Nachts am Phönixsee in Dortmund

Lichter der Großstadt am Phönixsee in Dortmund
Lichter der Großstadt am Phönixsee in Dortmund

von Ernst Käbisch

Immerhin erfährt das Viertel um den Phönixsee im Dortmunder Bezirk Hörde einen spürbaren Aufschwung. Und diese Veränderung muss man zwar auch als Gentrifizierung bezeichnen. Allerdings bedeutet das schon eine positive Stadtentwicklung. Denn die Menschen nicht nur dieses Stadtviertels haben hier ein neues Naherholungsgebiet und Vergnügungsviertel erhalten. Und mitten in der größten Stadt der Metropole RUHR wurden auf der großen Industriebrache einer Stahlhütte auch dringend benötigte neue Wohnungen gebaut.

Zuletzt gefiel mir der Phönixsee allerdings immer weniger. Weil da nach all den Jahren immer noch gebaut wird. Und ich kenne den See doch schon, wo er 2010 gerade eben geflutet wurde. Und ringsum standen da noch keine neuen Häuser. So etwas mit grünen Wiesen und Parklandschaft an den Seeufern hätte das für meinen Geschmack gerne bleiben bzw. werden können.

Weil ich nachts letztens wieder interessante Eindrücke in Marl und in Moers hatte, interessiert mich am arbeitsfreien 2.Weihnachtstag noch einmal das nächtlich beleuchtete Ruhrgebiet. Denn beim Zollverein in Essen, beim Landschaftspark Duisburg-Nord und auch in Bottrop, in Gelsenkirchen, in Hattingen und in Bochum hatte ich da vor 2 Jahren schon einmal interessante nächtliche Eindrücke mit teilweise spektakulären Lichteffekten. Und so fahre ich heute in die größte Ruhrgebietsstadt Dortmund. Denn da war ich nachts noch nicht.

Jedesmal andere Eindrücke am Phönixsee

Und an diesem Feiertag wirkt der Phönixsee im Dortmunder Ortsteil Hörde wie ausgewechselt gegenüber meinem letzten Besuch. Gerade ist hier richtig was los. Denn viele machen wie ich einen Rundgang um den See. Wie ich wollen sie offenbar ein bisschen von dem guten weihnachtlichen Essen abspecken. Immer noch wird vielerorts gebaut. Und etliche Kräne stehen noch um den See herum. Inzwischen gibt es hier keine unbebauten Stellen an den Ufern mehr. Die Ausnahme ist nur die Halde am Ostufer.

Inzwischen beginnt es dunkel zu werden. Und mit all den Lichtern der Großstadt ringsherum fällt mir auch erst auf, wie zentral der See eigentlich in der Stadt Dortmund gelegen ist. Dann ist natürlich auch klar, dass diese neue Attraktion der Stadt so gründlich zugebaut wurde. Denn jeder, der kann, will hier Geschäfte machen oder wohnen oder zumindest am attraktiv gestalteten Seeufer flanieren. Und heute finde ich das hier auch richtig cool. Die kleinen Privathäuser sind fast ausnahmslos originelle architektonische Kunstwerke. Kein Haus sieht wie das andere aus.

Der Phönixsee erinnert an das CentrO Oberhausen

Außerdem ist am Westufer um die alte Hörder Burg, die ehemalige Verwaltung der Stahlhütte, eine quirlige Restaurant- und Kneipenszene in die hier längst fertigen Neubauten gezogen. Und das erinnert ein bisschen an die ebenso quirlige Gracht im Oberhausener CentrO. Aber ich finde das hier sogar noch besser wegen dem attraktiven See. Zahlreiche der Neubauten sind mit Neon- oder LED-Lichtern beleuchtet. Stilvoll spiegeln sich die Lichter auch im See. Schwärme von Kanadagänsen fliegen in Formationen unter dem jetzt klaren Nachthimmel über den See. Und nachwievor sind bei dem mildem Wetter zahlreiche Menschen draussen. Und einige sitzen sogar noch in Biergärten und geniessen ihren Phönixsee anstelle der ehemaligen Stahlhütte.

So ist mein Besuch in Dortmund diesmal viel positiver als erwartet. Schon ist es so, dass am Phönixsee der einstige Stahlarbeiterbezirk Hörde gentrifiziert wurde. Denn die meisten ehemaligen Bewohner sind längst weggezogen. Kaum einer von ihnen wird sich ja eins der chicen neuen Häuser am See leisten können.

Arbeiterbezirk Hörde

Aber ich bin kürzlich auf dem Weg nach Hohensyburg auch durch das andere Hörde südlich von hier jenseits vom Bahnhof Hörde gefahren, wo es so ist wie wohl vorher auch hier um den See bzw. die ehemalige Hermannshütte herum. Und dieses Viertel wirkt so, als sei es vom Strukturwandel im Ruhrgebiet ganz vergessen worden. Und im Gegenteil scheint da ein Problemviertel mit viel Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Tristesse entstanden zu sein.

Dann ist es doch schon besser, wenn ein Viertel so einen Aufschwung wie hier am Phönixsee erfährt. Und das selbst, wenn der See jetzt ringsum zugebaut ist und der neue Wohnraum nicht für jeden erschwinglich ist. Die Wohnbevölkerung im Bezirk ist ja nun höchst unterschiedlich. Und der mit Schilf und anderen Pflanzen begrünte Streifen am Seeufer und die nördlich vom See renaturiert entlangfliessende Emscher sind zwar attraktiv. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Altlastenproblem von der einstigen Stahlhütte hier durchaus noch vorhanden ist. So lese ich es im Internet.

Zuerst auf eins der Bilder klicken. Dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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