Schachtanlage Gottfried Wilhelm 1/2 im Schellenberger Wald

Halde Gottfried Wilhelm im Schellenberger Wald mit Pinge
Halde Gottfried Wilhelm im Schellenberger Wald mit Pinge

Von der einst wegen gestörter Lagerverhältnisse auch „Elend im Walde“ genannten Zeche Gottfried Wilhelm, die aber hochwertige Anthrazitkohle förderte, ist noch sehr viel an Relikten aufzufinden. Denn ausser dem rekonstruierten Personaltor und der Zechenkolonie Gottfried Wilhelm an der Frankenstraße in Essen-Rellinghausen ist im Schellenberger Wald nördlich des Baldeneysees noch einiges an Zechenrelikten erhalten geblieben.

Schon eigenartig, daß ich nun bereits zum vierten Mal praktisch auf Spurensuche nach der einstmals größten Zeche Langenbrahm im Süden Essens hier am S-Bahnhof Essen-Stadtwald aussteige. So suche ich ja eigentlich heute weitere Relikte der Zeche Gottfried Wilhelm in Essen-Rellinghausen im Schellenberger Wald. Immerhin hatte dort im Wald auch die Zeche Langenbrahm ihren Schacht 4 abgeteuft und als Wetterschacht für ihren eigentlichen Hauptschacht 2 ( Zeche Schnabel ins Osten) betrieben.

Die Forsthausstraße führt in den Schellenberger Wald

Dann an der Gaststätte Forsthaus an der Frankenstraße gehe ich rechts in die Forsthausstraße hinein. Schon nach nur wenigen Metern einer hübschen mit Gründerzeithäusern bestandenen Straße bin ich bereits im Schellenberger Wald. Und aus der Wohnstraße wird ein Waldweg. So finde ich mich hier einfacher zurecht als erwartet. Dann ist ein großes Waldgelände umzäunt und schwer einsehbar. Und an mehreren Stellen ist der Zaun aber entweder durch umgestürzte Bäume von Sturm Ela oder von Neugierigen zerstört. Dann an einer Pforte ist die Tür nur angelehnt. Und ein Weg führt hinein ins vermutliche Zechengelände. Also hier wage ich mich mal hinein. Und ich werde direkt nach ein paar Metern durch den Anblick einer uralten Hausruine belohnt, die sicher ein Zechenrelikt ist.

Sowohl Schacht 1 als auch Schacht 2 von Gottfried Wilhelm sind hier im Schellenberger Wald noch zu finden

Dann von der in einem Text im Internet beschriebenen Halde ahne ich eher etwas, als daß ich sie erkenne. Und was ich klar erkenne, ist dort aber eine Pinge. Denn das ist eine eingesackte Stelle, die typisch ist in Bergbaugebieten. Und da wurden vorher Halden tauben Gesteins aufgetürmt oder Schächte verfüllt. Dann ein Stück weiter sind an einer Wegkreuzung eine ganze Menge Informationen auf großen Infotafeln erst über Kohlemeiler und die Entstehung von Holzkohle. Gerade da ist sogar ein Lageplan der Tagesanlagen der Zeche Gottfried Wilhelm. Und das ist genau das, was ich gesucht hatte.

Denn ein bisschen kann ich mich nach dem Plan sogar orientieren. So finde ich dann ganz zu meiner Überraschung sowohl den von der RAG-Steinkohle umzäunten Bereich von Schacht 1 und vielleicht 20 Meter weiter auch den ebenfalls umzäunten Schacht 2 der einstigen Anthrazitkohlenzeche Gottfried Wilhelm. Und auch die Lore aus der Fotoreportage, die ich im Internet gelesen habe, finde ich. Schon das ist mal wieder mehr als ich erhofft hatte hier zu entdecken.

Zeche Langenbrahm betrieb ihren Schacht 4 auch im Schellenberger Wald

Und nun gehe ich noch auf einem Waldweg ein Stück südlich. Dann habe ich die breite, asphaltierte Wohnstraße Renteilichtung erreicht. Und hier ist es noch etwa anderthalb bis 2 Kilometer in Richtung Osten zu gehen, bis ich am uralten Schellenberger Schloss bin. Also unweit von hier muss auch Schachtanlage 4 von Zeche Langenbrahm gewesen sein. Schon hatte ich bisher auf 3 Ausflügen nichts von dieser bedeutendsten Zeche in Essen-Süd gefunden. So war da nur das Maschinenhaus von Schacht 2 auffindbar. Und das war ursprünglich ja von der Zeche Schnabel ins Osten. Also mache ich mich nicht noch auf die absolut nicht erfolgsversprechende Suche nach Langenbrahm Schacht 4. Denn da soll eh alles renaturiert sein.

„Elend“ im Schellenberger Wald

So frage mich nur, ob es nicht zu Problemen gekommen war, dass Langenbrahm hier praktisch auch im Revier von Zeche Gottfried Wilhelm Kohle fördern wollte. Obwohl die Zeche Gottfried Wilhelm wegen sogenannter gestörter Lagerverhältnisse auch Zeche „Elend im Walde“ hieß, wurde hier wurde trotzdem erstklassige Anthrazitkohle gefördert. Und das weckte sicher die Begehrlichkeiten der zechenfressenden Großzeche Langenbrahm wie zu deren Beginn als Stollenzeche an der Kluse. Denn da war sie interessiert an dem ebenfalls aus Anthrazitkohle bestehenden Kohlevorkommen unter der Kruppschen Villa Hügel. Dann aber sind keine Informationen über einen eventuellen Konflikt von Zeche Langenbrahm mit der Zeche Gottfried Wilhelm zu finden. So wie  im Gegensatz dazu in einem Text im Internet der Konflikt der Zeche Langenbrahm mit der Kruppdynastie beschrieben wird.

Dann nach 1942 wurde die bei Zeche Gottfried Wilhelm geförderte Kohle unter Tage zur Zeche Pörtingsiepen am Baldeneysee gebracht. Und 1958 wurde das Grubenfeld von der auch einst am Baldeneysee ansäßigen Zeche Carl Funke übernommen. Die Schächte blieben für die Seilfahrt und die Bewetterung bis 1972 offen.

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Text/Fotos: Ernst Käbisch

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