Relikte vom Erzbergbau in Velbert

Eindrucksvollstes Relikt vom Velberter Erzbergbau ist die Schleppbahnbrücke
Eindrucksvollstes Relikt vom Velberter Erzbergbau ist die Schleppbahnbrücke

von Ernst Käbisch

Man muss schon genau hingucken, aber dann sind doch noch so einige Bergbaurelikte vom immerhin ja Jahrhunderte betriebenen Velberter Bergbau aufzufinden. Und diese nur noch wenigen Zeugnisse wirken aber dafür ganz großartig. Sie sind ja auch aus einer ganz großartigen Zeit, nämlich zumeist aus der Blütezeit der Velberter Erzzechen, der Belle Epoque am Ende des 19. Jahrhunderts.

Jahrhundertelang wurde Erzbergbau in Velbert betrieben. Richtig erfolgreich war der Bergbau hier aber nur einige wenige Jahre am Ende des 19ten Jahrhunderts und zu Beginn des 20ten Jahrhunderts. Und dann schlossen all diese Bergwerke für immer und all die Spuren darauf wurden fast restlos beseitigt.

Inzwischen ist der Erzbergbau in Velbert völlig vergessen

Auch wenn die Erze nachwievor vorhanden sind, wurden nie wieder Versuche unternommen, die Förderung erneut aufzunehmen. So verblasste die Erinnerung an die jahrhundertealte Tradition  immer mehr bis hin zum völligen Vergessen.

Und doch gibt es noch eine Handvoll Spuren ausser die paar an den Erzbergbau erinnernden Straßennamen „Zechenweg“, „Bleibergstraße“, „Am Stinder“… , immer wieder mal von einstigem Bergbau in ihrer Wohngegend absolut nichts ahnenden Bewohner erschreckende Bergschäden. Es gibt ein paar mysteriöse Areale meist in Waldgebieten, wo man aus unerklärlichen Gründen etwas vorsichtig sein muss und behördlicherseits dem Unwissenden seltsam erscheinende Massnahmen zum Schutz der Öffentlichkeit ergriffen werden mussten.

Die Schleppbahnbrücke ist ein Relikt vom Erzbergbau

Man muss schon genau hingucken, um etwa diese eindrucksvolle Steinbrücke aus Bruchsteinen im Langenhorster Wald als einzige erhaltene Schleppbahnbrücke des einstigen Transportwegs der in Velbert geförderten Erze zur Phönixhütte in Essen-Kupferdreh überhaupt zu sehen. Ich habe sogar schon einmal auf der Brücke gestanden, ohne sie gesehen zu haben. Erst beim nächsten Besuch machte mich ein seinen Hund ausführender Mann darauf aufmerksam, dass ich von dem Waldweg ein Stück heruntergehen muss, um das eindrucksvolle Bauwerk zu erkennen. Er erzählte mir, dass nach der Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Velbert und der Restaurierung der Brücke viele Interessierte kamen. Und viele nahmen sich einen Stein aus der Brücke als Souvenir mit.

Zeugnis vom Erzbergbau ist auch der Clemensstollen

Auch die anderen Relikte des Velberter Bergbaus sind gut versteckt und das hat sie wohl all die Jahrhunderte überleben lassen. Das Stollenmundloch des Clemensstollens in Velbert-Neviges der Grube GLÜCKAUF und HOHMANNSBURG hat es immerhin mit Ach und Krach geschafft. V-förmig ist aber das in Stein gemeißelte Bergbausymbol Schlägel und Eisen über dem Mundloch von einem gierigen Souvenirjäger entfernt worden. Aber den Rundbogen des Stollenmundlochs erkennt man noch. Auch der Stollen selber ist noch da. Man erkennt in etwa den Verlauf in dem längst dicht gewachsenen Wald. In einem Zeitungsbericht ist zu lesen, dass die Behörden auch den immer wieder einstürzenden Stollen zubetonieren liessen, damit spielenden Kindern da nichts passieren kann.

Ganz eindrucksvoll ist bei der Grube EISENBERG in Velbert-Birth noch der einstige Zechenbetrieb nachzuvollziehen. Da wo der Förderturm stand, ist inmitten von Wohngebiet eine zur Hundetoilette verkommene Wiese und daran anschliessend ist ein fast zur Unkenntlichkeit modernisiertes Fördermaschinenhaus erhalten geblieben, da wo früher die Seile der Seilscheibe des Förderturms hineinführten. Mit ein bisschen Phantasie kann man sich hier noch den Bergbaubetrieb zusammenreimen. Auch ein Verwaltungsgebäude der Grube EISENBERG ist an das Fördermaschinenhaus anschliessend noch erhalten und ebenso modernisiert. Mit alten Bildern verglichen sind diese Gebäude der Zeche bzw. Grube aber noch eindeutig identifizierbar.

Auch bei der Grube FERDINANDE in der oberen Flandersbach an der Stadtgrenze zu Heiligenhaus gibt es noch so ein modernisiertes Zechenverwaltungsgebäude, wo der einzige Hinweis darauf, dass das ein so geschichtsträchtiges Haus aus der einstigen Erzförderung ist, die Jahreszahl seiner Erbauung 1888 am Giebel ist.

Auch die Halde JOSEFINE zeugt vom Erzbergbau

Und das mich am meisten verblüffende Relikt aus dem Velberter Bergbau ist die Halde Josefine der einstigen Grube JOSEFINE in Velbert-Rützkausen unweit des Wülfrather Kalksteinbruchs Rohdenhaus. Mitten auf einem bestellten Acker ist dieses bewaldete Stück Land. Und ich habe im Internet ein Video gesehen, wie Geologen an einem Wintertag mit ausdrücklicher Erlaubnis des Bauerns die Halde betreten haben und dort nach Mineralien gesucht haben. Dem normal Sterblichen ist aber der Zugang zur Halde über das sorgsam gepflegte Feld selbstverständlich untersagt bzw. die gute Kinderstube verbietet einem sowieso ein solches neugieriges Vorhaben.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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