Mit dem Rad an der Ruhr in Essen

Wie überall im Ruhrgebiet gibt es gerade auch im grünen Ruhrtal immer wieder verblüffende Kontraste. Unvermittelt steht am Ufer des Baldeneysees der Förderturm der Zeche Carl Funke. Wo einst im Oefter Wald die Zeche Rudolph war, ist jetzt ein Golfplatz. Und in dieser Postkartenlandschaft im Süden von Essen wohnten auch die Ruhrbarone wie die Familie Krupp oder die Familie Thyssen. Zwar wohne ich nicht im Ruhrgebiet, aber mit dem Fahrrad ist das für mich gut erreichbar.

Diesmal habe ich kein festes Ziel, als ich bei schönem Wetter mit blauem Himmel in Ratingen losradel. Zuerst fahre ich über die Dörfer Eggerscheidt und Hösel nach Heiligenhaus. Inzwischen ist es etwas neblig geworden. Aber wo ich es schon einmal bis hierhin geschafft habe, biege ich im Heiligenhauser Ortsteil Oberilp links in die steil abschüssige Ruhrstraße, die direkt bis ins Ruhrtal von Essen-Kettwig führt. Fast gar nicht brauche ich hier in die Pedalen zu treten.

Die Zeche Rudolph im Oefter Wald

Im Nu bin ich so in Essen-Kettwig. Hier halte ich mich rechts, anstatt den gemütlicheren Weg links an der Ruhr vorbei zu nehmen. Die Landschaft hier im grünen Ruhrtal ist noch eigenartiger als sonst schon im immer wieder verblüffend natürlich wirkenden Tal dieses ehemaligen Industrieflusses. Rechts von der Straße sind dichtbewaldete Hügel, es gibt einen Wasserfall und links von mir fliesst die Ruhr in mehreren Flussarmen entlang. Vielleicht 2 Kilometer weiter ist rechts ein altes Schloss, das Schloss Oefte.

Hier war einmal die Steinkohlenzeche Rudolph, von der aber nichts mehr übriggeblieben ist. Nur eine Ruine des Maschinenhauses steht irgendwo am Oefter Bach unweit des Landgasthauses „Oefter Wald“. Im Internet habe ich Fotos von diesem eindrucksvollen Industriedenkmal gesehen. Bisher habe ich schon mehrere Versuche unternommen, diese Ruine zu finden, bisher vergeblich. Nun entdecke ich die mir bisher nicht bekannte Straße „Oefte“ , die mitten durch den Golfplatz führt. So versuche ich ein weiteres Mal, das ehemalige Maschinenhaus der Zeche Rudolph hier im Oefter Wald zu finden. Aber ich weiss ja wieder garnicht, wo genau ich suchen soll. Zwar finde ich den Oefter Bach. Hier muss das irgendwo sein.

Ein Link zur Zeche Rudolph:

http://www.heiligenhaus-blog.de/ein-blick-ueber-die-stadtgrenze-3/comment-page-3/

Weiter an der Ruhr und am Baldeneysee entlang

Aber dann verliere ich doch die Lust an der Suche und fahre weiter an der Ruhr entlang. Inzwischen bin im Ortsteil Werden angelangt. Mit dem ja noch relativ neuen Fahrrad und bei dem inzwischen wieder herrlichen Wetter merke ich kaum die Kilometer, die ich zurücklege. Nun will ich wenigstens noch bis zu der Stelle am Baldeneysee, wo auf der gegenüberliegenden Seite der markante Förderturm der Zeche Carl Funke steht.

Zeche Carl Funke in Essen-Heisingen

Zuerst sehe ich den Turm ja garnicht. Er ist eben auch grün wie die ihn umgebenden Bäume und so schwer zu erkennen. Drüben auf der anderen Seite des Baldeneysees ist der ehemalige Bergarbeiterbezirk Heisingen. Hier aber auch diesseits des Sees waren zahlreiche Zechen. Vereinzelt sehe ich eine Lore z.B. auf einem Campingplatz. Industrie ist in diesem Teil von Essen aber längst kaum noch tätig. Hier im Süden der Stadt ist ein grosses Naherholungsgebiet und zahlreiche Ausflügler sind bei heute herrlichem Pfingstwetter unterwegs. Und wer hier wohnt, muss schon recht betucht sein. Ein Stück weiter am Baldeneysee sieht man heute über bewaldeten Hügeln deutlich die schlossähnliche Villa Hügel der Kruppdynastie. Nachwievor lebt hier ja der hochbetagte Vorsitzende der Kruppstiftung, Berthold Beitz in einem Nebengebäude der Villa Hügel.

Eine ehemalige Krupphütte, das einstige Thyssenschloss

Auf dem Rückweg fahre ich da, wo der Staudamm ist, auf die andere Seite der Ruhr. Ich komme an einem ehemaligen Werk der Krupps vorbei.  Vermutlich war das eine Stahlhütte.  Argwöhnisch beobachtet mich der vor der Haustür stehende vermutlich hier wohnende, wie ich ein Foto der ehemaligen Hütte mache. Oben am Giebel des Hauptgebäudes ist das Krupplogo mit den drei Ringen. Kurz vor dem idyllischen Vorort Kettwig sehe ich eine weitere Lore im Vorgarten eines Kanuvereins. Dass hier so weit südlich auch eine Zeche war, wusste ich nicht. Über die August-Thyssen-Straße fahre ich zurück nach Ratingen. Hier auf einem Hügel schon auf Ratinger Gebiet steht Schloss Landsberg, wo einstmals die Familie Thyssen wohnte. Auch  in diesem für die Öffentlicheit nicht zugänglichen Gebäude verwaltet inzwischen eine Stiftung das Erbe.

 

1oefte
Alles in diesem Gebiet heisst Oefte Foto anklicken
2oefterbach
Der Oefter Bach Foto anklicken
3cfunke
Kaum zu erkennen ist links der grüne Förderturm der Zeche Carl Funke. Foto anklicken
3bcfunke
Ton in Ton Foto anklicken
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Lore auf einem Campingplatz Foto anklicken
5huegel
Heute ist deutlich die Villa Hügel zu erkennen Foto anklicken
6krupp
Diese ehemalige Krupphütte ist bewohnt. Foto anklicken
6bkrupp
Das alte Krupplogo Foto anklicken
7reiher
Tatsächlich ist das ein lebendiger Fischreiher; er bewegt sich fast gar nicht. Foto anklicken
8kettwigbruecke
Und auch in Kettwig an der Brücke ist eine Lore bei einem Kanuverein. Foto anklicken
9kettwig
Solche Postkartenmotive wie das hier von Kettwig gibt es in dieser Gegend viele. Foto anklicken
10tiereimhof
Für Freunde, die über Pfingsten verreist sind, füttere ich deren Haustiere. Foto anklicken

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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