Maria in der Drucht in Duisburg-Rahm – ein alter Druchter erzählt.

Kein Wachturm, sondern ein Kirchturm
Das war kein Wachturm, sondern der Kirchturm des Kinderheims Maria in der Drucht.

von Ernst Käbisch

Ein ehemaliger Bewohner des einstigen Kinderheims Maria in der Drucht im Wald in Duisburg-Rahm mailt mich an. Er weiss alles über dieses so faszinierende Waldgebiet. Nun kenne ich 2 Experten zu dieser Gegend und komme dadurch aber sofort in einen Konflikt: Ist der Bleiweiher tatsächlich der vollgelaufene Schacht Drucht ?

Sofort merke ich, wie spannend diese Rückmeldung auf meine wie kann ich sagen – vielleicht Waldspaziergänge mit hobbyarchäologischem Hintergrund – ist und ich maile sofort zurück, um eventuell einen weiteren Austausch an Informationen in Gang zu bringen.

Ein „alter Druchter“

Ein „alter Druchter“ (so bezeichnet er sich selber) mailt mich an. Und er schreibt mir, dass meine Beschreibungen zum Waldgebiet um Maria in der Drucht, auf die er durch Zufall im Internet gestossen ist zum Teil nicht stimmig sind. Da kann ich ihm ja gar nicht widersprechen. Inzwischen bin ich mehr als ein halbes Jahr fasziniert und gebannt von diesem Waldstück um die jetzige Rehaeinrichtung „Maria in der Drucht“ in Duisburg-Rahm. Und zuletzt war ich dort  sicher 20mal wenn nicht öfter und habe zuerst nicht viel Wissen von diesem Gebiet gehabt.

In Internetforen hatte ich zuerst davon gelesen. Diese Internetforen kennt er auch, sagt der Druchter und auch: „Da steht fast nur Mist drin.“ Das kann ich zum Teil bestätigen und zum Teil aber auch nicht – ich habe da auch Interessantes und sicher Stimmiges gelesen jedenfalls zum Thema der Lintorfer Erzzechen. Er sagt z.B., dass auf diesem kleinen, inzwischen aufgelösten Friedhof im Wald beim Teufelshorn keine misshandelten Kinder aus dem Heim begraben waren. Ich habe von diesem Friedhof auch gelesen und auch den Eindruck bekommen, dass da viele Foristen Unsinn zu schreiben bis hin zu Verschwörungstheorien.

Der Druchter sagt, der Bleiweiher ist der vollgelaufene Schacht Drucht

Tatsache scheint zu sein, dass da in den fünfziger Jahren ein einziges ehemaliges Heimkind, was an einem Blinddarmdurchbruch starb, begraben wurde, weil es keine Angehörigen hatte. Das schreibt mir der „alte Druchter“, der von 1950-1968 selber im Heim gelebt hatte, also umfassende Ahnung von dem Heim und auch dem gesamten Waldgebiet mitsamt der Zechenanlagen hat. Das ist spannend, weil bisher kenne ich persönlich nur einen Experten zu den Lintorfer Erzzechen und das ist der Vorsitzende des Ratinger Heimatvereins, der eine Examensarbeit für die Universität Duisburg über die Zeche Lintorf geschrieben hatte und die ich in seinen Veröffentlichungen daraus in der Lintorfer Heimatzeitschrift Quecke gelesen habe.

Der Turm, den ich für einen Wachturm des Lagers Lintorf 2 hielt war ein Bestandteil der Kirche des Heimes Maria in der Drucht.

Und nun komme ich in Konflikte, was ich glauben kann zu dem „Bleiweiher“. Der alte Druchter hat ein Foto von mir von einem Teich auf meiner Homepage gesehen, was ich auf dem Gelände der Rehaeinrichtung Drucht fotografiert hatte und zuerst für den in Foren so oft erwähnten Bleiweiher hielt. Der Bleiweiher ist aber der fast kreisrunde Teich an der Bissingheimer Strasse, den der Vorsitzende des Heimatvereins als den Kalkbruch des hier einst tätigen Kalkofens bezeichnet. Der Druchter hingegen sagt, diesen Teich kennt er nur als den vollgelaufenen ehemaligen Schacht Drucht der Lintorfer Bleierzzeche.

Interessant ist das ja. Da ich in den Aufzeichnungen besonders des Ratinger Heimatvereinsvorsitzenden immer nur von Bergbauaktivitäten der Schächte Heinrich, Loman und Catharine hier in diesem Waldstück gelesen habe, dachte ich, dass Schacht Drucht wohl nur ein Erkundungsschacht war und nicht so bedeutend und auf jeden Fall wäre hier nicht gefördert worden. Aber ich bekomme vom Druchter auch einen Lageplan zugeschickt, wo der unterirdische Verlauf der Sohlen der drei Schächte Loman, Heinrich und auch Drucht eingezeichnet ist und da lässt sich eine einstmals beachtliche unterirdische Aktivität von Schacht Drucht herauslesen.

