Pferdeschleppbahn von Heiligenhaus nach Velbert

Pferdeschleppbahn im Langenhorster Wald in Velbert
Schleppbahnbrücke der Pferdeschleppbahn im Langenhorster Wald in Velbert

von Ernst Käbisch

Immerhin weiß heute mal jemand, den wir nach dem Schleppweg fragen, von der Bedeutung dieses Weges. Denn wir treffen ihn nachher wieder, wo wir auf der Trasse der Pferdeschleppbahn im Langenhorster Wald gehen. Und er nickt – offenbar wissend, als ich sage, dass wir nun zu der Schleppbahnbrücke wollen. Schon ist der Mann aber eine Ausnahme. Denn wie der niederbergische Erzbergbau ist der Beginn der Hespertalbahn, die Pferdeschleppbahn von Heiligenhaus nach Velbert längst vergessen.

Schon ist es ein ganzes Stück vom ZOB Velbert bis „Plätzchen“ zu gehen. So heißt ein Stadtviertel und eine Busstation im Velberter Ortsteil Losenburg. Auch Cousin Peter kennt das. Aber von einer Grube DIEDRICH WILHELM hat er noch nie gehört. Und es gibt hier auch null Spuren davon. Aber genau hier muss diese Erzgrube gewesen sein. Und die Pferdeschleppbahn aus Heiligenhaus kam hier mit Erz von den Gruben CLARA, THALBURG und WULF VII an. Und nun führt unser Weg und der Weg der Schleppbahn weiter „am Wasserfall“ vorbei.

Auch der Schleppweg in Langenhorst erinnert an die Pferdeschleppbahn.
Auch der Schleppweg in Langenhorst erinnert an die Pferdeschleppbahn.

Zwar sehen wir keinen Wasserfall, aber eine Straße dieses Namens führt rechts von der Werdener Straße ab in ein Waldgebiet. Und dann gibt es in der Siedlung am Waldrand tatsächlich einen „Schleppweg“. Und ein ganz steiler Weg führt da hoch, bis ich das Straßenschild als Beweis knipsen kann. Also für Arbeitspferde mit Lasten muss das aber doch viel zu steil gewesen sein? Dafür führt nun vom Schleppweg ein Weg steil talabwärts in den Langenhorster Wald hinab zum Rosentalbach. Und dort im Tal ist der jetzige Wanderweg die hier deutlich erkennbare, ehemalige Trasse der Pferdeschleppbahn.

Auch auf einer Infotafel ist die Pferdeschleppbahn erwähnt

Dafür gibt es schon nach wenigen Metern den nächsten Beweis. Denn das ist eine Infotafel an einem markanten und gut als solchen erkennbaren, ehemaligen Steinbruch. Also ich vermute, dass das wie vielerorts im nahen Wülfrath oder auch in Heiligenhaus ein Kalksteinbruch ist. Denn Kalk wurde ja bei der Verhüttung der hier geschleppten Erze in Essen-Kupferdreh in der Phönixhütte auch benötigt und hier auf die Bahn verladen. Außerdem heißen in Langenhorst ja Straßen auch „am Kalksteinbruch“ und „Kalkofen“.

Auf der Infotafel ist die Schleppbahn erwähnt, aber nicht der Erzbergbau.
Auf der Infotafel ist die Schleppbahn erwähnt, aber nicht der Erzbergbau.

So steht auch auf der Infotafel etwas von der Schleppbahn, ohne dass aber der einstige Erzbergbau in der Region auch nur mit einem Wort erwähnt ist. Dabei ist das Erz der Grund für die Existenz der Pferdeschleppbahn. Aber das weiß ich ja längst auch so. Inzwischen habe ich viel über den Beginn der Hespertalbahn (Pörtingssiepenbahn) als Erzbahn hier im niederbergischen Land gelesen. Schon kurz hinter dem Steinbruch ist an dem Weg ein Geländer. Und ich weiß, dass man da vom Weg herunter ins Gestrüpp vom Wald klettern muss. Denn nur so kann man die eindrucksvolle Brücke aus Ruhrsandstein überhaupt sehen.

Jetzt im Sommer ist nur ein offenbar wenig betretener schmaler Trampelpfad durch das dichte Gestrüpp von Brennesseln und anderen nervigen Pflanzen zu erkennen. Und auch mein Cousin meckert etwas wegen der lästigen Pflanzen und will sich das eigentlich nicht antun. Aber ich weiss ja, dass sich das lohnt und es ist ja auch nur ein kurzes Stück durch diese Wildnis. Dann tut sich dieses eindrucksvolle Bauwerk über das eigentlich nur dünne Rinnsal Oberlangenhorster Beeke auf.

Die Pferdeschleppbahn war der Anfang der Hespertalbahn

Nachher will ich ja gerne noch weiter durch den Wald in Richtung Oberhesperhof gehen, wo ein weiteres markantes Relikt inzwischen der Hespertalbahn noch vorhanden ist. Denn das ist das Tunnelportal von einem Abzweig der gleichen Transportstrecke, auf der wir uns jetzt befinden. Denn die Pferdeschleppbahn war der Anfang der Hespertalbahn.

Die Oberlangenhorster Beeke fliesst durch die Schleppbahnbrücke
Die Oberlangenhorster Beeke fliesst durch die Schleppbahnbrücke

Aber wir finden nun den direkten Weg nach Essen im Wald nicht und kommen unweit der Stadtgrenze auf bäuerlichem Gebiet mit Feldern voll reifen Getreides aus. Rechts von uns ist über die Felder hinweg der Golfplatz in Essen-Heidhausen zu erkennen. Also sind wir eigentlich ganz in der Nähe von Gut Oberhesper im Hespertal. Aber bei dem schwülwarmen Wetter haben wir keine Lust mehr, noch einmal zurück in den Langenhorster Wald und in die so nahe Nachbarstadt Essen zu gehen.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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