Lintorfer Erzzechen: Außer Spesen nichts gewesen

Waldweg im Druchter Wald in Duisburg-Rahm
Waldweg im Druchter Wald in Duisburg-Rahm
von Ernst Käbisch

Nun lese ich die Examensarbeit über die Lintorfer Erzzechen für die Uni Duisburg des Ratinger Heimatvereinsvorsitzenden noch ein zweites Mal. „Außer Spesen nichts gewesen“ könnte man fast das etwas traurige Fazit ziehen. Vor weit über 100 Jahren wurde die letzte intensiven Fördertätigkeit dieser Bergwerke beendet. Immerhin hat aber durch die Zeche das einst arme Bauerndorf Lintorf eine hochinteressante Industriegeschichte.

Verabredungsgemäß rufe ich da vorher an in Duisburg bzw. dann wohl doch nicht dort. Weil der neue Hausbewohner des früheren Wohnhauses von Zechenbesitzern von Schacht Loman ist gerade „nicht im Wald“, wie er am Handy sagt. Ich will ihm heute am Silvestertag auch nur die Kopien bringen, die ich von der Examensarbeit des Ratinger Heimatvereinsvorsitzenden über die Lintorfer Erzzechen gemacht habe. Und die kann ich ja auch im Umschlag in den Briefkasten da an der Bissingheimer Straße stecken.

1903 schloßen die Lintorfer Erzzechen.

Bei der Gelegenheit des Kopierens habe ich diese sehr interessante Arbeit noch einmal und diesmal etwas gründlicher gelesen. Und das war eigentlich ein etwas trauriges  Projekt. Zuerst war es so vielversprechend, aber letzlich scheiternte es an den ungeheuren Wassermassen. Nachwievor gibt es reichhaltige Erzvorkommen im Gebiet. Aber seit über 100 Jahren wagt niemand mehr einen neuen Versuch, diese Reichtümer zu fördern. Zu nachhaltig war das Scheitern des Betriebs trotz großer Investitionen und des Einsatzes der zu seiner Zeit modernsten Wasserpumpen.

2 wie ich an den Lintorfer Erzzechen Interessierte

Es ist wohl Zufall, daß ich gerade zuletzt 2 an der eigentlich längst vergessenen Zeche Interessierte kennengelernt habe. Den einen kenne ich schon von einem Internetforum aus dem Jahr 2008. Da ging es sehr detailliert und interessiert um die Lintorfer, Duisburger und Mülheimer Bergwerksanlagen im Waldgebiet nördlich von Ratingen-Lintorf und in Lintorf. Das Forum hatte ich Jahre später gelesen. Es hatte überhaupt erst mein Interesse an der alten Lintorfer Zeche geweckt. Inzwischen weiß auch ich viele Details und hab viele Fotos und Texte darüber veröffentlicht. Das wird inzwischen offenbar ja auch im Internet gefunden.

Wir tauschen ein bisschen unser Wissen und vor allem unser Interesse an diesen Bergwerksanlagen aus. Denn wie ich nun schon wieder ist auch der einstige Forist wieder „infiziert“ von dem Gebiet. So drückt er es per Mail aus. Eigentlich wollten wir uns mal bei den Schachtabdeckungen vom einstigen Broekmanschacht treffen und dann in den Wald zu den dortigen Bergwerksresten fahren. Aber das Wetter spielt nicht mit. Und bei Schneematsch oder derartigem Schmuddelwetter habe ich auch kein Interesse in den Wald zu gehen. Dann sind aber diese Fotos schon heftig. Er hat Bilder gemailt von einem hölzernen Schacht ohne jede Abdeckung, der einfach so unvermittelt im Wald ist.  Das sieht supergefährlich aus. Zumal wenn man wie ich nun aus der Examensarbeit weiß, daß Abbausohlen der Zeche in 40 Meter, in 70 Meter und in 105 Meter Tiefe waren.

Das Wohnhaus der Eigner der Lintorfer Erzzechen

Der andere Interessent an den Bergwerksanlagen hat ein noch naheliegenderes Interesse an der Zeche. Er  wohnt neu in dem Haus an der Bissingheimer Straße, wo einstmals die Zechenbesitzer von Schacht Loman (inzwischen auf Mülheimer Gebiet) wohnten. Ganz in der Nähe von dem Haus ist auch der Rest eines Kalkofens und ein mit Wasser vollgelaufener ehemaliger Kalksteinbruch. Außerdem waren unweit dieses beschaulich im Wald liegenden uralten Hauses Schacht Drucht und Schacht Heinrich der Erzzechen. Zahlreiche Pingen und eine Halde zeugen noch davon.

Er will alles von dem Gebiet wissen, wo er jetzt neu wohnt, mailte mir der neue Hausbewohner dieses freistehenden Hauses. Das Haus befindet sich in so industriegeschichtlich bedeutsamen Gebiet kurz hinter der Ratinger Stadtgrenze bereits in Duisburg-Rahm . Ich stecke den Umschlag mit den Kopien also in den Briefkasten. Und nun fahre ich aber wieder nach Lintorf zurück. Es ist zwar wieder etwas milder, der Schnee ist geschmolzen und der Nieselregen von heute morgen hat aufgehört. Aber das ist noch lange kein Wetter, um in den Wald zu gehen.

Relikte von Broekmanschacht und  Zeche Friedrichsglück

Auf dem Betriebsgelände von Fa. Thyssen-Hünnebeck ist noch ein Zechengebäude der Schachtanlage Friedrichsglück übriggeblieben. Und in der Broekmanstraße gucke ich nach den Schachtabdeckungen vom Broekmanschacht. Die sind am beschriebenen Ort auf dem Parkplatz vor den Hochhäusern, aber das sieht eigentlich fast banal aus. Trotzdem ist von den Lintorfer Erzzechen mehr erhalten als von so mancher Steinkohlenzeche im Ruhrgebiet. Außerdem ist da ja auch noch das rote Gebäude vom alten Lintorfer Bahnhof, wohin die Erze von den Schächten zum Weitertransport auf zum großen Teil noch erhaltenen Gleisen per Zechenbahn gefahren wurden.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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