Radweg auf der Trasse der Rheinischen Bahn in Essen

Radweg / ehemalige Rheinische Bahn und Zeche Helene Amalie
Radweg / ehemalige Rheinische Bahn und Zeche Helene Amalie

von Ernst Käbisch

Eher durch Zufall entdecke ich einen Radweg ähnlich dem PanoramaRadweg der Niederbergischen Bahn auch im Norden von Essen. Ich gucke mir heute wie so oft Relikte einer alten Zeche, der Zeche Wolfsbank in Borbeck / Bochold, an. Anschliessend sehe ich an der Grenze der Bezirke Bochold und Altendorf diese ehemalige Eisenbahnbrücke der längst stillgelegten Rheinischen Bahn über der Straße Schölerpad.

Mal wieder bin ich einer uralten Zeche mit Anfängen in 1575 auf der Spur. Das ist die Zeche Wolfsbank in Essen-Borbeck bzw. in Essen-Bochold. Es gibt nicht mehr viel davon zu sehen. Eigentlich gibt es nur den Wolfsbankring. Das ist ein auch durch die Wolfsbankstraße begrenztes, eher nichtssagendes Gewerbegebiet. Und ich will schon gehen, dann finde ich doch noch die kleine Gedenkstätte mit einer Protegohaube von Schacht 2 oder 3. Da ist eine gutgestaltete und mit weißer Schrift auf schwarzem Grund gut lesbare Infotafel aufgestellt. Das ist alles, was von der Zeche Wolfsbank übrig geblieben ist.

Die Bezirke Borbeck, Bochold und auch Altendorf, in dessen Richtung ich jetzt auf der Straße Schölerpad (benannt nach der Zeche Schölerpad) gehe, wirken etwas ärmlich. Jedenfalls gibt es hier offenbar mehr Probleme als im Vergleich zu Essener Bezirken im Süden der Stadt. In Essen-Karnap auch im generell als Problembezirk bezeichneten Essener Norden fallen die Problem wie viel Hartz 4 und hohe Kriminalität nicht so sehr auf.  Da sind die angenehmen und wie Wohnviertel von Bessergestellten wirkenden stilvollen Zechenwohnsiedlungen von der Zeche Mathias Stinnes.

Ein Radweg anstelle der ehemaligen Rheinischen Bahn

Zechen waren hier in Borbeck und Bochold zwar auch reichlich, aber es gibt kaum Zechenwohnhäuser. Ich sehe hier eine Menge Hochhäuser im Plattenbaustil, aber wenig stilvolle Gründerzeithäuser etwa. Das ändert sich im Bezirk Altendorf, wo ursprünglich die Krupps herstammten. Hier ist die Bausubstanz der Wohnsiedlungen viel ansprechender. Über die Straße Schölerpad führt nun eine Brücke mit rotgestrichenem Geländer. Als ich da hochgehe, bin ich ganz überrascht und denke sofort an den PanoramaRadweg im niederbergischen Land. Wie dort führt auf einem mehrere Meter breiten asphaltierten Streifen anstelle der alten Bahnstrecke der Rheinischen Bahn nun ein Rad- und Fußgängerweg entlang.

Und mir fällt ein, dass ich im Krupp-Park und schon davor am Niederfeldsee einmal auf diesem Weg gegangen war. Das ist ja schon einmal überhaupt eine Orientierung. Tatsächlich bin ich nach einem nicht sehr langen Fußweg auf dem komfortablen, weil autofreien Weg am Niederfeldsee angelangt, der immer noch relativ neuen Attraktivität des Stadtteils Altendorf.

Der Radweg der eh. Rheinischen Bahn verbindet Niederfeldsee und Krupp-Park

Vom Niederfeldsee ist zuletzt viel Gutes zu hören und zu lesen. Er bringt neue Lebensqualität in den Bezirk. Der einzige Nachteil an diesem wirklich schönen See ist, dass er keinen Zu- und keinen Abfluss hat und es kann passieren, dass er einmal umkippt. Was wäre dann? Man kann den See doch nicht wieder zuschütten. Was ist mit den zahlreichen geschmackvollen neuen Häusern um ihn herum, die man werbewirksam unter dem Motto „Wohnen am Niederfeldsee“ verkaufen konnte? Jetzt jedenfalls wirkt das ganze Viertel um den Niederfeldsee wie ein großartiger Park. Und die Fortsetzung davon ist über den Fuß- und Radweg der Rheinischen Bahn erreichbar, nämlich ist das der weitläufige Krupp-Park an der Stelle der einstigen berüchtigten Gußstahlfabrik. Hier ist auch ein künstlicher See angelegt ist, der allerdings kleiner als der Niederfeldsee ist.

Immerhin ist die Stadt Essen doch sehr bemüht, auch den eher vernachlässigten und vom Strukturwandel abgehängten Stadtbezirken im Norden der Stadt zu einem besseren Image zu verhelfen. Dass hier fast flächendeckend Betriebe der Montanindustrie, also Zechen und Hütten tätig waren, ist an der Zeche Helene Amalie mit dem kleinen grünen Fördergerüst neben dem Krupp-Park noch zu sehen und an wenigen stehengebliebenen Werksgebäuden der einst gigantisch großen Gußstahlfabrik der Krupps.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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