Mit dem Rad zum Steinbruch Mitzwinkel in Kettwig

Flöz im Steinbruch Mitzwinkel
Flöz im Steinbruch Mitzwinkel

von Ernst Käbisch

Zu den Flözen der Karbonschicht im Ruhrgebiet habe ich es selbst mit dem Fahrrad nicht weit. Dafür muss ich nur bis Kettwig fahren, die frühere Nachbarstadt von Ratingen im Kreis Mettmann. Denn beim ehemaligen Steinbruch Mitzwinkel ist wie z.B. an der Kampmannbrücke am Baldeneysee ein geologischer Aufschluss. Und in einer der Felsspalten kann man die Steinkohle sehen und fühlen. Die Finger färben sich schwarz, wenn man darüber reibt.

Schon soll es auch heute zwar regnen, aber erst ab Mittag. So nutze ich frühmorgens noch die Gelegenheit und fahre mit dem Rad nach Kettwig. Denn das ist ja nicht weit und auch ein bisschen Trimm-dich-Programm. Weiter ist es auch verlockend, diesem Tip der Bergleute in der Rheinhauser Bergbausammlung nachzuspüren. Denn wo der Steinbruch Mitzwinkel in Kettwig war, weiss ich inzwischen durch Recherchen im Internet ganz genau. Und es ist spannend, so einen geologischen Aufschluss mit einem Kohleflöz so weit südlich vom Ruhrgebiet in Kettwig zu sehen.

Also dass überhaupt Bergbau in Kettwig betrieben wurde, ist ja längst keine Überraschung mehr für mich. Denn die vielfältigen Relikte der Zeche Rudolf drüben im Oefter Wald jenseits der Ruhr kenne ich ja inzwischen. Und sogar am alten Kettwiger Bahnhof ist ja ein Zechenrelikt erhalten geblieben. Gerade bin ich daran mit dem Rad vorbeigefahren. Und das ist ein Stollenmundloch der uralten Steinkohlezeche Kanzel, wo man durch ein Loch in der Mauer sogar noch in den Stollen hineingucken kann. Denn das ist der Bilsteiner Stollen. Schon ist es so, dass aber viel über diese Zeche Kanzel nicht dokumentiert ist.

Unweit des Kattenturms ist der Steinbruch Mitzwinkel

Denn im Landesarchiv NRW in Duisburg habe ich zuletzt kaum Informationen über die Zeche Kanzel gefunden. Und das, wo ich ausser dem Stollenmundloch am Kettwiger Bahnhof noch darüber im Wald einen umzäunten Tagesbruch gefunden habe. Ein Schild sagt hier aus, dass Lebensgefahr besteht. Also vermutlich ist der Stollen ja eingestürzt. Und es gab noch mehr Baue dieser Zeche, bloss wo soll man da schon suchen?

Immerhin habe ich ja jetzt wieder einen Anhaltspunkt zum Thema Bergbau in Kettwig insgesamt und das ist nur ein Stück weiter die Ruhrtalstraße hoch Richtung Werden. Schon ist die Wohnbebauung von Kettwig zuende und rechts sehe ich nun die Kattenturmruine. Die Bushaltestelle hier heisst auch Kattenturm nach der Ruine aus Ruhrsandstein von Burg Lüttelnau. Links von der Ruhrtalstraße führt nun ein Wanderweg in den Wald hinein. Und dann ist rechts eine Steigung, wo ich vom Rad steigen muss. So steil geht das hier hoch.

Endlich habe ich den allerdings vom Grün von Bäumen und Sträuchern zugewachsenen Ausblick auf die Ruhr erreicht. Dann sehe ich auch schon direkt daneben diese interessante geologische Formation am Felsen, wo verschiedene geologische Schichten erkennbar sind. Also das ist der geologische Aufschluss des ehemaligen Steinbruchs Mitzwinkel. So ein Beweis wäre unten an der Ruhrtalstrasse die nächste Bushaltestelle namens „Mitzwinkel“. Denn das weiss ich schon aus dem Internet, aber so spannend ist das ja nicht.

Ein Flöz am Steinbruch Mitzwinkel

So reicht mir nun der ja viel interessantere Beweis, dass in einer dieser Felsspalten am geologischen Aufschluss deutlich sichtbar Kohle ist. Und ich reibe mit den Fingern darüber und die Finger färben sich schwarz von der Kohle. Faszinierend ist das. Also für abbauwürdig wird dieser Flöz wohl kaum befunden worden sein. Denn dafür ist er ja viel zu schmal. Dann ist aber sicher in der Nähe von so einem Flöz noch ein weiterer oder sogar mehrere. Und sicher waren also genau hier auch Baue der Zeche Kanzel oder der Zeche Schmachtenberg oder einer anderen dieser einstmals vielen Kettwiger Steinkohlezechen.

Dann auf dem Rückweg muss ich ja wieder den Esel (die Essener Straße) in Ratingen-Breitscheid hochfahren. Und da, wo rechts die kleine Straße „Ruhrhöhenweg“ abgeht, habe ich die mit Fahrrad schon etwas quälende Steigung auf Serpentinen endlich geschafft. Obwohl hier nicht nur der sauerländische Gebirgswanderweg Ruhrhöhenweg (von der Quelle bis zur Mündung) entlang führt, sondern sogar eine Wohnstraße so heißt, bin ich hier aber im Flözfreien. Und hier ist das Ruhrgebiet zuende.

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Text/Fotos: Ernst Käbisch

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