Phönix West in Dortmund

Phönix West in Dortmund
Phönix West in Dortmund
von Ernst Käbisch

Bisher war ich immer nur am Phoenixsee. Es ist so spannend zu sehen, wie da ein See entsteht, wo früher eine lärmende, schmutzige Stahlhütte, das Werk Phoenix Ost war. Dann will ich aber auch wissen, wie es früher am Phoenixsee aussah. So gucke ich mir jetzt auch einmal den erhalten gebliebenen Teil der Hütte an. Denn das ist das nur 2 km vom Phoenixsee entfernte Phönix West.

Obwohl ich heute praktisch quer durch das Ruhrgebiet fahre, ist die Anfahrt sehr einfach. Und es geht sogar schnell. Denn am Essen HBF habe ich sofort Anschluss an einen Regionalzug nach Dortmund. Und am Dortmund HBF muss ich auch nicht lange auf die U-Bahn U41 nach Hörde warten. Dann steige ich an der vorletzten Station Hörde Bhf. aus. Und die Hermannstraße gehe ich nicht in Richtung See, sondern stadteinwärts. Weiter heißt diese Straße Hörder Bahnhofsstraße. Dann ist es die Hochofenstraße.

Die ehemalige Stahlhütte Phönix West

Von hier aus sehe ich schon die gigantischgroße rostige Hütte. So war ich immer nur am Phönixsee gewesen. Und da war ja einst das Werk Phönix Ost. Davon ist eigentlich nur das Verwaltungsgebäude, die Hörder Burg, übriggeblieben. Jedenfalls war ich schon mehrere Male hier am Phönixsee. Und ich habe das Gelände sogar noch erlebt, als der See noch gar nicht geflutet war.

Dann bei Phönix West kann ich erst richtig ermessen, was der Phoenixsee für die Bewohner von Dortmund und besonders dem einstigen Stahlarbeiterbezirk Hörde bedeuten muss. Denn nun sehe ich, wie gewaltig so eine Hütte wirkt. Und auf keinem der Fotos, die ich mache, kommt rüber, wie gigantisch diese Anlage ist. So ist rings um die rostige Hütte ein auch schon rostender Zaun mit gerolltem Stacheldraht obenauf. Schon ohne dem würde ich nie auf die Idee kommen, einen Fuss in diese gefährlich aussehende Industrieruine zu setzen.

Schon an vielen Stellen erobert sich die Natur dieses Terrain zurück. Und ohne dass ein Mensch da eingreift oder überhaupt noch eingreifen kann, wachsen metergroße Bäume und Sträucher um die Ruine herum. Dann sogar auf der Ruine wächst so manches. Einige Pflanzen blühen sogar im gerade jetzt beginnenden Herbst. Und irgendwo ganz oben in vielleicht 100 Metern höre ich als einziges Geräusch hier Laute von Vögeln. Schon längst haben die da oben ungestört ihre Nester.

So früh an einem Samstagmorgen habe ich diese eindrucksvolle Ruine aber fast für mich. Außerdem ist sie der Mittelpunkt eines großen Gewerbegebiets mit modernen Neubauten. Und die darin ansäßigen Firmen finden es offenbar chic, neben diesem imposanten Industriedenkmal zu residieren. Über große Freiflächen kann man von hier aus schon weit in die Dortmunder Innenstadt hineinblicken. Zum Beispiel sieht man den Fernsehturm und deutlich auch die Signal-Iduna-Arena.

Die ehemalige Stahlhütte Phönix Ost, der Phönixsee

Dann gehe ich wieder die vielleicht anderthalb Kilometer bis zum U-Bahnhof Hörde Bahnhof zurück. So gucke ich mich natürlich noch ein bisschen am Phoenixsee um, der von hier nur ein paar Schritte entfernt ist. Und an diesem sonnigen warmen ersten Herbsttag sitzen viele Menschen in der angenehmen Hörder Altstadt draussen vor Cafes und Bäckereien. So ähnlich ist es auch am Seeufer, wo schon Cafes oder Restaurants in die neuen Gebäude an den Seepromenaden eingezogen sind und ihr Geschäft eröffnet haben. Schon sieht man hier aber noch viele Kräne und Baustellen. Denn noch längst nicht ist die seit vielen Jahren überaus geschäftige Bautätigkeit an diesem See zuende. Und natürlich ist das hier in bester Dortmunder Lage ein grosses Business, wo viel Geld mit zu verdienen ist.

Dafür ist von der Hütte Phönix Ost nur das einstige Verwaltungszentrum, die Hörder Burg übriggeblieben. Weiter ist es als einziges Hüttenrelikt der Thomasconverter. Und das ist ein massives grosses Stahlei. So isoliert am Ufer wirkt das etwas surreal. Also wenn man wissen will, wie es hier früher einmal anstelle vom See aussah, muss man sich schon den erhalten gebliebenen Teil der Hütte angucken. Dann muss man schon einmal  auch das Phönix West besuchen.

Einfach eins der kleinen Bilder anklicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here