Marina Rünthe und die Zeche Werne in Bergkamen und Werne

Boote in der Marina Rünthe in Bergkamen
Boote in der Marina Rünthe in Bergkamen

von Ernst Käbisch

Nach weitverbreiteter Ansicht erstreckt sich das Ruhrgebiet nur von Duisburg bis Dortmund. Dass nordöstlich von Dortmund bis weit ins Münsterland hinein aber auch noch ein reger Steinkohlebergbau betrieben wurde, überrascht mich jetzt auch etwas. Die Stadt Bergkamen war sogar lange die größte Bergarbeiterstadt (Förderung/Einwohner) Europas.

Für einen Tag ist es schon ein Mammutprogramm, was ich mir vorgenommen habe. Noch dazu ist heute so ein tropisch heißer Tag, wo eventuell sogar mit einem Hitzegewitter zu rechnen ist. Mit dem Regionalzug fahre ich von Essen im Südwesten bis nach Kamen im Nordosten quer durch das Ruhrgebiet. Und da in Kamen bzw. Bergkamen der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) im ÖPNV endet, will ich durch diese Städte zu Fuß bis nach Werne gehen. Sonst müsste ich ja noch ein teures Zusatzticket vom münsterländischen Verkehrsverbund kaufen. Werne ist schon im Münsterland und hier gibt es noch Relikte einer Zeche, die ich noch nicht gesehen habe. Das ist die nach der Stadt Werne benannte Zeche Werne.

Durch Kamen und Bergkamen gehe ich zu Fuß

Aber ich habe nur noch selten mal einen ganzen Sonntag frei, so dass mir selbst der inzwischen etwas beschwerliche Fußweg am Rande einer Autoschnellstraße ohne Fussweg nebenan nichts ausmacht. Ausserhalb der Ortschaften gibt es hier in der Ruhrgebietsprovinz eben keine Fußwege an der Werner Straße und das war schon, nachdem Kamen zu Ende war und das ist jetzt, wo ich durch Bergkamen durch bin und in den Bergkamener Ortsteil Rünthe gehe, auch wieder so. Aber es ist Sonntag früh am Morgen und da sind hier in ländlicher schon münsterländischer Umgebung kaum Autos unterwegs.

Endlich habe ich nach ca. 7 km Fußweg den Bezirk Rünthe und die Kreuzung an der Werner Straße erreicht, wo links der Hafenweg zur Marina Rünthe führt. Ich gehe aber nun rechts in die Rünther Straße hinein, weil hier noch Gebäude der Schachtanlage III der Zeche Werne zu finden sind. Einen eigenartigen mächtigen Turm der ehemaligen Kohlenwäsche finde ich an der Straße „zum Schacht III“ vor und die gut erhaltene ehemalige Waschkaue der Zeche, die von einem Projekt der evangelischen Kirche neugenutzt wird.

Von Bergkamen aus gehe ich auch noch nach Werne

Inzwischen ist es 11 Uhr und richtig heiß geworden. Da der Weg über die Brücken von Datteln-Hamm-Kanal und der parallel fließenden Lippe und weiter nach Werne hinein nun komfortabel mit Fußweg am Rand ausgestattet ist, tue ich mir die 2 Kilometer Fußweg in diese weitere Stadt im Kreis Unna auch noch an. Schliesslich sollen hier noch zahlreiche interessante Zechengebäude der Schachtanlage I/II der Zeche Werne erhalten sein. So ist es dann auch. In der Flöz-Zollverein-Straße steht ein ganzes Ensemble mit Sicherheit denkmalgeschützter Jugendstilzechengebäude. Einige der prächtigen Bauten sind neugenutzt und wirken sehr gepflegt. Bei anderen Gebäuden sind sämtliche Fensterscheiben kaputt und da ist das offenbar noch nicht der Fall. In jedem Fall hat sich der mühsame Weg in diese kleine münsterländische Stadt Werne gelohnt.

Marina Rünthe im Stadtteil Rünthe von Bergkamen

Dann gucke ich mir die Marina Rünthe, die ich schon von der Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal gesehen habe, genauer an. Es ist ja ein ehemaliger Kohlenhafen. Davon ist aber mit Ausnahme von einem alten Kran am Hafenkai nichts mehr zu merken. Sämtliche umliegenden Gebäude sind Neubauten von einer angenehmen Bauart und die zahlreichen geankerten Schiffe hier sind Sportboote oder kleine Yachten. Auch Bootsrundfahrten auf den Ruhrgebietskanälen kann man von hier aus unternehmen. Im Hafencafe trinke ich an einem schattigen Platz einen Kaffee und geniesse den Blick auf die angenehme und jetzt am Sonntag bei tropischem Sommerwetter sehr belebte Marina. Wie im Urlaub komme ich mir hier vor.

Zurück nach Kamen zum Bahnhof fahre ich von diesem empfehlenswerten Ausflugsziel diesmal aber mit dem Bus R81, der noch quer durch Bergkamen hindurch fährt. An einer Stelle werde ich sehr aufmerksam. Da fährt der Bus nämlich durch die Schulstraße im Bergkamener Bezirk Weddinghoven. Und tatsächlich fahren wir hier vorbei an dem inzwischen verwilderten Zechengelände der Zeche Grimberg 3/4. Das war das Unglücksbergwerk, wo 1946 beim schwersten Grubenunglück im deutschen Bergbau 405 Bergleute ums Leben kamen. Eine kleine Straße hier heißt „zum Schacht Kuckuck“. Schacht Kuckuck hieß der Unglücksschacht, wo damals die schreckliche Schlagwetterexplosion passierte, im Volksmund. Fast jede Familie in Bergkamen und den umliegenden Orten war von dieser Tragödie persönlich betroffen.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here