Schacht Rossenray (Westpol) in Kamp-Lintfort

Schacht Rossenray (Westpol) in Kamp-Lintfort
Schacht Rossenray (Westpol) in Kamp-Lintfort

von Ernst Käbisch

Schon lange hatte ich vor, mir auch Schacht Rossenray in Kamp-Lintfort einmal anzugucken. Denn am Niederrhein habe ich bereits einige der oft überraschend großen Bergwerke gesehen. Aber nun „muss“ ich sogar mal zu Schacht Rossenray. Denn vor ein paar Wochen war ich am Ostpol des Ruhrgebiets in Bönen. Und Schacht Rossenray ist ja der Westpol. Außerdem war ich auf der Schurenbachhalde in Essen. Und auch die ist Teil eines gemeinsamen künstlerischen Konzepts.

Also ausgerechnet bei so einem Dauerregen lasse ich den Schirm in der Bahn oder im Bus liegen. Aber in Rheinberg an der Regionalbahnlinie Duisburg-Xanten finde ich schnell ein Geschäft, wo es für 5 Euro einen neuen Schirm gibt. Schon sehe ich hier nicht viel von dieser mir unbekannten kleinen Stadt am Niederrhein. Immerhin war ich bereits im Ortsteil Rheinberg-Borth, wo ich die Saline Borth besuchte.

Der Underbergturm in Rheinberg am Niederrhein
Der Underbergturm in Rheinberg am Niederrhein

Und nun sehe ich nur, dass dieser große vom Bahnhof schon sichtbare Turm im Zentrum der kleinen Stadt wohl nichts mit der Schachtanlage Rheinberg zu tun hat. Vielmehr ist das offenbar der Underbergturm. Denn die Firma Underberg stammt von hier. Und die paar Kilometer zur Schachtanlage Rheinberg gehe ich bei so einem Regenwetter nicht. Aber ein anderes Mal werde ich das machen. Denn da existiert noch ein kleiner Förderturm. Und die Schachtanlage Rheinberg war ein Teil der Duisburger Zeche Walsum.

Schacht Rossenray ist der Westpol vom Ruhrgebiet

Aber mein eigentliches Ziel für heute ist ja auch der Westpol. Also das ist Schacht Rossenray in Kamp-Lintfort. Und der Bus 1 fährt ziemlich genau dorthin. Wobei der Busfahrer mich mitten auf der Strecke herauslässt. Schon weit hinter der Station Rossenray ist das. Und er muss wohl geahnt haben, dass ich den Förderturm sehen will. Denn ich habe es nun nicht besonders weit dorthin.

Schon ist es kein besonderes Vergnügen, durch ein nichtssagendes Gewerbegebiet und vorbei an einem riesigen umzäunten ehemaligen Zechengelände möglichst nahe an den eigentlich häßlichen Westpol heranzugehen. Außerdem ist auch ein Zaun um den Westpol von Schacht 1. Immerhin ist da noch ein zweiter Förderturm vermutlich von Schacht 2 vorhanden. Und der ist zwar viel kleiner als der Turm von Schacht 1, aber er sieht gefälliger aus. So erkennt man da auch 2 Seilscheiben. Und es wird gar nicht so lange hergewesen sein, daß sich die Seilscheiben auch drehten. Denn zuletzt war Schacht Rossenray Teil der niederrheinischen Großzeche Rheinland. Und am Ende arbeiteten Bergleute von Rossenray im 2012 stillgelegten Bergwerk West.

Das kleine Gerüst von Schacht 2 gefällt mir besser.
Das kleine Gerüst von Schacht 2 gefällt mir besser.

Also Westpol heißt der Förderturm von Schacht 1 ja, weil sich ein Künstler das so ausgedacht hat. Und er hat eine Lichtinstallation an den rechteckigen Turm installiert. Natürlich ist von dem Lichteffekt jetzt am Tage nichts zu sehen. Und am Gegenstück, dem Ostpol in Bönen ist ebenfalls so eine Lichtinstallation. Denn vor kurzem war ich dort an dem Förderturm der Zeche Königsborn in Bönen und erfuhr so erst von diesem Zusammenhang.

Westpol und Ostpol stehen in Verbindung mit der Schurenbachhalde

Flaches Land am Niederrhein
Flaches Land am Niederrhein

Außerdem gibt es noch den Zusammenhang dieser beiden Pole mit der ebenfalls häßlichen Bramme auf der Essener Schurenbachhalde, die etwa in der Mitte der Verbindungslinie der beiden Pole gelegen ist. Und die Bramme ist in Nord-Südrichtung aufgestellt. So ergibt sich ein gedachter Kompass des Ruhrgebiets mit allen vier Himmelsrichtungen. So großartig finde ich diese künstlerische Konzeption ja eigentlich gar nicht. Aber es imponiert mir schon, daran zu erkennen, wie groß flächenmäßig das Ruhrgebiet ist. Und es ist auch erstaunlich, wie vielfältig diese Region im Herzen von NRW ist. Denn hier in Kamp-Lintfort ist der flache Niederrhein fast schon an der Grenze zum Nachbarland Niederlande. Und das ist schon etwas anderes als das behäbige münsterländische Westfalen 80 Kilometer weit entfernt.

Dann auf dem Rückweg irre ich längere Zeit vermutlich auf ehemaligem Zechengelände herum. Und bei einem kleinem Bach ist über eine lange Strecke keine Brücke zur Autostraße direkt dahinter. Dann als ich endlich eine Brücke finde, fängt es wieder stark an zu regnen. Und da der Bus 1 Richtung Kamp-Lintfort zuerst fährt, steige ich dort ein, um im Trockenen zu sein. Dann in der Folge habe ich Glück mit dem Anschlussbus  in Kamp-Lintfort. Denn der Bus SB30 fährt nach nur kurzer Wartezeit durch Moers und vorbei an wunderbaren Zechensiedlungen der Zeche Rheinpreußen nach Duisburg. Und am Duisburger Hauptbahnhof bekomme ich sofort den Anschlusszug zum Düsseldorfer Flughafenbahnhof.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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