Mit dem Fahrrad zur Dickelsbachsiedlung in Duisburg

Die unscheinbare, aber attraktive Dickelsbachsiedlung in Duisburg
Die unscheinbare, aber attraktive Dickelsbachsiedlung in Duisburg

von Ernst Käbisch

Die denkmalgeschützte Dickelsbachsiedlung in Duisburg wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut, um die Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg zu lindern. So auf den ersten Blick wirken die vielen Wohnungen mit den flachen Dächern in langen Hausreihen überhaupt nicht besonders. Dabei wird diese Siedlung architekturgeschichtlich mit der Siedlung Kiefhoek in Rotterdam und den Bruno-Taut-Bauten in Berlin in eine Reihe gestellt.

Flohmarkt an der Schauinsland-Arena
Flohmarkt an der Schauinsland-Arena

Also eigentlich will ich ja im Landesarchiv NRW am Innenhafen in Duisburg die Akte zur AMALIENGRUBE Ratingen einsehen. Und ich will sie mir diesmal kopieren lassen. Denn das ist ja nur eine einzige vergilbte Seite aus dem 19ten Jahrhundert in altdeutscher Schrift. Und da kann ich mir ja schon mal die Mühe machen, den ganzen Text versuchen zu entziffern.

Aber das läuft mir auch nicht davon. Und erstens sieht das Wetter nicht so sehr stabil aus. Weiter sind hier im Süden von Duisburg Baustellen und ich muss anders fahren als geplant. So fällt mir jetzt nicht direkt eine gute Verbindung zum Hafen ein. Und so gebe ich diesen eh auch nur eher spontanen Plan mit dem Landesarchiv eben auf.

Die Dickelsbachsiedlung ist auf den ersten Blick unscheinbar

Und da mich gerade an der 6-Seenplatte auch weiter nichts reizt, halte ich mich eben an der Dickelsbachsiedlung etwas fest. Denn hier bin ich jetzt unvermutet angelangt. Und wie immer bin ich hier sehr angetan von der erstmal völlig unscheinbaren Siedlung. Denn eigentlich ist das auf den ersten Blick eine Wohnbausiedlung wie viele andere.

Strasse in der Dickelsbachsiedlung
Strasse in der Dickelsbachsiedlung

Dann ist es sogar so, dass die Wohnungen winzig zu sein scheinen. Denn auf engstem Raum sind hier zahlreiche Wohneinheiten in völlig gleichaussehenden, langen Häuserzeilen. Und erst wenn ich genauer hingucke, sehe ich aber den Charme dieser Wohnungen. Denn eigentlich ist jede Wohneinheit ein winziges Haus auf 2 Etagen für sich. Weiter hat jedes der roten Backsteinhäuser mit den grünen Türen und Fensterrahmen ein Stück Garten hintendran. Immerhin ist das mitten in der Großstadt etwas Besonderes.

Also es ist sogar verblüffend, wie effektiv hier offenbar jeder Quadratmeter ausgenutzt wird und wie raffiniert auf winzigem Raum vermutlich Lebensqualität für viele Bewohner garantiert wird. Viele der Häuser sind geschmückt mit Blumenkästen voller blühender Blumen und Kunsthandwerk. Vereinzelt stehen Sitzbänke vor den Häusern. So merke ich, wie gerne die Menschen hier wohnen. Die Fenster zur Straße haben kurze Gardinen, wodurch die Wohnzimmer einsehbar sind. Und das lässt mich direkt an die Niederlande denken, wo die Menschen auch oft so dicht aneinander in solchen kleinen Wohnvierteln wohnen.

Die Dickelsbachsiedlung als architekturgeschichtliche Besonderheit

Dann ist ja tatsächlich die Dickelsbachsiedlung ein denkmalgeschütztes Ensemble, das in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut wurde, um die Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg zu lindern. Und im Internet lese ich, dass die Dickelsbachsiedlung architekturgeschichtlich sogar in eine Reihe mit den Bruno-Taut-Bauten in Berlin und der von J. J. P. Oud für Rotterdam entworfenen Siedlung Kiefhoek gestellt wird. Also ist meine Assoziation zu holländischen Wohnsiedlungen ja schon ganz richtig.

MSV-Logo an der Schauinsland-Arena in Duisburg
MSV-Logo an der Schauinsland-Arena in Duisburg

Und benannt ist die Dickelsbachsiedlung nach dem im Süden der stilvollen Siedlung durch einen Park an der Wacholderstraße aus Ratingen-Hösel und durch Ratingen-Lintorf hierhinfließenden Dickelsbach. Wo ich die Wacholderstraße ein Stück weiter Richtung Osten fahre, komme ich an der Schauinsland-Arena aus. Davor ist heute ein belebter Flohmarkt. Denn der MSV spielt ja heute auswärts in Rostock. Und keine Autos müssen heute auf dem weitläufigen Parkplatz der Schauinsland-Arena parken.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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