Lager Lintorf 2

Auf andere Unstimmigkeiten in meinen Beschreibungen bin ich auch selber gekommen. Einen Turm (von dem Titelbild) auf dem Gelände des Heims hatte ich als Wachturm des Lagers Lintorf 2 bezeichnet. In Wirklichkeit war dieses Arbeitslager für Zwangsarbeiter der Firma Krupp aber nur geplant und wurde in den letzten Kriegsjahren zum Glück nicht mehr realisiert. Der Turm, den ich fotografierte, gehörte zur kleinen Kirche des Kinderheimes Maria in der Drucht.

Interessant ist auch, dass ich jetzt noch jemand kenne, der das ehemalige Maschinenhaus von Schacht Loman schon auf Mülheimer Stadtgebiet, was ja zuletzt ein Wohnhaus war und erst 1967 abgerissen wurde, noch als solches erlebt hat. Der Druchter sagt, dass der Boden in diesem Gebiet so feucht ist, dass das Haus immer tiefer einsank und dass es deswegen abgerissen werden musste.

Update am 1.9.2014: Ein Email folgenden Inhalts erreicht mich:

1. „Ich glaube Herr Lumer hat recht mit der Annahme das der Bleiweiher tatsächlich nicht der Schacht Drucht ist. Dieser befindet sich direkt daneben. (kann man auf dem Plan mit den Stollen bei genauem Hinsehen auch erkennen) Meine Informationen die ich von einem mittlerweile verstorbenen Heimatforscher aus Lintorf (er wohnte kurz vor Lintorf im Haus der freien Pfadfinder an der Bissingheimer Str. erhalten hatte scheinen also tatsächlich nicht korrekt zu sein. Herr Lumer macht ja auch Führungen rund um die Bergwerke insbesondere mit Schwerpunkt Wasserführung. Sehr interessant!

2. zum Fremdarbeiterlager Lintorf II wie es Offiziell genannt wurde. Auftraggeber waren die Deutsche Eisenwerke AG, Abteilung Friedrich-Wilhelms-Hütte Mülheim. Baupläne liegen mir vor. Währe  ein riesiges Lager geworden. Das Gelände mit eigenem Bahnanschluss reichte von der Bissingheimer Str. Ecke Am Eschenruch bis fast zum Bleiweiher bis hinter dem Teufelshorn und bis hinter dem Zechenbach kurz vor der A3.

Schätze aus der Erde

3 Schätze aus der Erde  Ich denke das damals schon ein riesiges Problem mit der Wasserführung gab. Zwar stand hier ab 7. August 1751 eine von Jean Wasseige aus Lüttich gebaute Feuermaschine zum Wasserpumpen. Damit stand hier in Lintorf die erste in einem Bergwerk betriebene Dampfmaschine auf Deutschem Gebiet. Diese wurde aber mit den Wassermassen nicht fertig! Ein Nebeneffekt war es allerdings, das in Umkreis von ca. 10 km alle Brunnen trocken fielen und auch der Graf Spee befürchtete das auch seine Bäche zu wenig Wasser führten.

4. ich selber habe mich mit dem Bergbau im Druchter Wald nur am Rande beschäftigt. Mein Schwerpunkt ist die Geschichte des Heimes.“

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

9 KOMMENTARE

  1. Ich habe die Gräber gesehen! Sie lagen mitten im Wald! Es waren 4 oder 5 stk. meine ich! Man konnte sofort an der Größe erkennen, dass es Kindergräber waren! Daneben eine große Mulde und ein plattgetretener Pfad, mit Blättern bedeckt! Auf den Blätter waren schwarze Tropfen, wie von Fackeln! Die Gräber warten frisch bepflanzt, also schien sich jemand dem zu kümmern! Um die Gräber standen Bäume! In einem hing ein kleiner weisser Engel aus Holz, wie man sie an den Weihnachtsdeko oft findet. Wir sind dem Weg gefolgt und kamen an diese kleine Kirche! Sie war vollgestellt, wie eine alte Werkstatt! Es war ein komisches Gefühl dort, auch noch nach so langer Zeit! Irgendwann waren die Gräber verschwunden!

    • Ich war selbst Heimkinder dort und kann es nur bestätigen!? war von 1958 bis 1970 dort und es war nicht immer schön! Doch den Wald und die Umgebung habe ich geliebt!

      • Hallo Barbara, ich war auch von 1966- 1975 dort in dem Heim. Es soll ein ehemaligen Treffen geben weist du etwas davon oder hast du vielleicht alte Fotos aus der Zeit?

