Natur auf Zeche Friedrich Thyssen 4/8 in Duisburg

Zeche Friedrich Thyssen 4/8
Hier arbeitete Zeche Friedrich Thyssen 4/8

So in einer mit Betrieben der Montanindustrie übervollen Stadt wie Duisburg geht man offenbar nicht gerade zimperlich mit seinen industriellen Denkmälern um. Und auch zu altgedienten Arbeitersiedlungen ist man offensichtlich nicht sehr freundlich. Denn von der einstigen Großzeche Friedrich Thyssen ist ausser einem einzigen Förderturm von Schachtanlage 1/6 am Hamborner Rathaus so gut wie Nichts übriggeblieben. Dabei war die Zeche Friedrich Thyssen einmal die größte Zeche im ganzen Ruhrgebiet. So war sie noch größer als der Essener Zollverein. Und bei Schachtanlage 4/8 will ich heute mal gucken, was noch da ist. Schon auf dem Weg dahin sehe ich, dass die aus vielen sehenswerten Gründerzeithäusern bestehende Arbeitersiedlung gegenüber der ThyssenKrupp-Hütte in Bruckhausen einfach abgerissen wird. Weil hier soll ein Grüngürtel errichtet werden.

Dann der Weg zu der Zeche Friedrich Thyssen 4/8 ist mindestens genauso spannend wie die Zeche selber. Schon an der Station „Matenastraße“ steige ich aus der vom Duisburg HBF kommenden U-/Straßenbahnlinie 901. Und mal wieder gucke, ob vielleicht der Matenatunnel wieder geöffnet ist. Denn unter der wie eine Stadt großen ThyssenKrupp-Hütte verläuft die Matenastraße. Natürlich ist der aus Schimanskitatorten bekannte Tunnel aber nachwievor sicher wegen Baufälligkeit geschlossen. Und damit ist die über viele, viele Kilometer einzige Verbindung der im multikulturellen Bezirk Bruckhausen wohnenden Menschen zum Rhein einfach nicht mehr da.

Der Arbeiterbezirk Duisburg-Bruckhausen

Und der gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Straße befindliche Teil des Bezirks Bruckhausen wirkt inzwischen von hier aus gesehen jetzt wie eine Geisterstadt. Weitere Häuser  sind seit meinem letzten Besuch hier verschwunden. Zum Teil waren das sogar ganz schöne Gründerzeithäuser in Jugendstilarchitektur. Und gerade arbeitet ein Bagger am nächsten Abrisshaus. Und er reisst brutal grosse Stücke Mauerwerk aus dem Haus heraus. Eine gespenstische Atmosphäre lastet über diesem einstmals sicher lebendigen angenehmen Wohnbezirk. Und trotz der nahen lärmenden Hütte waren die Menschen gerne hier. Die Häuser müssen weichen für den geplanten Grüngürtel Duisburg-Nord, was auch immer das werden soll.

Das Schachtgelände 3/7

Dann zum Hüttengelände gucke ich nur ganz kurz einmal. Denn das Schachtgelände 3/7 der einstigen Großzeche Friedrich Thyssen soll auf dem sich über viele Kilometer parallel zum Rhein erstreckenden Hüttengelände gewesen sein. Aber da sind vermutlich absolut keine Reste von übrig geblieben. Und die Schächte werden verfüllt sein. Dann ist der Rest Alles in den Hüttenbetrieb übergegangen. Stattdessen gehe ich nun in die Dieselstraße hinein. Und diese Straße erkenne ich zuerst gar nicht wieder. Kurz vor dem Abriss des Hochofens 4 der Hütte war ich schon mal hier. Dann war ein Jahr später hier, wo das riesige markante Ruhrgebietssymbol dann weg war. Und nun bietet sich mir hier noch einmal ein anderes Bild. Nur die ersten beiden Häuser der Dieselstraße stehen überhaupt noch. Die eine Straßenseite ist gänzlich abgerissen. Und ich kann links bis nach Duisburg-Beeck gucken, wo der bunte neue Hochofen der Hütte inzwischen steht.

Ein Stadtpark, der Botanische Garten

Dann ein Stück weiter die Dieselstraße hinein werden die Eindrücke freundlicher. Hier ist ein lebendiger, vermutlich auch sehr multikultureller Bezirk. Und die kleinen Backsteinhäuser zu beiden Seiten der Straße sind sicher Zechenhäuser. Immerhin war die Zeche Friedrich Thyssen einstmals sogar größer als die weltberühmte Zeche Zollverein. Sie war eine Zeitlang die größte Zeche des Ruhrgebiets. Und dann allerdings war sie 1959 auch die erste Großzeche im Ruhrgebiet, die schliessen musste.

Bis in den Bezirk Hamborn bin ich jetzt bis zum Ende der Dieselstraße gegangen. Rechts gehe ich nun in die Hamborner Straße hinein. Rechts von mir ist ein großer waldähnlicher Stadtpark. Danns kommt links nach einigen Metern ganz überraschend für mich der Botanische Garten von Duisburg-Hamborn. Viele gerade blühende Blumen sind da im Eingangsbereich.

Natur auf Zeche Friedrich Thyssen 4/8

Nur Zechenrelikte sehe ich auch hier nirgends. In Duisburg ist Alles so voll mit arbeitenden und aber auch zahlreichen leerstehenden Werken der Montanindustrie. Dann ist man offenbar nicht sentimental mit diesen Dingen. Z.B. auch Loren in Vorgärten suche ich hier vergeblich. Links ist dann schon die markante längst stillgelegte Meidericher Hütte vom Landschaftspark Duisburg-Nord zu sehen. Und dann ist doch rechts ein hübscher kleiner Park auf dem Gelände der Schachtanlage 4/8 der Zeche Friedrich Thyssen. Ein graffitibesprühtes Schild verrät mir das.

Es sind nur Mauerreste der Zeche übriggeblieben. Und das Werkstor vermutlich und ein weiteres Schild im Park sagt aus, dass hier „Natur auf Zeche Friedrich Thyssen 4/8“ ist. Da ich zum Schluss gar Nichts mehr erwartet hatte von dieser Zeche, bin ich jetzt sehr zufrieden. Das ist auch mal eine schöne Sache, wenn so ein Industriedenkmal völlig renaturiert ist. In einer Großstadt voller Industriebetriebe wie Duisburg ist das eine ganz positive Sache. Und sicher wird das sehr von den hier wohnenden Menschen gebraucht.

Einfach auf eins der Vorschaubilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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