Schachtanlage 3 / 4 der Zeche Königsborn in Bönen

Förderturm von Schacht 4 (Ostpol) der Zeche Königsborn in Bönen
Förderturm von Schacht 4 (Ostpol) der Zeche Königsborn in Bönen

von Ernst Käbisch

So wie bei der Saline Borth in Rheinberg gewann man bei der Zeche Königsborn zuerst Salz. Aber anders wie beim Bergwerk Borth, wo man eigentlich Kohle fördern wollte und dann mehr Salz da war, wurde bei Königsborn dann nur noch Kohle gefördert. Die Schachtanlagen der Zeche waren in Unna, Kamen, Hamm und Bönen ganz im Osten vom Ruhrgebiet. Und den erhaltenen, nachts erleuchteten Förderturm von Schacht 4 in Bönen nennt man deswegen „Ostpol“.

Jemand von da oben rief "Hallo"
Jemand von da oben rief „Hallo“

Also bevor ich mal wieder 13 Tage am Stück arbeite, habe ich noch einen Samstag frei. Und das trifft sich gut. Denn von der Zeche Königsborn habe ich gerade erst interessiert gelesen. Und diese Zeche ist ja in mehrfacher Hinsicht interessant. So war die Zeche offenbar ursprünglich eine Saline wie die Saline Borth in Rheinberg, wo Salz abgebaut wird. Erst später entdeckte man bei Königsborn die Kohleflöze und begann die Kohle zu fördern.

Und Schachtanlagen dieser Zeche im äußersten Osten des Ruhrgebiets waren in mehreren Orten. So heißt ein Ortsteil von Unna sogar Königsborn nach Schacht 1 der Zeche Königsborn. Dann ist ja für mich interessant, dass es auch in der Stadt Kamen die Schachtanlage 2/5 von der Zeche Königsborn gab. Und auch von diesem Bergwerk wusste ich so wenig wie von der Zeche Grillo in Kamen. Denn wo ich als Kind oft bei Verwandten in Kamen war, dachte ich, dass es hier hinter Dortmund keinen Bergbau mehr gibt.

Schachtanlagen der Zeche Königsborn in Unna, Kamen und Bönen

stilisierter Förderturm im Kamener Ortsteil Heeren-Werve
stilisierter Förderturm im Kamener Ortsteil Heeren-Werve

Dabei waren all diese kleinen Städte östlich von Dortmund, also Bergkamen, Kamen, Lünen, Werne, Holzwickede und Unna Bergarbeiterstädte mit bedeutenden Zechen. Und in eine dieser kleinen Städte muss ich heute von Unna aus zu Fuß hingehen. Denn die Stadt Bönen ist nicht mehr im Verkehrsverbund VRR (Rhein-Ruhr), sondern gehört schon zum münsterländischen Tarifgebiet wie die Stadt Werne, wo ich ja auch schon mal zu Fuß hingehen musste.

Immerhin ist ein Fußweg am Rande der nach Hamm führenden Hammer Straße. Links lasse ich den Ortsteil Königsborn von Unna liegen. Schon gibt es hier auch Zechenrelikte wie z.B. eine Markenstube von Schacht 1. Aber das wird mir heute zu viel. Und so verkneife ich es mir, links in die Zechenstraße von Unna hineinzugehen. Dann heißt die Hammer Straße plötzlich Werver Mark. Und hier bin ich bereits in dem Dorf Heeren-Werve, was zur Stadt Kamen gehört. Auch hier lasse ich ein Zechengebiet um die Glückaufstraße herum links liegen. Denn hier war die ehemalige Schachtanlage Königsborn 2/5. Und dann sehe ich endlich nach ca. 5 Kilometern von Weitem den mächtigen Förderturm, wegen dem ich heute hierhingefahren und hingegangen bin.

Schachtanlage Königsborn 3 / 4 in Bönen

Denn das ist das bedeutendste erhaltene Relikt der Zeche Königsborn, nämlich der fast 60 Meter hohe Förderturm von Schacht 4 der Schachtanlage 3/4 der Zeche Königsborn in der kleinen Stadt Bönen. Also hier bin ich mit Sicherheit zum ersten Mal. Schon sind am schwarzen Weg und in der Zechenstraße in Bönen eine Menge stilvoller Zechenwohnhäuser erhalten geblieben. Und an einem chicen Gründerzeithaus steht Bethaus dran wie bei den Zechen im Muttental in Witten, wo es auch so ein Bethaus der Bergleute gibt.

Nachts ist der "Ostpol" beleuchtet.
Nachts ist der „Ostpol“ beleuchtet.

Dann ist ein großes Stück Zechenmauer um den markanten Turm herum erhalten geblieben. Und die Tür zum Turm ist aber geschlossen. Schon sehe ich von außen, dass da innen alles tiptop aussieht. Dann gehe ich noch um den Turm. Und ich klettere auf eine der Halden. Da ruft mir doch jemand von ganz oben „Hallo“ zu. Also ist ja doch jemand da. Dann hätten die mich auch mal reinlassen können. Schon verpasse ich heute hier auch eine der Attraktionen dieser Schachtanlage. Denn der Förderturm ist mit einer Lichtinstallation eines Künstlers versehen. Und nachts leuchtet die spektakulär. Der Turm bekam den Namen „Ostpol“ wie sein ebenso nachts beleuchtetes Pendant. Und das ist der Turm von Schacht Rossenray im niederrheinischen Kamp-Lintfort, der „Westpol“ genannt wird. Also weiß ich ja, wo ich an einem weiteren freien Samstag mal hinfahre.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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