Malakowturm der Zeche Rheinpreußen in Duisburg

Es gibt noch 14 Malakowtürme im Ruhrgebiet. Das Wort Malakow stammt aus dem Krimkrieg (1853-1856). Da trotzte das Fort Malakow der Festung Sewastopol allen Angriffen. Seitdem wurde das Wort Malakowturm zum Symbol für Stärke, Monumentalität und Belastbarkeit. Diese Eigenschaften wurden auch den in dieser Zeit erstmals gemauerten Fördertürmen des Bergbaus zugeschrieben.

Heute wird endlich mal ein schöner Tag. Zwar kümmern die Osterglocken vor dem Duisburger Lehmbruckmuseum unweit des Hauptbahnhofs immer noch so vor sich hin. Außerdem ist es  kalt. Aber der Himmel über dem Ruhrgebiet ist blau. Gegenüber dem Museum ist eine Busstation. Der Bus 929 fährt ab hier ein Stück auf die A40 über den Rhein in Richtung Venlo in den Niederlanden. Dann heißt die 6te Station auf der anderen Rheinseite „Südstraße“.

Der Malakowturm

Hier im Bezirk Hochheide war ich vor ein paar Wochen schon einmal. Da hatte ich mir Schacht 4 der Zeche Rheinpreußen in Moers angeguckt. Zu Fuß war ich da bis hierhin gegangen. Da wusste ich noch nicht, daß auch hier in Duisburg eine weitere interessante Zechenanlage zu besichtigen ist. Dazu muss ich jetzt nur in die Parallelstraße der Südstraße hineingehen. Das ist die Baumstraße. Schon nach wenigen Metern sehe ich die interessanten Backsteinbauten. Zum Teil stehen die leer. Nur einige der massiven Gebäude werden von Firmen neugenutzt.

Das ist hier der Gewerbepark Rheinpreußen. Und an der Kreuzung Baumstraße/Zechenstraße steht der großartige Malakowturm. Leider ist der eindrucksvolle Bau eingezäunt. Aber man kann durch den Zaun gucken. Offenbar ist das mit dem Zaun ganz gut so. An mehreren Stellen kann ich sogar durch den Turm hindurchgucken. Bei dem blauen Himmel heute ergeben sich so reizvolle Bilder.  Eine Schrifttafel einer Immobilienfirma sagt aus, daß sich hier das Projekt „Malakowturm“ befindet. Aber sehr effektiv sieht das hier nicht aus. Wird hier überhaupt gearbeitet? Der schöne Turm verfällt deutlich sichtbar vor sich hin.

Rettung der Industriedenkmäler durch Investoren

Es gibt noch 14 Malakowtürme im Ruhrgebiet. Schon 4 davon sind in Bochum. Den Malakowturm der ehemaligen Zeche Hannover kenne ich. Der ist großartig. Und da war ich auch schon mal drin. Dessen Existenz ist gesichert. Weil da hat inzwischen das Landesmuseum Westfalen-Lippe (LWL) eine weitere Filiale eröffnet. Ein weiterer Malakowturm in Bochum gehört jetzt zur Ruhruniversität Bochum. Inzwischen ist da eine medizinhistorische Sammlung untergebracht. Dadurch wurde der Malakowturm der ehemaligen Zeche Julius Philipp vor dem Abriss bewahrt.

Das wäre diesem wunderbaren Relikt aus der Bergbauzeit hier in Duisburg auch sehr zu wünschen. Oder dass sich wie bei den Malakowtürmen in Bochum Investoren finden. Und die dieses Industriedenkmal nutzen wollen und restaurieren. Allerdings habe ich gerade im finanziell chronisch klammen Duisburg so meine Zweifel. Zu viele interessante Industriedenkmäler stehen hier leer. Die schönsten Denkmäler verfallen. Oder sie sind bereits verschwunden. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Auch weitere der schönen massiven Backsteinzechenbauten der Zeche Rheinpreußen stehen offenbar leer. Das war hier die Schachtanlage  1/2. Der linksrheinische Teil von Duisburg wird durch das Zechensterben offenbar zum Armenhaus. Wunderbare Zechensiedlungen zeugen noch von bescheidenem Wohlstand vergangener Jahrzehnte. Aber wehrlos bröckeln sie vor sich hin. Die Menschen, die es können, ziehen hier weg. Weg aus den Bezirken Hochheide, Homberg, Rheinhausen. Es bleiben nur die, die Hartz4 beziehen. So wirkt das hier.

Nachwort am 30.8.2013

Natürlich ist mein erster flüchtiger Eindruck davon, dass die Menschen von hier wegziehen wollen, falsch. Duisburg ist eine authentische Stadt, eine Arbeiterstadt. Und die Menschen leben gerne hier. Komme da, was wolle. Das gilt eigentlich so auch für das ganze Ruhrgebiet, was es durch massivsten Stellenabbau in den letzten Jahrzehnten aber nicht einfach hat. Alleine 300.000 Bergleute verloren ja ihren Arbeitsplatz.

1museum
Skulptur im Lehmbruckmuseum Duisburg Foto anklicken
2turm
Der Malakowturm sieht renovierungsbedürftig aus Foto anklicken
3fenster
Man kann hindurchgucken Foto anklicken
4jahrzahl
optimales Fotografierwetter Foto anklicken
5schloss
Nicht zugänglich Foto anklicken
6gesamt
Baujahr 1879 Foto anklicken
7zeche
mit anderen Zechengebäuden Foto anklicken
8rhein
Rheinstrand in Duisburg-Homberg Foto anklicken
9rheinorange
Skulptur Rheinorange an der Ruhrmündung in den Rhein Foto anklicken
10ruhrort
Rheinorange von Duisburg-Ruhrort aus Foto anklicken

Text/Fotos: Ernst Käbisch

2 KOMMENTARE

  1. „Die Menschen, die es können und nicht seit langem Hartz4 beziehen,
    ziehen hier weg aus den Bezirken Hochheide, Homberg, Rheinhausen“

    Ganz schön einseitig, diskriminierend und noch dazu falsch.
    Schade.

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