Am Phönixsee in Dortmund

Der Phönixsee ist eins der gigantischsten Bauprojekte im Ruhrgebiet. Hier im ehemaligen Arbeiterbezirk Hörde war einst die Hermannshütte, eine große Stahlhütte. Seit Ende 2010 ist hier bereits ein See. Ein grosses Naherholungs- und Wohngebiet ist bereits entstanden/soll entstehen.

Phönixsee anstelle der Stahlhütte

Den Phönixsee hatten wir schon mal vor 3 Jahren besucht, als er noch garnicht geflutet war. Da war das riesige Gelände, wo früher die lärmende, schmutzige Stahlhütte war, umzäunt und man konnte nur spekulieren, was aus dieser Gegend in Dortmund-Hörde werden würde, wenn da plötzlich statt eines arbeitenden Betriebs der Montanindustrie ein Naherholungsgebiet wird.

Das Weingartenviertel am Phönixsee

Einmal war ich dann noch vor der Flutung alleine hierhingefahren und hatte mich im „Weingartenviertel“ umgeguckt. Da wartete  in einem hügeligen Viertel eine lange Reihe wunderbar erhaltener Gründerzeithäuser noch darauf, anstatt den Blick auf die Hütte nun den Blick auf den Phönixsee  zu bekommen. Tatsächlich heißen im Weingartenviertel nicht nur die Straßen „Weingartenstraße“, „am Weinberg“, „Winzerstraße“…, in einigen Gärten um die schönen alten Häuser wird tatsächlich Wein angebaut. Das ist mal wieder ein Stück verblüffendes Ruhrgebiet. Mitten in Dortmund neben der Hermannshütte war also all die Jahre schon ein kleines Weinanbaugebiet.

Blick von der Halde

Und nun also entsteht hier sogar ein See. Ein Naherholungsgebiet im Herzen der Grossstadt. Inzwischen ist ja bereits einiges Interessantes da. Der See ist geflutet, es sind Inseln angelegt, Promenaden und kleine Hafenanlagen sind entstanden. Am östlichen Ende des Phönixsee ist eine begrünte Halde mit großartigem Panoramablick von oben. Man sieht von da weit in die Dortmunder Innenstadt, kann das BVB-Fussballstadion und den Fernsehturm, den Hochofen und das Gasometer von „Phönix West“, dem stehengebliebenen Teil der alten Hermannshütte, sehen. Und man kann weit in den östlichen Teil des Ruhrgebiets gucken. Deutlich ist der Fernmeldemast von Schwerte zu erkennen und bis ins Ardeygebirge am Rande des Sauerlands geht der Blick.

Bauwut am neuen See

Der Phönixsee sieht von hier aus so aus, als ob er schon immer da wäre, dabei ist er erst Ende 2010 geflutet worden. Manche Befürchtungen sind allerdings auch eingetreten –  es gibt offenbar nachwievor hier eine schier ungezügelte Bauwut. Ringsum den See werden kleine Villen gebaut – oft ohne Rücksicht darauf, daß anderen z.B. den Gründerzeithäusern im Weingartenviertel die Sicht verbaut wird.

Aber natürlich ist es eine grandiose Idee, da wo eine Stahlhütte war, einen See zu bauen. Wahnsinn, das Ruhrgebiet bekommt mit solchen Vorhaben einen völlig anderen Charakter. Erhalten geblieben ist zum Beispiel auch die alte Hörder Burg, eine kleine verspielte Burganlage, wo einstmals die Verwaltung der Hermannshütte war. Jetzt ist die Hörder Burg direkt am Seeufer gelegen. Das hat sie sich sicher auch nicht träumen lassen.

Gentrifizierung

Manche nennen das, was hier an Strukturwandel schon passiert ist und noch passieren wird, Gentrifizierung. Aber ich meine, Gentrifizierung muss ja nicht unbedingt ein Schimpfwort sein. Es wirkt zwar z.B. etwas seltsam, daß man der Emscher, die hier neben dem See entlangfliesst, einen mäandernden Bachverlauf gibt mit grünen Auen. Ausgerechnet die Emscher, die jahrzehntelang als der verdreckteste Industriefluss Europas galt. Und natürlich ziehen andere, betuchtere Bevölkerungsschichten hierhin nach Dortmund-Hörde, einem traditionellen Arbeiterviertel  – man denke an die vielen kleinen neuentstehenden Villen am Seeufer. Aber es ist so doch immerhin besser als ein ausblutender ehemaliger Arbeiterbezirk, wo die Menschen wegziehen und ganze Straßenzüge, ja ganze Viertel verfallen, wenn die Industriebetriebe schliessen. Solche Gebiete gibt es ja leider inzwischen auch sehr viele im Ruhrgebiet.

Anfahrt zum Phönixsee mit dem ÖPNV:

Am Dortmund HBF einfach in die U-Bahn U 41 nach Hörde umsteigen und dann an der vorletzten U-Bahnstation Hörde Bahnhof aussteigen. Dann sind es ca. 5 Minuten Fussweg zum Phönixsee.

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Die alte Hörder Burg steht nun am Seeufer Foto anklicken
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Die Neubauten verdecken den Gründerzeithäusern im Weingartenviertel schon den Seeblick Foto anklicken
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Die Halde am Ostufer des Phönixsees Foto anklicken
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Die renaturierte Emscher in Auenlandschaft Foto anklicken
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Blick von der Halde auf Dortmund – links ist der Hochofen von Phönix West – rechts die BVB-Arena Foto anklicken
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Aufstieg zur Halde – die Treppe ist aus dem Material, was hier einst produziert wurde Foto anklicken

  Text/Fotos: Ernst Käbisch

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