Rheinhauser Bergbausammlung e.V.

Ein Bergmann quält sich im Flöz Mausegatt - in der Rheinhauser Bergbausammlung
Ein Bergmann quält sich im Flöz Mausegatt - in der Rheinhauser Bergbausammlung
von Ernst Käbisch

Der Duisburger Bezirk Rheinhausen ist linksrheinisch und hier beginnt schon eine ländliche Region am Niederrhein. Denn im Gegensatz zum flözfreien rechtsrheinischen Süden der Stadt Duisburg gab es hier Steinkohlebergwerke wie die Zeche Diergardt. Und ehemalige Bergleute z.B. der Zeche Diergardt haben in Rheinhausen in ehrenamtlicher Tätigkeit die sehr sehenswerte Rheinhauser Bergbausammlung aufgebaut.

Also Duisburg ist eine Stadt, die mir gut gefällt. Und was mir aber nicht so gefällt, ist die oft mangelhafte Infrastruktur in dieser Stadt. Schon in den Norden der Stadt von der Nachbarstadt Ratingen aus zu kommen, ist zumindest mit dem ÖPNV gewöhnungsbedürftig, zumal ich dann zuerst bis zum Düsseldorfer Flughafenbahnhof und von da bis zum Hauptbahnhof Duisburg fahren muss. Und noch komplizierter wird es, in die linksrheinischen Duisburger Bezirke am Niederrhein zu gelangen. Gerade ist das so, wenn wie heute die normal über Rheinhausen fahrende Eisenbahnlinie nach Xanten wegen Baumaßnahmen einfach ganz ausfällt und ich nun auf den Regionalzug Richtung Krefeld warten muss.

Glückauf sagt der Vorsitzende der Bergbausammlung

So habe ich noch ein bisschen Aufenthalt am Hauptbahnhof Duisburg. Dann vor dem Hinterausgang des Bahnhofs ist ein Pflasterbild, was die Karte Duisburgs mit seinen Bezirken darstellt. Und es sieht da so aus, als ob Rheinhausen doch fast direkt neben der City ist. Dabei ist Rheinhausen linksrheinisch und bereits am Niederrhein und das ist schon eine etwas andere Welt.

Und als ich dann endlich am Bahnhof Rheinhausen aus der Bahn aussteige, ist es noch ein Fußweg von etwa einer halben Stunde bis zur Rheinhauser Bergbausammlung in der Straße „auf dem Berg“ gegenüber dem Wasserturm. Und da werde ich persönlich begrüßt und zwar sogar von dem Vorsitzenden des Vereins. „Glück auf“, sagt er. Denn im Moment bin ich nämlich der einzige Besucher und ausser mir sind 5 Männer um die 60 in dem kleinen eingeschossigen Gebäude. So sind alles offenbar ehemalige Bergleute. Und der Vereinsvorsitzende selber war natürlich auch Bergmann und auf der Zeche Diergardt hier in Rheinhausen tätig, erzählt er.

Modelle und Bergbaurelikte in der Bergbausammlung

Schon prallen da im Moment zwei Welten aufeinander. Und ich bin zuerst etwas befangen, aber das sind die Bergleute ja sicher auch. Zuerst kann ich mir nun einen Film angucken über die Entstehung von Kohle und wie Flöze entstehen und wie Bergwerke arbeiten… Dann sind in dem Raum, wo der Video gezeigt wird, viele interessante Ausstellungstücke aus dem Arbeitsleben von Bergleuten präsentiert. Und das ist wie im Bergbaumuseum in Bochum. Es liegt auch ein Gästebuch aus, wo ich etwas hineinschreibe.

Weiter gucke ich mich in den Ausstellungsräumen um. Und der Vorsitzende des Vereins ist sehr bemüht, mir Vieles zu zeigen und zu erklären. Besonders interessant finde ich einen Raum, wo Modelle eines Förderturms und einer Abbausohle eines Bergwerks ausgestellt sind. Originalgetreu und detailgenau nachgebildet und mit allen technischen Raffinessen bewegen sich sogar die Seilscheiben des Förderturms und das Förderband auf Knopfdruck und das ist wirklich super anschaulich. Ich erfahre so auch, daß zum Schluss die Kohle gar nicht mehr in Loren transportiert wurde, sondern nur noch auf diesen Förderbändern und dort setzten sich auch die Bergleute einfach drauf, um von A nach B zu kommen.

Unweit der Bergbausammlung war die Zeche Diergardt

Eigentlich wollte ich heute ja auch noch nach Spuren der Rheinhauser Bergwerke gucken, aber die Reise hierhin dauerte mir schon viel zu lange, so daß ich nun darauf verzichten muss; ich habe ja auch noch die Rückfahrt vor mir. Aber ich kann ja nun einen ehemals dort bei Zeche Diergardt Beschäftigten fragen, was da noch an Relikten übrig ist. Und bereitwillig erklärt mir der Vereinsvorsitzende, daß an der Asterlager Straße noch einige Zechengebäude von Zeche Diergardt erhalten geblieben sind und er zeigt mir die erhalten gebliebenen Gebäude auf Fotos. Vielleicht gucke ich mir das bei Gelegenheit doch mal vor Ort an.

Als ich mich bei den Bergleuten verabschiede und dabei erwähne, daß ich einen Bericht mit Fotos (mir wurde vorher schon erlaubt, in der Ausstellung zu fotografieren) auf einer Webseite über diesen interessanten Besuch machen werde, sagt der eine Bergmann schmunzelnd, daß ich aber nur Positives schreiben soll. Ein anderer Bergmann sagt, daß so ein Späßchen sein muss, aber mal im Ernst, warum soll ich über eine so großartige Sammlung von Bergbaurelikten auch etwas nicht Positives schreiben.?

ehrenamtliche Tätigkeit in der Bergbausammlung

Klasse ist das, wenn diese zu Ende gehende und das Ruhrgebiet über Jahrhunderte prägende Zeit von leidenschaftlichen Bergleuten in selbstloser ehrenamtlicher Tätigkeit in guter Erinnerung gehalten wird. Ich kann diese klasse Sammlung, wo man als Besonderheit ja auch noch inzwischen selten zu treffende ehemalige Bergleute als Zeitzeugen befragen kann (jeden Donnerstag und einmal im Monat am Sonntag) jedem an dem Bergbau interessierten Menschen nur empfehlen. Die jedenfalls mit dem ÖPNV etwas umständliche Anfahrt lohnt sich!

Adresse und Link zur Webseite der Rheinhauser Bergbausammlung e.V.:

Rheinhauser Bergbausammlung e.V.
Auf dem Berg 9
47228 Duisburg-Rheinhausen

www.bergbausammlung.de

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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