Schachtanlage 4/5/11 (Triple Z) der Zeche Zollverein

historisches Foto vor Schachtanlage 4/5/11 der Zeche Zollverein
historisches Foto vor Schachtanlage 4/5/11 der Zeche Zollverein

von Ernst Käbisch

Schon fehlt der Schachtanlage 4/5/11 der Zeche Zollverein z.B. so ein markanter Förderturm. Denn spektakulär wie beim Doppelbock von Schacht 12 ist hier eigentlich gar Nichts. Dennoch ist dieses Zechengelände Zollverein 4/5/11 an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen interessant. So ist hier ein lebendiges Gründerzentrum in formschönen alten Gebäuden. Und das ist das „Triple Z“ (ZukunftsZentrumZollverein). Weiter überrascht auch die Schachtanlage 6/9 vom Zollverein in Essen-Stoppenberg. Aber eindeutig erkennbare Bergbaurelikte gibt es hier nicht.

Also wenn man den Doppelbock von Schacht 12 und die benachbarte Schachtanlage 1/2/8 in Essen-Katernberg gesehen hat, kennt man schon eine Menge vom Welterbe Zollverein. Aber die „größte und schönste Zeche der Welt“ hat noch mehr zu bieten. Und besonders die morbide wirkende Kokerei Zollverein ist ja auch spektakulär. Dazu ist ein guter Kontrast das sorgsam gepflegte Areal der Schachtanlage 3/7/10 mit dem Phänomania. Und hier ist auch ein formschöner Förderturm von Schacht 10 erhalten geblieben. Dafür findet man hier keine rostigen Loren oder Werkzeuge. Denn in den restaurierten alten Gebäuden der Zeche wohnen inzwischen Menschen eines Pflegeheims.

Schachtanlage 4/5/11 (TripleZ) der Zeche Zollverein

Aber auch die weiteren Schachtanlagen der Zeche Zollverein sind durchaus interessant. Besonders die Schachtanlage 4/5/11 an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen ist sehenswert. Denn auch hier gibt es viele formschöne und sicher denkmalgeschützte Zechengebäude. Und es ist interessant, dass hier ein quirliges Gründerzentrum von Gewerbeschaffenden die alten Zechengebäude belebt. Dadurch ist die Erhaltung der Markenkontrolle und der Waschkaue und einiger Maschinenhäuser gewährleistet. Nur ein Förderturm konnte hier nicht erhalten bleiben. Aber spektakulär ist hier vergleichsweise gar nichts. Wo die Schächte waren, ist abgezäunt. Und nur Protegohauben anstelle der Schachtgerüste halten da die Erinnerung an die Schächte aufrecht. Weiter sind an einigen Stellen historische Fotos der Zeche aufgestellt.

Dann ist ja unweit dieser Schachtanlage noch die weitläufige Halde Zollverein. Das ist schon auf Gelsenkirchener Stadtgebiet. Und auch diese Halde ist nichts Besonderes. Denn hier gibt es keinen Panoramablick oder sonstwie etwas Spektakuläres. Dennoch sind auch diese Relikte der Zeche Zollverein empfehlenswert und sehenswert. So sind die belebten Stadtviertel um die Schachtanlagen nachwievor auch geprägt vom ehemaligen Leben und Arbeiten der Bergleute. Und liebevoll und oft unerwartet wird in zahlreichen kleinen Bergbaudenkmälern daran gedacht.

Zollverein 6/9 ist ein verwildertes Gelände

Dann gänzlich unerwartet ist sogar auch die einstige Schachtanlage 6/9 sehr interessant. Die ist südlich von den anderen Schachtanlagen an der Hallostraße im Bezirk Stoppenberg gelegen. Schon gibt es hier von der eigentlichen Zeche keine Relikte. Also wenn man von diesem umzäunten verwilderten Waldgebiet absieht. Wahrscheinlich sind diese Mauerreste am Parkplatz vom Lebensmitteldiscounter noch von der Zechenmauer? Und vermutlich war hier doch die Zeche. Denn nicht nur im Ruhrgebiet liegen ehemalige Zechengelände genau so jahrzehntelang, ja sogar jahrhundertelang brach. So weiß man oft gar nicht mehr, wo die Schächte waren und was alles verfüllt wurde. Und erst recht weiß man nicht mehr, was nicht verfüllt wurde. Außerdem vermutet man bei den typischen Halden auf diesen Arealen oft schwierige und gefährliche Altlasten. Und oft vermutet man das ganz richtig. Dann verhält man sich lieber nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Auch im nicht mehr zum Ruhrgebiet gehörenden Kreis Mettmann kenne ich inzwischen viele solcher oft schon jahrhundertealter, sich selbst überlassener Schachtanlagen von Erzzechen. Und sowohl die Stadtplaner als auch private Investoren machen da einen großen Bogen drum. Denn wer will schon z.B. ein Haus bauen auf einem Gelände, was wegen früherer Bergbautätigkeit absacken kann? Und wo der Boden möglicherweise mit Altlasten wie Schwermetallen belastet ist.

2 Pingen mit Metallresten als Relikte der Zeche

So an einer Stelle ist der Zaun um Zollverein 6/9 niedergetreten. Und ein Trampelpfad führt auf eine inzwischen längst mit Wald bestandene Halde hinauf. Immerhin ist es da wohl nicht so gefährlich zu gehen. Denn deutlich sichtbar sind ja schon andere hier gegangen. Also gehe ich da vorsichtig auch mal hoch. Dann sehe ich von oben zu meiner Überraschung ganz deutlich nicht weit auseinander liegend zwei tiefe Pingen. So vermute ich doch stark, dass das Schachtpingen sind. Und aus einer der Pingen ragt eine dicke Metallstange heraus. Schon bin ich überrascht, beim Welterbe Zollverein auch noch so eine Anlage mit derartigen Bergschäden zu finden. Denn für Laien sind das eigentlich nicht mehr klar erkennbare Bergbauspuren.

Weiter ist auch das Wohnviertel um diese verwilderte Schachtanlage großartig. Viele tolle alte Wohnhäuser stehen hier an den Straßen. Und ich vermute bei den schönsten Häusern Steigerhäuser. Denn die schon etwas bessergestellten Steiger mussten in der Nähe der Zechen wohnen. So konnten sie immer schnell ihre Arbeitsplätze erreichen.

Zuerst auf ein Bild klicken. Dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text / Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here