Öko-Park Segeroth und die Zeche Victoria Mathias in Essen

Auf dem Bild sieht der Öko-Park Segeroth in Essen noch ganz angenehm aus.
Hier sieht der Öko-Park Segeroth in Essen noch ganz angenehm aus.

Der Öko-Park Segeroth in Essen ist derzeit noch immer stark verwüstet vom Pfingststurm „Ela“.  So finde ich ihn viel gruseliger als die Geistersiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck (laut Ruhrgebietszeitung WAZ der gruseligste Ort im Ruhrgebiet).

Immerhin als 99sten von 100 sehenswerten Orten in Essen behandelt die WAZ das Eltingviertel im Nordviertel der Essener City. Dann gucke ich mir das heute gleich mal an. Und ich bin beeindruckt von einem intakt wirkenden Wohnviertel mit hauptsächlich Gründerzeithäusern und einladenden Plätzen. So etwas gibt es in Essen sonst kaum noch.

Und kaum vorstellbar ist noch, dass hier im Viertel auch bis 1965 die Steinkohlenzeche Victoria Mathias Kohle förderte. Denn Spuren sind hier davon nicht mehr aufzufinden. Es sei denn der Name einer in der Nachkriegszeit erbauten Kindertagesstätte, die Förderturmhaus heißt. Und lediglich auf der Altenessener Straße soll noch ein Verwaltungsgebäude der Zeche existieren. Dafür hatte diese Zeche doch erst vor einem Jahr wieder etwas Berühmtheit erlangt. Denn ein bisher unbekannter Stollen der Zeche brach ein oder war zumindest einbruchsgefährdet. Und er musste mit Beton verfüllt werden. Dann war der Zugverkehr am Hauptbahnhof / in ganz Essen für mehrere Monate zum Teil stark eingeschränkt.

Vom Eltingviertel gehe ich zu Fuß zum Öko-Park Segeroth

Dann an das attraktive Eltingviertel anschliessend ist kaum überraschend für Essen ein großes Gewerbegebiet mit z.B. einem Heizkraftwerk für Fernwärme. Und die Grillostraße gehe ich nun daran vorbei in Richtung Westviertel. Denn es ist ja angenehmes Wetter für Anfang November. Und der Weg bis zum Öko-Park Segeroth ist längst nicht so weit wie ich angenommen hatte. So sind es vielleicht ein bis zwei Kilometer, die ich dorthin zu Fuß gehe.

Dann ist der Park ganz überraschend ein großer Schock. Und die WAZ hatte ja die leerstehende und leider verfallende eigentlich wunderbare Zechensiedlung bzw. Geistersiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck in mehreren Berichten als den gruseligsten Ort des Ruhrgebiets bezeichnet. So waren deren Redakteure sicher noch nicht in diesem Park, jedenfalls nicht nach dem Monstersturm „Ela“.

Im Öko-Park Segeroth

Denn andernorts hat man ja in Parks und Wäldern die Sturmschäden weitgehend beseitigt. Und auch in Essen sind viele Parkanlagen wieder attraktiv wie eh und je. Schon anders ist das hier in dem sogenannten Öko-Park, wo eigentlich nichts oder kaum etwas der auch hier heftigsten Schäden an Bäumen und Sträuchern beseitigt wurde. Und es ist gar nicht einmal so sehr die Tatsache, daß hier ein ehemaliger Friedhof ist, daß ich mich gerade völlig unbehaglich fühle.

So stehen an vielen Orten im Park wie unvermittelt Grabsteine, zum Teil sind es schon ältere aus dem 19ten Jahrhundert, aber dann sehe ich auch mal einen, wo ein rotes Grablicht draufsteht. Jemand geht also noch gezielt hier hin und trauert um einen Menschen.

Dann aber sind es all die umgekippten Bäume, die abgerissenen Äste mit all dem verdorrten braunen Laub, was überall hier herumliegt, was den Park so stark verwildert wirken lässt. Und das verstärkt erst eine morbide Atmosphäre, die ich so kaum auszuhalten finde. Dann auch das Nachbargrundstück mit abenteuerlich verfallenden Gebäuderuinen trägt nicht unbedingt zur Steigerung meines Wohlbehagens an diesem Ort bei. Obwohl der Park heute am frühen Sonntagmorgen wie andere Parks auch rege besucht wird von Hundebesitzern, die ihre Hunde ausführen und Joggern bei ihrem Morgentraining. Denn ich bin hier längst nicht alleine.

Gedenksteine an 2 Grubenunglücke im Öko-Park Segeroth

Ohne diese Gedenksteine an 2 Grubenunglücke von Essener Zechen gefunden zu haben, die ich mir eigentlich angucken wollte, will ich diesen mir so unheimlichen Ort schon über die Bottroper Straße schnellstmöglich verlassen.

Dann sehe ich aber, dass sich der Park ja auf der anderen Straßenseite fortsetzt. Und von hier ist auch schon das markante neue ThyssenKrupp-Verwaltungsgebäude zu sehen. Dann finde ich drüben auch die Gedenksteine an ein Grubenunglück im Schacht Amalie von der späteren Kruppschen Zeche Helene Amalie von 1922 mit 23 toten Bergleuten. Weiter gibt es einen Gedenkstein für ein Grubenunglück der Zeche Victoria Mathias, bei dem im Jahr 1921 neun Bergleute getötet wurden.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here