurant umfunktioniert wurde. Abends speist man hier windgeschützt bei Kerzenlicht, darüber spannt sich tiefschwarz der Sternenhimmel.

Tagsüber gelangt man über eine zweite Treppe zu einer Lagune, in der Albino-Krebse zappeln. Über einen schmalen Steinweg, vorbei an tropischen Pflanzen, erreicht man den von Vulkanmauern umgebenen, weiß getünchten Swimmingpool, in dem sich türkisfarbenes Wasser kräuselt. Etwas abseits entdeckt man noch ein Auditorium, von dessen Akkustik sich sogar Herbert von Karajan beeindruckt zeigte. Was Wunder, sind doch dort stattfindende Konzerte stets ausverkauft. Nicht weit davon entfernt liegt der Jardin de Cactus, auf dessen Lavagranulat 16.000 Kakteen aus aller Welt sprießen. Manriques letztes Werk. Ein Muss ist sicher auch der Mirador del Rio, der wie ein Adlerhorst am Famara-Kliff thront, dem nördlichsten Zipfel des Eilandes. Der ehemalige Militärstützpunkt, von Manrique zu einem Restaurant im Felsen integriert, gewährt einen grandiosen Ausblick über die Meerenge El Rio hinweg geradewegs auf die nur spärlich bewohnte Insel La Graciosa.

Die Rebenregion an den Ausläufern des Timanfaya-Nationalpark bietet eine faszinierende Kulisse

Über Marguez geht es zurück nach Haria, im Tal der 1000 Palmen. Ein erstaunlich grünes Fleckchen Lanzarote, das nicht nur durch die wild gewachsenen Palmen beeindruckt oder die überbordenden Bougainvilleen, die sich über weiße Steinmauern ranken. Haria rühmt sich vor allem des schönsten aller Dorfplätze. Dahinter verbergen sich malerische Bürgerhäuser mit kunstvollen Holzschnitzereien. Die ehemalige Hauptstadt Tequise (bis 1852) wirkt gegen das fröhliche Treiben in Haria wie ausgestorben. Bunte Holzbalken verschließen die Fenster, kaum ein Mensch zeigt sich tagsüber auf den ausladenden Plätzen der wohlhabenden Stadt, offenbar ist nur sonntags Leben angesagt. Dann, wenn in Tequise die Touristen einfallen, um am traditionellen Markt um Souveniers zu feilschen.

Vulkanische Landschaft auf Lanzarote
Vulkanische Landschaft auf Lanzarote
Foto: GanMed64CC BY 2.0

Geschäftigkeit herrscht dagegen schon frühmorgens in der Region La Geria. Ganze Familienclans sind auf den Beinen, um Anfang September den Wein zu ernten. Die Rebenregion bietet eine faszinierende Kulisse. Kilometerweit ziehen sich Halbkreise die Hügel hinauf, hinter deren schwarzen Steinmauern grüne Büsche hervorlugen. Des Rätsels Lösung: Um die Weinreben vor dem Wind zu schützen und die Feuchtigkeit zu speichern, graben die Bauern bis zu zwei Meter tiefe Trichter ins Lavagestein. In deren Mitte werden bis zu drei Weinstöcke gepflanzt, die von halbkreisförmigen Steinmauern geschützt werden. Während hier zu Lande der Malvasia Wein kaum bekannt ist, schwärmte Shakespeare bereits davon, „dass der Malvasia-Wein die Sinne erfreut und das Blut parfümiert”.

Darüber hinaus wird der karge Boden Lanzarotes nur verhältnismäßig wenig landwirtschaftlich genutzt. Lediglich in den Regionen, die mit Lavaasche bedeckt sind, nutzen die Bauern die Methode des Trockenfeldbaus, pflanzen Zwiebeln für den Transport und Tomaten, Mais, Weizen und Kartoffeln für den eigenen Gebrauch. Denn die -landwirtschaftlichen Nachteile – vor allem auch durch mangelndes Grundwasser – machen den Ertrag bei weitem nicht wett.

Doch davon ahnen die Touristen wohl kaum etwas, wenn sie in Scharen gegen 500 Pesetas über die staubige Piste zu den Papagayo-Stände pilgern, oder über die hübsch angelegte Promenade der Playa Blanca flanieren.

Weitere nützliche Informationen zu Lanzarote

Lanzarote ist die nordöstlichste Insel der Kanaren. Das kleine Eiland ist nur 62 Kilometer lang und 21 Kilometer breit und somit recht schnell zu erobern. Die schwarze Lavalandschaft ist zweifellos das Erkennungsmerkmal der Ferieninsel im Atlantik. 100 Vulkane und 300 Krater notierten die Geologen in dem über 200 Quadratkilometer großen Gebiet.

Vulkantour mit dem Bus auf Lanzarote
Vulkantour mit dem Bus auf Lanzarote
Foto: Jo BeverleyCC BY 2.0

Gäbe es nicht die Touristen, wäre die Insel geradezu einsam. Denn auf Lanzarote leben lediglich 141.400 Lanzarotenos, davon ein Drittel in der Hauptstadt Arrecife. Wie die übrigen kanarischen Eilande eignet sich die „schwarze Perle” prima als Ganzjahres-Feriendomizil. Denn selbst im Winter herrschen hier angenehme frühlingshafte Temperaturen von bis zu 25 Grad. Vermutlich ist gerade diese Jahreszeit (außer um Weihnachten) ideal, um den Touristenansturm auszuweichen, in Ruhe die Naturschönheiten und Manriques Vermächtnis zu genießen, oder sich von Geologen in die Vulkanik einweihen zu lassen. Wer sich sportlich betätigen will, findet auf Lanzarote ausreichend Möglichkeiten. Besonders beliebt sind Mountainbike-Touren oder Windsurfen. Nähere Informationen erteilen die Spanischen Fremdenverkehrsämter in Berlin, Frankfurt am Main, Düsseldorf und München. Web-Adresse: www.spain.info

Aus dem AvD-Magazin Motor und Reisen mit freundlicher Genehmigung des AvD (www.avd.de)

Text©Ina Regziegel

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