Nicht „Willkommen in Herne“ – die Cranger Kirmes

Losbude und Riesenrad
Losbude und Riesenrad

Wenn der Schlagersänger Heino die Leute auf der Cranger Kirmes mit „Willkommen in Herne“ begrüßt, muss er sich nicht wundern, wenn er ausgebuht und ausgepfiffen wird. Zwar ist Crange ein Stadtteil von Herne (auf gut Behördendeutsch heißt es also Herne-Crange). Aber für die Menschen ist das hier nachwievor Wanne-Eickel.

Der Hauptbahnhof Wanne-Eickel sollte im Rahmen der Gebietsreform im Jahr 1975 zur Eingemeindung Wanne-Eickels in die Stadt Herne eigentlich der Hauptbahnhof von Herne werden. Aber die Menschen konnten sich erfolgreich gegen dieses Behördenvorhaben wehren. Und so gibt es in der Stadt Herne einen Bahnhof Herne und eben den viel wichtigeren Hauptbahnhof Wanne-Eickel.
Eine Buslinie vom Berliner Platz vor dem Hauptbahnhof Wanne-Eickel nach Crange ist mit Sonderbussen wie ein Shuttlebus zur Kirmes verstärkt werden. Aber wir gehen einfach die Rathausstraße entlang in Richtung Rhein-Herne-Kanal. Es sind vielleicht 2 Kilometer zu gehen. Dann sehen wir schon vor uns das von der wie ein Gebirge wirkenden Halde Hoheward/Hoppenbruch noch überragt stehende Riesenrad der Cranger Kirmes.

Die Cranger Kirmes ist das größte Volksfest von NRW

Dieses größte Volksfest von NRW ist eigentlich nichts Besonderes. Aber gerade darum gefällt mir das hier viel besser als die auch sehr große aber etwas hochnäsige auch jährlich stattfindende Kirmes auf den Düsseldorfer Rheinwiesen. Dort kann man sehr schnell viel Geld los werden.
Es gibt hier die kirmesüblichen Fahrgeschäfte, Schaustellerbuden und Bierzelte. Und es sind zahlreiche spektakulär wirkende Fahrgeschäfte dabei, wo ich nicht draufgehen würde, wenn man mir etwas für zahlen würde. So groß ist mein Vertrauen in die Technik nicht, dass ich mich auf riesige Türme hoch- und runterkatapultieren lassen würde. Und auch in den atemberaubend schnellen Karussells möchte ich nicht mehrere Rotationen gleichzeitig ertragen.

Das machen wir alle nicht mit. Aber wir geniessen es, da mal zuzugucken und über die sehr gut besuchte und recht angenehm und bodenständig wirkende Kirmes zu bummeln. Wir schonen also nicht nur unsere Nerven, sondern auch unseren Geldbeutel.
Einmal ziehen wir dann doch ein paar Lose, aber gewinnen dabei nicht einmal einen Trostpreis; wir essen etwas und Tim zuliebe gehe ich in eine Geisterbahn mit, wo mit viel roter Farbe und weiteren krassen Effekten versucht wird, den Besuchern einen Schrecken einzujagen. So mutig Tim tut; er hat doch schweissnasse Hände.

An einem Fahrgeschäft und an einem Bierausschank wird an den einstigen Bergbau in der Region erinnert.

Ein Fahrgeschäft ist einem Bergwerk nachempfunden und da fahren Loren auf Schienen. Das passt ja zu einer ehemals bedeutenden Bergwerksstadt, wo nachwievor die Zentrale der RAG Steinkohle ansäßig ist. Auch ein Bierausschank wird wie eine Zeche von einem stilvollen Förderturm mit Aufschrift Glückauf und dem Bergarbeitersymbol Schlägel und Eisen überragt.

Am Hauptbahnhof Wanne-Eickel angekommen, entlädt sich das schwülwarme Wetter mit einem Starkregen.

Gemütlich wollen wir dann eigentlich die Rathausstraße wieder zurück zum Bahnhof gehen, da hält gerade einer dieser „Shuttlebusse“ und wir fahren also nun im Bus zum Hauptbahnhof Wanne-Eickel. Und das ist auch ganz gut so, denn kurz nachdem wir dort angekommen sind, entlädt sich die schwülwarme Luft in einem derartig starken Regen, dass es auf dem Gleis durch die Überdachung an etlichen Stellen durchregnet.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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