  2. Hallo Daniela,

    das ist interessant, was Sie erzählen. Ich kenne dieses Waldstück aber nur ohne diese Gräber. Und ich finde das dort faszinierend genug mit all den Bergbaurelikten, die bei anderen Orten der Region, wo auch vor über 100 Jahren Bodenschätze wie Blei, Zink, Kupfer und Allaun gefördert wurden, längst verschwunden sind, aber hier in zum Teil sich selbst überlassenem Wald noch gut konserviert sind. Das wirkt fast ein bisschen mystisch, wenn da dicke rostige Schrauben aus dem Waldboden zu wachsen scheinen und geheimnisvolle Ruinen sogar mit vergittertem Fenster und Reste von Schachtanlagen von einer einst regen industriellen Tätigkeit zeugen, wo jetzt nur noch Wald ist und selten mal Fußgänger oder Reiter unterwegs sind.

  3. Inzwischen weiß ich viel über das ehemalige Bergwerk DIEPENBROCK im Wald um Maria in der Drucht: https://gesunex.de/bergwerk-diepenbrock-in-muelheim-an-der-ruhr/17808/
    Es war eine von 2 Lintorfer Erzzechen. Die andere Lintorfer Erzzeche ist das Bergwerk FRIEDRICHSGLÜCK in Lintorf, von dem aber leider fast sämtliche Spuren verschwunden sind bis auf ein unzugängliches Maschinenhaus (auf dem Betriebsgelände der Firma Hünnebeck), Gleisreste der Zechenbahn, 2 Schachtabdeckungen vom Broekmanschacht an der Broekmanstraße und Straßennamen.

  4. Ich war 1953 zusammen mit meinem Bruder als Heimkinder dort und möchte gerne gerne mit Leuten in Kontakt treten, die dort auch einen Teil ihrer Kindheit verbringen mussten.

    • Guten Tag.
      Ich war 1952 bis 1955 im Heim.
      Leider ist Ihr Name mir nicht bekannt.
      Ich bitte um Antwort.
      Mit freundlichen Gruß Bernd.

  5. Im letzten Kriegsjahr begann die Organisation Todt für die Eisenwerk Wanheim GmbH mit dem Bau von insgesamt 25 Baracken für ein Fremdarbeiterlager, das jedoch nicht fertiggestellt wurde.
    1946 übernahm der Caritasverband Duisburg das 45 Hektar große Gelände und baute nach und nach die im Rohbaufertigen Gebäude um. Untergebracht wurden zunächst Flüchtlinge aus dem Osten,Heimatlose und vor allem elternlose Kinder. Unterstützt von der englischen Militärregierung entwickelte sich daraus ein Kinderdorf. Im Jahr 1983 wurde die Schließung des Kinderdorfs beschlossen. Die beiden letzten Gruppen verließen das Dorf am 01.01.1987.
    Parallel zum Abbau des Kinderdorfes erfolgte der Aufbau des Rehabilitationszentrums, zunächst noch in dem alten Gebäude des Kinderdorfs. Die Grundsteinlegung für den Neubau war 1987.
    Im Stadtarchiv Duisburg sind einige Zeitungsberichte sowie eine Broschüre aus den 60er Jahren über das Kinderdorf vorhanden.

    Zum Friedhof im Wald:
    Ich kenne das Gelände und den ehemaligen Friedhof in einer Lichtung des angrenzenden Waldes persönlich. Es befanden sich dort mehrere kleine Gräber (Kindergräber?) mit kleinen Holzkreuzen eingerahmt durch Bäume und ein größeres Holzkreuz vor Kopf. Ich habe mich immer gefragt, warum wurden Menschen anonym in diesem Wald beerdigt und wer hat diese Gräber bis in die 90er Jahre gepflegt? Mit diesen und anderen Fragen habe ich die Stadt, die Caritas usw. ein wenig genervt und man begegnete mir teilweise recht misstrauisch (Warum interessiert Sie das? Was wissen Sie über die Gräber?) Im Januar 2005 wurden die sterblichen Überreste dann exhumiert; der Friedhof existiert also nicht mehr. Die Zeitungsmeldung hierzu wurde erst Ende Juni 2005 veröffentlicht.
    Laut Auskunft der Stadt wurden in dem Bereich des “ Friedhofes “ 5 Gräber gefunden. Es handelt sich um Angestellte und Bewohner des Kinderheimes
    und einen Unbekannten. Mittlerweile habe ich unterschiedliche Angaben zu den beerdigten Personen. Offiziell sind 4 Personen als Mitarbeiter und Patienten des Heims identifiziert, ein weiterer Toter bleibt namenlos.
    Alles doch irgendwie mysteriös und irgendwann kam ich auch nicht mehr weiter.
    Auf dem Friedhof hatte man schon ein seltsames Gefühl. An den weißen Engel kann ich mich auch erinnern und manchmal hatte man das Gefühl, dass dort so was wie schwarze Messen gefeiert wurden.

    Interessante Anmerkung:
    Im Krieg war in diesem Waldstück – allerdings eher gegenüber der Rehaeinrichtung- eine Flakstellung und ein Bunker der Wehrmacht.
    Im Mai 1945 hat sich in eben diesem Waldstück Generalfeldmarschall Model das Leben genommen und soll dort sogar bis ca. 1955 „gelegen“ haben, bevor er in seine Heimatstadt umgebettet wurde.

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