Nachts beim Zollverein in Essen

Die Rolltreppe der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein hoch zum Ruhrmuseum
Die Rolltreppe der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein hoch zum Ruhrmuseum
von Ernst Käbisch

Also die größte und schönste Zeche der Welt, das Weltkulturerbe Zollverein in Essen-Katernberg muss doch selbst an einem Montagabend im Februar gut beleuchtet sein. So denke ich mir das. Dann aber ist spektakulär beleuchtet nur die bekannte Rolltreppe der ehemaligen Kohlenwäsche hinauf zum Ruhrmuseum. Und das übrige Riesengelände der einstigen Zeche wirkt jetzt weitgehend verwaist und ziemlich düster.

Schon besser stempel ich noch ein Zusatzticket für 3,20 Euro ab und fahre mit der diesmal pünktlichen S-Bahn bereits um 18.26 Uhr los. Dann ab 19 Uhr kann ich zwar mit dem Ticket 2000 ganz umsonst auch in den ganzen VRR-Bereich fahren. So aber bin ich früher wieder zu Hause. Dann am Essener Hauptbahnhof fällt eine Bahn der „Kulturlinie 107“ in Richtung Gelsenkirchen einfach aus.  So muss ich dort 20 Minuten warten und die nächste Bahn ist natürlich dann gedrängt voller Menschen. Und die fahren wohl gerade von der Arbeit nach Hause.

Am Zollverein ist es auch dunkel

Dann in Richtung Norden der Stadt Essen wird es immer dunkler. So war es vor 2 Wochen an dem Montagabend in Bottrop. Schon da fand ich, daß die Straßenbeleuchtung da ärmlich ist wie früher in einer Metropole eines Ostblockstaats. Und auch am Zollverein ist erstmal nichts sehr erleuchtet. So hätte ich das von dem Weltkulturerbe und unbestrittenen Zentrum der Kulturhauptstadt Europas von 2010 RUHR.2010 nicht erwartet. Denn nur schemenhaft erkenne ich den markanten Förderturm, den sogenannten Doppelbock von Schacht XII.

Weiter aber sehe ich doch immerhin ein paar bunte Lichter von der langen Rolltreppe zur ehemaligen Kohlenwäsche und dem jetzigen Ruhrmuseum hoch. Und da gehe ich näher ran und mache ein paar Fotos, die hoffentlich nicht verwackelt sind. So hatte ich mir das hier überall vorgestellt – Scheinwerfer und Neonröhren beleuchten das alte Kohlenwäschegebäude und besonders die markante Rolltreppe in spektakulären Rotorange- und Grüntönen.

Der „Doppelbock“ (Schacht XII) vom Zollverein

Aber sonst wirkt das ganze Riesengelände um den eindrucksvollen „Doppelbock“ von Schacht XII verwaist und ist nur spärlich beleuchtet. Und selbst der Doppelbock ist nur geringfügig von Scheinwerfern bestrahlt. Schon wieder bekomme ich wie bei meinen vorigen Besuchen von dem gewaltigen Turm nicht im Ansatz so vernünftige Bilder hin, wie sie sogar als Postkartenbilder bekannt sind von diesem berühmtesten Fotomotiv des Ruhrgebiets. Denn bei so einem riesigen Gebäude ist ein großes Problem die perspektivische Verjüngung der Linien. Und der markante weiße Frakturschriftzug „Zollverein“ unterhalb der Seilscheiben muss ja deutlich zu sehen sein. Dann ist das Hauptproblem natürlich jetzt in der Nacht das nur sehr spärliche Licht von viel zu wenig Scheinwerfern. So verwackeln mir zahlreiche Versuche, ein vernünftiges Foto zu machen.

Und auf dem ganzen Gelände ist es jetzt so, daß kaum etwas beleuchtet ist. Dann ist da, wo die vollständig erhaltenen Gleisanlagen sind und die ehemalige Kokerei, sogar völlige Finsternis. So gibt es auch scheinbar gerade nur einen Ort in einer der kleinen Galerien hier, wo überhaupt Menschen anwesend sind. Außerdem begegnen mir auf dem Gelände nun zwei dunkel gekleidete Wachmänner mit Taschenlampen auf einem ihrer Rundgänge. Schon befürchte ich, daß die mich fragen, was ich mich denn nachts hier ganz alleine herumtreibe. Immerhin bleibt das ja aus. Schließlich ist man ja auch in der Metropole Ruhr, wo an so einem weltberühmten öffentlichen Ort jeder tun und lassen kann, was er will.

Zollverein, die größte Zeche der Welt

Und ich will nun mal im Moment die ganz ungewohnten nächtlichen Eindrücke hier an diesem natürlich auch mich sehr beeindruckenden, tagsüber von vielen Menschen bevölkerten Ort auf mich wirken lassen. „New York hat so etwas nicht“, „die größte Zeche der Welt“, „die schönste Zeche der Welt“, viele solcher Superlative treffen sehr nachvollziehbar auf diese eindrucksvolle Schachtanlage der Zeche Zollverein ja zu. Schon ist jetzt in der Nacht nicht allzuviel davon zu bemerken. Denn der überwiegende Eindruck ist der eines fast unheimlichen, da schlecht oder weitgehend sogar gar nicht beleuchteten Ortes. Also nicht nur in Bottrop beim Tetraeder oder auch in Duisburg beim Innenhafen wird stark mit Licht gespart. Gerade auch der Zollverein in Essen-Katernberg ist jedenfalls bei trotzdem vollster Wertschätzung meinerseits an so einem trüben und immerhin trocken gebliebenen Montagabend stark unterbelichtet.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

4 KOMMENTARE

    • Echt? Da war ich mir gar nicht so sicher, weil in der Dunkelheit fast alles verwackelt. Und der Kamerablitz ist da auch meist nicht hilfreich.
      Schöne Grüße nach Berlin

        • Die Stimmung ist nachts an so einem Ort ja mehr oder weniger vorgegeben. Das ist bei mir ein bisschen aus der Not geboren, weil ich an „meinen“ Ausflugswochenenden und Feiertagen jetzt arbeite. Aber es war schon immer mal die Idee, abends diese Orte zu besuchen, wo sie ganz anders wirken als tagsüber und mehr oder weniger stimmungsvoll beleuchtet sind. Wenn ich abends mal Zeit finde, setze ich demnächst wieder gerne mal in die S-Bahn.

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