Mit dem Fahrrad nach Essen-Schuir

Die Kühe wissen nichts vom Bergbau in Essen-Schuir.
Die Kühe wissen nichts vom Bergbau in Essen-Schuir.

von Ernst Käbisch

Der Bezirk Schuir ist mit nur etwas über tausend Einwohnern der bevölkerungsärmste Stadtbezirk von Essen und ist überwiegend ländlich geprägt. Also das ist hier ganz wie in einem Dorf. Und Bergbau wurde in Schuir auch vielerorts betrieben. Am Rutherbach meine ich auch etwas zu erkennen, was wie ein Stollenmundloch aussieht. Und da war ja tatsächlich ein Stollen der Zeche Huxhol. So ähnlich heißen ja auch zwei dieser Reiterhöfe hier. Und Flöze wie das Flöz Dickebank gibt es hier und irgendwo in der Nähe ist der Dohms Erbstollen…

Also laut Wetterbericht soll es heute zumindest trocken bleiben. Und da ich die letzten Tage beim Arbeiten mal wieder mit dem Essen gesündigt habe und gestern z.B. einen übervollen Teller leckeres Gulasch aus der Krankenhausküche zum Mittagessen gehabt habe, will ich heute was mit dem Rad fahren und etwas davon abspecken. Und da bietet sich ja an, den Tipps von Andre und „Grubenanton“ auf Bergbaurelikte der Zeche Kanzel in Kettwig und der Zeche Huxhol in Essen-Schuir nachzuspüren.

Mit dem Fahrrad nach Essen-Schuir

Stollenmundloch am Rütherbach in Essen-Schuir
vermutlich ein Stollenmundloch am Rütherbach in Essen-Schuir

Inzwischen kenne ich den Weg ja gut. Dann hinter der Wohnbebauung von Kettwig wird es interessant. Und es ist so, wie es Andre sagt. So sind nicht nur am Steinbruch Mitzwinkel hier diese Baufahrzeuge und Absperrungen. Denn der ganze Felsen links der Ruhrtalstraße entlang ist zur Baustelle geworden und es wurden schon unzählige Bäume und Sträucher, ja fast die gesamte Vegetation entfernt. So werden auch die vereinzelten Relikte vom Bergbau viel besser sichtbar. Obwohl eindeutig Bergbaurelikt ist da erstmal nur eine Rösche, also ein Abfluss von Grubenwasser am Straßenrand. Man müsste tatsächlich mal die ganze nun so freiliegende Gegend abgehen, um vielleicht auch mal einen Stolleneingang oder immerhin eine Pinge zu finden.

Rösche der Zeche Kanzel mit Raupenfahrzeug
Rösche der Zeche Kanzel mit Raupenfahrzeug

Und an der Rösche der Zeche Kanzel unten an der Ruhrtalstraße sind gerade Bauarbeiter mit schwerem Gerät am Arbeiten. Von dem Kontrast von den Baggerreifen mit Ketten und der Rösche bin ich so beeindruckt, dass ich unter blöden Kommentaren der Arbeiter ein Foto machen muss. Ob die überhaupt wissen, dass die in so einer ehemaligen Bergbaugegend arbeiten? Also sinnvoll wäre das ja, weil so Tagesbrüche und Bergschäden allgemein können schon gefährlich sein. Außerdem wäre es doch spannend, zu erfahren, was die alles bei ihrer Arbeit an diesen sonst so verborgenen Bergbaurelikten entdecken.

Bergbaurelikte in Kettwig und in Essen-Schuir

Reiterhof Huxsoll in Essen-Schuir
Reiterhof Huxsoll in Essen-Schuir

Weiter ist an der Ruhrtalstraße 260 das Haus, wo das Stollenmundloch der Zeche Kanzel sein soll. Aber das stilvolle Fachwerkhaus ist bewohnt und da verbietet sich natürlich ein Blick in dessen Garten. Dann ist kurz danach schon ein Schild am Straßenrand, was aussagt, dass hier der Bezirk Werden beginnt. Aber bevor ich umdrehe, geht dann doch links die Schuirstraße ab, von der wiederum die erste Straße links ab der schmale Weg Ruthertal ist. Und hier ist es genauso, wie Schuir bei Wikipedia beschrieben ist: Und das ist eine liebliche Landschaft mit Hügeln und dem Bachtal des Rutherbachs und zahlreichen kleinen Reiterhöfen in uralten Fachwerkhäusern. Rechts geht es steil bergauf und am den Berg herunterplätschernden Rutherbach vorbei gehe ich nun ein Stück bergauf. So wie in einem Dorf sieht das hier aus. So ist doch nicht Essen, die Metropole RUHR? Aber so habe ich ja schon oft im Ruhrgebiet gedacht.

Es regnet auf der Rückfahrt von Essen-Schuir

Und nun geht mir ausgerechnet der eine Schuh kaputt, wo ich dieses Stollenmundloch? am Rutherbach entdecke. Außerdem fängt es an zu regnen. Also laut Wetterbericht sollte es doch heute trocken bleiben. Immerhin hört der Regen bald wieder auf. Und so lasse ich auch den Bahnhof Kettwig auf dem Rückweg links liegen. Und das bereue ich sehr, nachdem ich die Serpentinenauffahrt der Essener Straße in Ratingen-Breitscheid bereits hoch bis zum Ruhrhöhenweg geschafft habe. Denn ausgerechnet hier auf der flachen Hochebene, wo weit und breit nichts ist, wo man sich unterstellen könnte, geht nun ein wolkenbruchartiger Sturzregen herunter. Wie ein begossener Pudel rette ich mich mit dem Rad noch bis nach Hause.

Ausser weiteren Spekulationen habe ich heute eigentlich nichts an neuen Eindrücken aus Schuir mitgenommen. Aber sicher lohnt es sich, noch mal nach Schuir zu fahren, wenn mal etwas besseres Wetter ist. Und dann will ich auch mal (mit festem Schuhwerk) so einen Weg etwa am Rutherbach entlang weiter bergauf gehen. Denn das sieht da alles sehr interessant aus. Und es ist da landschaftlich sehr beschaulich und gar nicht wie mitten in einer großen Stadt.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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