Sagenhaftes Ruhrgebiet: Die Schinderhanneshöhle

Schinderhanneshöhle.
Irgendwo an diesem stillen Waldsee ist/war die Schinderhanneshöhle.
von Ernst Käbisch

Unweit der Duisburger City ist im Stadtwald der Ort, der als „Schinderhanneshöhle“ ein Schauplatz der Duisburger Schinderhannessage gewesen sein soll. In einer bizarr wirkenden Wildnis um einen früheren Steinbruch war ausserdem einst ein Versuchsstollen. Dort sollte getestet werden, ob hier eine Steinkohlezeche tätig werden kann.

Die Legende des Räuberhauptmanns „Schinderhannes“, der in den Duisburger Wäldern in einer Höhle gelebt haben soll und gefürchtet wegen seiner Raubzüge war, habe ich zwar gelesen, aber deswegen interessiert mich der Ort, wo die Schinderhanneshöhle ist bzw. gewesen sein soll, eher weniger. Vielmehr ist das auch der Ort, wo einer von zahlreichen Versuchsstollen im Duisburger Stadtwald war, wo nach Steinkohle gesucht wurde. Alle anderen Orte der Versuchsstollen im Duisburger Stadtwald sind inzwischen völlig unauffindbar bzw. unbekannt, nur der Ort der einstigen Schinderhanneshöhle ist immerhin lokalisierbar.

Der Steinbruch mit der Schinderhanneshöhle

Diesmal finde ich den Steinbruch im Duisburger Stadtwald unweit der Duisburger City problemlos. Ich war ja schon einmal hier. Am nördlichen Ende der Bissingheimer Straße muss ich nur ein Stück rechts in die Straße nach Mülheim hinein fahren. Und dann muss ich links den ersten Waldweg entlang und die nächste Möglichkeit wieder rechts.

Es ist wirklich eigenartig, daß ich jetzt hier mitten in Duisburg bin, ohne auf dem Weg von Ratingen durch nennenswerte städtische Besiedlung gekommen zu sein. Das waren alles nur Dörfer, und beschauliche Landschaften mit Seen wie dem Entenfang und jetzt bin ich sogar in dichtem Urwald ähnlichen Waldgebiet.

Die Schinderhanneshöhle ist verschwunden

Aber eine Höhle ist da nicht mehr auffindbar und auch nicht Reste davon. Vielleicht ist ja der Grundwasserspiegel gestiegen und damit der See anstelle des früheren Steinbruchs. Vielleicht ist aber auch witterungsbedingt der Stolleneingang verschwunden oder zugeschüttet; immerhin sieht man hier z.B. nachwievor von dem Pfingststurm „Ela“ von 2014 verursachte starke Schäden an der Vegetation und an dem den Steinbruch umgebenden Zaun.

Groß ist dieser See mitten im Wald ja nicht, deswegen gehe ich einmal um ihn herum, wobei klar ist, daß eine Höhle nur am felsigen Ostufer gewesen sein kann. Hier ist so eine Stelle, die genauso aussieht wie die uralten Fotos vom Eingang der Schinderhanneshöhle aus dem Internet. Aber eine Höhle im Felsen bzw. einen Stollen finde ich nicht. Der wird im Lauf der Jahrzehnte verschwunden sein. Das macht aber nichts, weil ich gar nicht erwartet hatte, einen Schatz zu finden. Kohle hatte man damals ja auch nicht gefunden bzw. jedenfalls nicht genug, um hier an dieser Stelle die südlichste Duisburger Steinkohlezeche zu errichten. Die südlichste Duisburger Steinkohlezeche war einmal im 19ten Jahrhundert die Zeche Neu-Duisburg ganz in der Nähe vom Duisburger Hauptbahnhof. Aber auch in dieser Zeche wurde nicht lange Kohle gefördert.

Im Norden von Duisburg waren die großen Zechen

Die großen Duisburger Zechen wie Friedrich Thyssen und Walsum und Rheinpreussen waren im Norden und im Westen der Stadt tätig und da wurde die Steinkohle im Tiefbau gefördert mit Schachtanlagen und nicht in Stollen wie z.B. bei zahlreichen Kleinzechen im Essener Süden.

Auch wenn ich wieder ergebnislos diesen Ort verlasse, bin ich jetzt durch eindrückliche Natureindrücke in dieser Wildnis bereichert und wie bereits gesagt, erstaunlich daran ist, daß das hier so nahe der Duisburger City ist. Auf dem Rückweg verpasse ich es nämlich zuerst, mit dem Fahrrad links in die nach Lintorf führende Bissingheimer Straße abzubiegen und merke das erst kurz vor der Schauinslandarena, wo der wieder in die 2.Fußball-Bundesliga aufgestiegene MSV Duisburg seine Heimspiele austrägt.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch 

2 KOMMENTARE

  1. Der Räuber der nachweislich im Duisburger Wald mit seiner Bande kampiert hat hieß Matthias Weber.
    Dieser war als der „Fetzer“ bekannt und war Räuberhauptmann, gebürtig in Grefrath.
    Es sind Überfälle in Duisburg, Mühlheim/ Ruhr und Köln aktenkundig.

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