Panoramablick von der Schurenbachhalde in Essen

Die
Die "Bramme" eines amerikanischen Künstlers als Landmarke auf der Schurenbachhalde

von Ernst Käbisch

Was hat denn die Schurenbachhalde in Essen mit der Lichtinstallation „Yellow Marker“ am Förderturm der Schachtanlage 3 / 4 von der Zeche Königsborn in Bönen zu tun? Der Turm von Schacht 4 in Bönen gilt ja als „Ostpol“ des Ruhrgebiets. Und Schacht Rossenray in Kamp-Lintfort soll der „Westpol“ sein. Und die Schurenbachhalde mit der „Bramme“ ist doch ganz zentral im Ruhrgebiet. Es ist purer Zufall, dass ich kurz vor dem Besuch beim „Ostpol“ in Essen auf der Schurenbachhalde war.

Spontan fahre ich mal wieder am Sonntagvormittag nach Essen zur Schurenbachhalde. Denn das ist von Ratingen aus die am schnellsten erreichbare Halde im Ruhrgebiet. So lässt sich das noch gut vereinbaren mit der Nachmittagsschicht auf Arbeit. Und bei dem großartigen Panoramablick von dieser Halde kann ich mir mal einen Überblick verschaffen, was ich mir hier bald mal wieder angucken möchte.

Zeche Nordstern in Gelsenkirchen und die "Bramme"
Zeche Nordstern in Gelsenkirchen und die „Bramme“

Aber es wird mir demnächst kaum noch möglich sein, auch nur die Schurenbachhalde zu besuchen. Nur jetzt am Sonntagvormittag hat man die nämlich so völlig für sich alleine. Und sonntags muss ich demnächst immer arbeiten. Wenn ich mich hier umgucke, wird es mir auch fehlen, mal zur Mottbruchhalde in Gladbeck, zur Zeche Nordstern in Gelsenkirchen, zum Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop zu fahren. Und auch den Blick zur Halde Hoheward/Hoppenbruch in Herten bzw. Recklinghausen und zum Gasometer in Oberhausen werde ich vermissen.

Panoramablick von der Schurenbachhalde

Disteln auf der Schurenbachhalde
Disteln auf der Schurenbachhalde

Denn all diese Orte kann ich hier von der mit ca. 50 Meter relativ flachen Halde deutlich erkennen. Der Haldengipfel ist hier wie bei der scheinbar zum Greifen nahen Mottbruchhalde schwarz und fast unbewachsen. Und das wirkt ganz wie eine Mondlandschaft. Dann ist hier als einziges Bauwerk die immer wieder unten mit anderen Graffitis besprühte „Bramme“ eines amerikanischen Künstlers. Das ist eine vielleicht 20 Meter hohe massive Stahlplatte. Eigentlich finde ich sie häßlich. Aber das mit den Graffitis hat was. Und es müssen da inzwischen unzählige Farbschichten übereinander liegen. Denn jedesmal, wo ich hier war, sah die Bramme anders „geschmückt“ aus.

Immerhin sind diese Ruhrgebietshalden Orte, wo man mal zur Ruhe kommen kann. So ist das jedenfalls mit einer großartigen Panoramasicht wie hier. Und das ist ja auch nicht aus der Welt. Denn die werden mir auf Arbeit auch mal einen Tag freigeben müssen. Und diese Urlaubsvertretung mit ultra wenig Freizeit hat ja auch mal ein Ende. So werde ich schon bald mal wieder hierhin  hinfahren können. Außerdem gibt es noch viele andere spannende Orte im Ruhrgebiet.

Abstieg von der Schurenbachhalde

So konnte ich mir auf dem Haldengipfel ein bisschen frische Luft und Überblick in die Seele pusten lassen. Und nun mache ich mich wieder an den Haldenabstieg. Aber diesmal probiere ich einen anderen Weg von dem weitverzweigten Wegenetz auf der unten längst dicht bewaldeten Halde aus. Immerhin kenne ich mich inzwischen in diesem Ort mitten im Pott gut aus. Dicht aneinander grenzen hier die Ruhrgebietsstädte Essen, Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen.

Rhein-Herne-Kanal an der Schurenbachhalde
Rhein-Herne-Kanal an der Schurenbachhalde

Und nicht ganz überraschend komme ich am auch längst mit grünen Ufern umgebenen Rhein-Herne-Kanal aus. Also es ist für die Stadt Essen kein Kunststück, mit ihrem landschaftlich sehr reizvollen Süden zu punkten. Aber dass Essen dieses Jahr 2017 grüne Hauptstadt Europas ist, ist wohl mehr, weil auch der einst so stark industrialisierte Norden der Stadt immer attraktiver wird. Denn selbst das ehemalige „Köttelbecken“ Emscher wurde renaturisiert. Schnurgerade, aber mit sauberem Wasser fließt parallel zum Rhein-Herne-Kanal der einstmals dreckigste Fluß Europas Richtung Duisburg.

Verbindung von Schurenbachhalde und Ostpol und Westpol

In einem Text auf der Webseite der Route der Industriekultur wird der Zusammenhang der Schurenbachhalde mit dem Ostpol in Bönen und dem Westpol des Ruhrgebiets in Kamp-Lintfort so erklärt:

Zitat: „Seit dem Jahr 2000 ist der Turm als „Ostpol“ auch Teil des Kunstprojektes „Yellow Marker“ des Licht-Künstlers Mischa Kuball. Zusammen mit seinem westlichen Pendant, dem Förderturm von Rossenray am Niederrhein („Westpol“) definiert der Künstler die 80 Kilometer voneinander entfernt liegenden Fördertürme als „Leuchttürme“ mit weithin sichtbaren Positionsleuchten. „Yellow Marker“ setzt dabei nicht nur Akzente auf Ost- und Westpol, sondern bezieht sich auch auf die von Richard Serra geschaffene „Bramme für das Ruhrgebiet“ auf der Schurenbachhalde in Gelsenkirchen. In gedachter Luftlinie einer Ost-West-Achse schneidet die Lichtgestaltung Kuballs die von Serra gewählte Nord-Süd-Achse.“ Zitatende.

http://www.route-industriekultur.ruhr/themenrouten/10-sole-dampf-und-kohle/foerderturm-boenen-ostpol.html

Schon ist das sehr interessant. Nur warum verortet die Route der Industriekultur die  Schurenbachhalde nach Gelsenkirchen? Man sieht zwar von oben auf der Halde weit nach Gelsenkirchen hinein. Aber eindeutig ist hier Essener Stadtgebiet. Und den Westpol werde ich bei Gelegenheit mal besuchen müssen, nachdem ich neulich schon beim Ostpol war. Und das, ohne bisher vom Zusammenhang dieser 3 Orte zu wissen.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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