Schöner Wohnen im Malakowturm in Gelsenkirchen

Zeche Holland Schacht 1
von Ernst Käbisch

Schon kenne ich 13 von 14 (von einst 140) erhalten gebliebenen Malakowtürmen im Ruhrgebiet. 13 der Türme dienten dazu, Steinkohle auch aus großen Tiefen zu fördern. Zum Beispiel ist der Malakowturm der Zeche Hannover in Bochum jetzt ein Museum. Dann ist in Bochum der Turm der Zeche Julius Philipp inzwischen ein Teil der Uni Bochum. Und diese beiden Relikte aus der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts sind prima restauriert worden. Andere dieser Malakowtürme sind in beklagenswertem Zustand. Und sie wirken teilweise traurig verfallen. Eine verblüffende Ausnahme ist aber auch der bewohnte Doppelmalakowturm der Zeche Holland in Gelsenkirchen. Und das ist „mein“ Malakowturm 14 im Ruhrgebiet.

Zuerst fahre ich mit der U-/Straßenbahn 302 ab dem Gelsenkirchen HBF ein Stück nach Bochum-Wattenscheid hinein. Denn „Bochum, Watermansweg“ heißt die Station, an der ich aussteige. Dann gehe ich ein Stück die Ückendorfer Straße zurück und damit wieder nach Gelsenkirchen hinein. Und an der Straße weisen die schokoladenbraunen Infoschilder der Route der Industriekultur den Weg zur Doppelmalakowanlage der Zeche Holland. Dann aber eigentlich ist das Zechengelände auch so unübersehbar rechts an der Straße. Inzwischen sind bei der unverkennbar im Stil der Malakowtürme angelegten Anlage die beiden Fördertürme entfernt. Schon der Eingangsbereich ist aber typisch für eine ehemalige Zeche. Dann ist das Haus links vermutlich die ehemalige Lohnhalle oder eine Maschinenhalle? Und davor steht eine bepflanzte Lore, die zum Werbeträger für eine Weinhandlung umfunktioniert wurde. So wirkt alles hier top restauriert und gepflegt.

Wohnen im Malakowturm

Und ganz auffällig sind die vielen Verbotsschilder und Hinweisschilder, dass hier alles Privateigentum ist. So ist es nicht gestattet für auswärtige Autos, auf dem Vorhof der Zeche zu parken. Und dass ich hier Fotos mache, ist erst mal gar nicht möglich. Denn eine junge Joggerin versperrt mir etwas provokativ wirkend den Blick auf die Malakowtürme. Außerdem guckt sie mich auch nicht an, sondern beschäftigt sich mit ihrem Handy, so dass ich zuerst das Gefühl habe, ihr Verhalten bezieht sich nicht auf mich.

Ich gehe an ihr vorbei und just in dem Moment joggt sie los. Gerade gucke ich mir die wirklich eindrucksvoll restaurierten Malakowtürme an – es sind ja tatsächlich 2 miteinander verbundene, ein etwas größerer und ein kleinerer – da begegnet mir eine weitere offenbar hier wohnende Frau. Sie ist mittleren Alters und wirkt groß und kräftig und hat einen Riesenhund dabei, vermutlich eine deutsche Dogge. Freundlich begrüßt sie mich wie einen Nachbarn und ich grüße etwas beeindruckt auch durch den Riesenhund ebenso freundlich zurück.

Erst nachher als ich wieder gehe, wird mir klar, dass die beiden Frauen hier wohl wohnen und sich durch spontane Besucher wie mich gestört fühlen können.? Aber das ist doch nicht nur bewohnt hier, sondern es besteht wegen der Bergbauvergangenheit ein öffentliches Interesse, sich das Gelände anzugucken? Immerhin ist doch schon an der Straße von der Route der Industriekultur der Weg hierhin ausgeschildert, es gibt Informationstafeln…

Mir ging es um die beiden Malakowtürme, die ich fotografieren wollte, weil ich jetzt inzwischen Fotos von allen der noch erhaltenen Türme gemacht habe. Und dafür bin ich sogar um die eindrucksvoll wie eine Burg bewohnten Türme herumgegangen und habe sogar noch einen Blick auf den Garten der Bewohner hinter der Doppelmalakowanlage erhascht.

Großzeche Holland in Gelsenkirchen und in Bochum

Auch auf der Rückfahrt fahre ich mit der Strassenbahn 302, aber in die andere Richtung nach Bochum hinein. Hier komme ich an einem weiteren Schacht der Zeche Holland vorbei. Hier ist neben zahlreichen erhalten gebliebenen Zechengebäuden auch noch ein Förderturm aus der Zeit der Steinkohleförderung übrig geblieben. In weissen Lettern steht oben Holland dran. Diesen Förderturm kenne ich schon. Man kann ihn vom Gipfel der Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen sehen.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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