Reise zum Mond im November

Der Mondpalast ist ein beliebtes Theater in Wanne-Eickel
Der Mondpalast ist ein beliebtes Theater in Wanne-Eickel, was inzwischen ein Ortsteil von Herne ist.

An so einem 1.Novembertag, können selbst Orte im Ruhrgebiet wie Wanne-Eickel (und sein Mond) oder Marl,  trist und leblos wirken. Und da es noch dazu ein Feiertag am Samstag ist, verstärkt sich dieser Eindruck beim Mond von Wanne-Eickel noch, der mir sonst sehr zusagt. Dann ist es ja heute noch so früh am Morgen.

Also das ist „Höchststrafe“ am Hauptbahnhof Wanne-Eickel. Denn der Bus SB 27 nach Marl-Mitte ist gerade weg und der nächste Bus fährt in knapp einer Stunde. So einladend finde ich den Bahnhofsvorplatz mit dem Mond nicht, daß ich da eine Stunde warten möchte. Und so gehe ich zu Fuß vorbei am Mondpalast, an der ehemaligen Zeche Pluto…. Und allmählich verliere ich die Lust auf mein heutiges Ziel, die eigentlich wunderbare Halde Hoheward/Hoppenbruch in Herten bzw. Recklinghausen.

Vom „Mond in Wanne-Eickel“ gehe ich fast bis nach Herten zu Fuß.

Und inzwischen bin ich am Rhein-Herne-Kanal, wo ich diese Halde bzw. dieses Haldengebirge mit der markanten Landmarke obenauf schon sehen kann, angelangt. Dann aber  kommt der Bus und ich steige ein. Und ist steige aber doch nicht an der Station Bergwerk Ewald in Herten aus. So von diesem Bergwerk ist viel übriggeblieben, mehrere Fördertürme, einer davon ist einer der 14 denkmalgeschützten Malakowtürme im Ruhrgebiet, die vor der Abrißbirne gerettet wurden. Und es gibt vielfältiges neues Leben in den alten Zechengebäuden, ein Cafe, ein Theater, kleine Shops. Dann ist hier ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur. Und über der Zeche erstreckt sich die großartige wie ein Park begrünte Haldenlandschaft fast wie ein richtiges Gebirge.

In Herten und in Marl

Trotzdem bleibe ich im Bus sitzen. Denn zu Fuß gegangen bin ich ja schon quer durch Herne bzw. Wanne-Eickel. Und nach einer ausgedehnten Haldenwanderung steht mir so jetzt nicht mehr der Sinn. Dann fährt der Bus durch die von gleich 2 großen ehemaligen Zechen geprägte Stadt Herten. Das ist ausser der Zeche Ewald die ebenfalls eindrucksvoll große Zeche Schlägel und Eisen, an der jetzt der Bus gerade vorbeifährt. Und diese Zeche hatte ich mir vor anderthalb Jahren schon einmal angeguckt und war begeistert von den 3 erhalten gebliebenen Fördertürmen. Inzwischen ist aber leider der schönste dieser Türme gesprengt worden. Schade. Man kann eben nicht alles erhalten. So etwas kostet ja auch viel Geld. Allerdings geht durch Sprengung oder Abriss solcher interessanten Bergbaurelikte Stück für Stück die Identität der Orte verloren. Und immer weniger Industriedenkmäler erinnern noch an die jahrhundertealte Bergbautradition im Ruhrgebiet.

Dann wird es zwischen Herten und Marl mal wieder ländlich. Da habe ich mich längst dran gewöhnt, daß das eben anders ist als bei Metropolen wie Berlin oder Paris. Denn in der Metropole RUHR ist ganz oft wie hier Bauernland zwischen Herten und Marl mit Maisfeldern, Kuhweiden und Misthaufen an der Straße. Dann beginnt aber wieder die Metropole mit der Stadt Marl.

Von Marl fahre ich nach Essen.

Marl hat eigentlich auch ganz hübsche Ecken. Z.B. da, wo die ja noch aktive Zeche Auguste Victoria ist, sind wunderbare Zechensiedlungen. Aber hier in Marl-Mitte ist Tristesse pur, besonders an so einem Feiertag wie heute, wo auch noch die Geschäfte bis auf ein paar Dönerimbisse geschlossen sind. Die gewöhnungsbedürftige 60er-Jahrearchitektur um das Einkaufszentrum Marler Stern und die Plattenwohnbauten erdrückt. Zum Glück fährt die aus Haltern am See kommende S-Bahn der Linie 9 ab dem S-Bahnhof Marl-Mitte längst wieder störungsfrei; es gibt keine Unwetterschäden, keinen Bergschaden, keinen Streik der Lokführer. Durch die einzige noch aktive Steinkohlebergbauregion im Ruhrgebiet, also Marl, Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop fährt mich die fast bis auf den letzten Platz besetzte S-Bahn nun bis zum Essener Hauptbahnhof.

Hier am Bahnhof frühstücke ich etwas und gucke mich noch in der Fußgängerzone um. Am Burgplatz ist wie jedes Jahr in der Winterzeit bereits das Riesenrad hinter der Bronzeskulptur des reitenden Wilhelm I. aufgebaut und dreht sich auch schon. Und überall zwischen den Häusern sind schon die jetzt natürlich nicht leuchtenden Neonleuchten der beliebten Essener Lichterwochen gehängt. Hier ist immerhin etwas los selbst an so einem tristen Tag wie heute, den ich eigentlich sogar bisher kurzweilig finde.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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