Nachts auf der Halde Rheinpreußen in Moers

Das "Geleucht" auf der Halde Rheinpreußen in Moers

von Ernst Käbisch

Zuerst bin ich ja von meinem nächtlichen Besuch der Halde Rheinpreußen schwer enttäuscht. Denn das, wofür ich eine so lange und umständliche Fahrt mit 2 Bussen und 2 Regionalbahnen nach Moers am Niederrhein hatte, habe ich knapp verpasst. Erst als ich schon wieder unten an der Landstraße war und zur Busstation ging, fing „das Geleucht“ auf der Halde an zu leuchten.

So eine Fahrt macht man nicht mal spontan. Schon oft hatte ich es vorgehabt, abends mal zu dem spektakulär beleuchteten Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers zu fahren. Nun ist es so weit, dass ich das auch mache. Denn man muss es doch mal einfach gesehen haben, wie die eh schon reizvolle Halde Rheinpreußen mit seinem fantastischen Panoramablick über die Duisburger Industrieskyline am Rhein und den ländlichen Niederrhein auch noch spektakulär von dieser überdimensionalen, stilisierten Grubenlampe der Bergleute beleuchtet wird.

Dann ist es schon fast dunkel, als ich an der Station „Chemische Werke“ aus dem Bus der Linie 4 steige und mich an den Haldenaufstieg begebe. Es ist ein klarer, kalter Wintertag und die Sonne ist gerade mit spektakulärem Farbenspiel während meiner Fahrt durch Duisburg untergegangen. Und nun bin ich gespannt auf das Geleucht.

Nachts auf der Halde Rheinpreußen

Schon bin ich jetzt sehr enttäuscht, als ich nach dem Haldenaufstieg ein gänzlich dunkles, schwarzes Geleucht vorfinde. Zwar sind ein paar Leute hier oben und einer hat sogar ein Kamerastativ aufgebaut. Trotzdem rechne ich nicht damit, dass hier noch etwas passiert und mir ist es zu kalt, hier lange rumzustehen. Zwar sieht auch das unbeleuchtete Geleucht vor dem dunkelblauen Himmel mit den letzten Farbresten der untergegangenen Sonne am Horizont und den scherenschnittartigen Figuren interessant aus. Dennoch bin ich nun so enttäuscht, dass ich mich bald wieder an den Haldenabstieg begebe.

Immerhin bringen die einen dazu, abends mal etwas Trimm-Dich-Programm zu betreiben und Halden aus der einstigen Steinkohleförderung zu besteigen, wenn so Bilder von den beleuchteten Landmarken veröffentlicht werden. Schon beim Tetraeder in Bottrop fühlte ich mich etwas veralbert, als ich abends nur eine  Landmarke mit spärlichen Lichtern auf dem Haldengipfel vorfand. Aber im Nachherein hatte das ja was mit dieser pechkohlschwarzen Halde und dem knappen Licht von einigen wenigen LED-Zellen. Alles was man überhaupt sieht, sieht aus wie Scherenschnitte aus schwarzem Papier. Und ein bisschen ist das vermutlich der einstigen Realität der Bergleute nachempfunden. Denn die hatten es auch oft nicht sehr hell untertage.

Dann geht doch das Licht an auf der Halde Rheinpreußen

So dunkel ist es jetzt auch hier auf dem Haldengipfel bzw. ist da nur noch das Restlicht der Sonne am Horizont. Zuerst habe ich da aber keinen Sinn für. Und die betriebsame chemische Fabrik unten an der Landstraße, wo die Busstation ist, ist zwar stark beleuchtet, aber so interessant auch wieder nicht. Und dann fühle ich mich erst recht verschaukelt, als ich nun von unten sehe, dass die Beleuchtung der Landmarke auf der Halde angeht. Denn ein kleiner roter Punkt strahlt jetzt von da oben, wo das Geleucht ist. Aber jetzt ist es für mich zu spät. So ein weiteres Mal tue ich mir in der Kälte den Haldenanstieg nicht mehr an.

Und die Versuche, von der Landstraße aus den kleinen roten Punkt oben auf der Halde ins Bild zu kriegen, gelingen mir nicht recht. Dafür ist die Kamera zu einfach und die Bilder verwackeln meist. Und nun steht mir steht mir auch noch die Fahrt zurück bevor. Erst fahre ich mit dem Bus wieder zum Bahnhof Moers. Weiter geht es mit der Regionalbahn aus Xanten nach Duisburg. Dann muss ich von Duisburg mit einer weiteren Regionalbahn zum Düsseldorfer Flughafenbahnhof und von dort mit dem Bus nachhause fahren. Immerhin klappten auf der Hinfahrt die Anschlüsse gut. Jetzt auf der Rückfahrt stehe ich viel zu lange an zugigen Bahnhöfen und Busstationen herum. Und das alles für diese verpasste Geleuchtbeleuchtung.

Natureindrücke statt künstlicher Beleuchtung

Immerhin hatte ich heute doch großartige Eindrücke vom Sonnenuntergang während der Fahrt durch Duisburg. Und ich finde sogar einen Teil der Bilder auf der Halde in Moers gar nicht so schlecht. Diese scherenschnitthaften Aufnahmen des unbeleuchteten Geleuchts haben doch etwas. Weiter weiss ich ja nun auch, dass ich für ein eventuelles nächstes Mal so hier hin fahren muss, dass ich etwa eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit hier bin. Erst dann wird das Geleucht beleuchtet.

Zuerst auf ein Bild klicken. Dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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