Schurenbachhalde in Essen-Altenessen

Auf der Schurenbachhalde
Graffitis als Blickfang

Schon der Essener Zollverein schüttete auf diese Halde taubes Gestein aus der Steinkohleförderung auf. Und in unmittelbarer Nähe der Schurenbachhalde sind/waren weitere Zechen. So waren da die Zeche Fritz, die Zeche Heinrich und die Zeche Carl, die „Kulturzeche“ um den markanten Malakowturm. Und auch die Zeche Nordstern im nahen Gelsenkirchen-Horst ist von hier aus zu sehen mit der Herculesfigur auf dem Förderturm obenauf. Inzwischen ist der Fuss der Schurenbachhalde dicht bewaldet. So ist die Haldenkuppe aber noch eine weitläufige schwarze Mondlandschaft.

Jedenfalls ist der Bezirk Altenessen im Norden von Essen anders. So anders jedenfalls als die inzwischen eher bürgerlich oder auch ländlich oder sogar von Künstlern und Studenten belebt und bewohnt wirkenden Stadtviertel im Süden der Stadt.

Und es ist auch keineswegs so, dass Altenessen eindeutig ein „Problemviertel“ ist. Denn nur weil all die Zechen und stahlverarbeitenden Betriebe dicht sind, bezieht nicht ein Großteil der Menschen im Bezirk Hartz4 oder wird kriminell. So gibt es Probleme in Altenessen sicher genug. Schon ist aber zu merken, dass die Probleme auch angepackt werden.

Die Zeche Fritz

Und das ist gerade an so einem trüben 1.Novembertag zu spüren. Schon ist das Wetter ganz nach Kalender mies und grau mit leichtem Nieselregen. Dann ist das erste, was ich sehe auf der Heßlerstraße eine Lore vor einer ehemaligen Zeche. Und die Lore ist bepflanzt und die Zeche Fritz bzw. Fritz-Heinrich ist jetzt ein gepflegtes und angenehm wirkendes Gewerbegebiet. Denn Alte Zechengebäude wurden erhalten, restauriert und werden neugenutzt. Und die neugebauten Gebäude des Gewerbeviertels passen. So gibt es bei dieser Zeche nicht den Stilbruch, dass das Neue nicht zum Alten passt.

Dann zur Halde gehe ich durch die Fritzstraße. Und wie ein Klischee sieht die Straße so aus wie die Altbausiedlung, wo das „Ekel Alfred“ aus der Kultfernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ lebte. So in einem Blumenbeet auf dem Bürgersteig kurz vor dem Haldenaufgang blühen Studentenblumen. Obwohl November ist. Und direkt dahinter sehe ich schon den bewaldeten Fuss der Halde.

Schurenbachhalde

Schon hier unten ist richtig dichter Wald mit hohen Bäumen. Dann schlängelt sich ein schwarzer Schotterweg mit eindeutig kohlehaltigen Steinen zwischen Sträuchern und Bäumen in Serpentinen die Halde hoch. Und die weitläufige Haldenkuppe der nicht sehr hohen Halde ist dann völlig schwarz. Denn das einzige, was hier mittendrauf steht, ist diese gewaltige und eigentlich nicht angenehm wirkende „Bramme“. So eine vielleicht 15 Meter hohe und nur ca. 15 Centimeter breite Stahlplatte eines amerikanischen Künstlers ist das. So habe ich direkt ein wenig Angst, dass diese mächtige Metallplatte auf mich drauf kippen könnte. Immerhin ist der untere Teil der Bramme vollständig von Graffitis besprüht. Und wenigstens das ist jetzt ein bunter Blickfang in all dem Schwarzen und Grauen.

Weiter ist der Panoramablick von der Haldenkuppe trotz des trüben Wetters großartig. Obwohl die Halde ja gar nicht hoch ist. Denn zum Greifen nah sehe ich das Heizkraftwerk Essen-Karnap vor mir und rechts daneben das Tetraeder in Bottrop. Und auch der Gasometer in Oberhausen ist deutlich zu erkennen. Aber eigentlich ist heute an so einem trüben Tag eine der ungünstigsten Gelegenheiten, um eine Halde zu besuchen und so mache ich mich wieder an den Haldenabstieg in den Bezirk Altenessen, der mir immer besser gefällt.

Am Rhein-Herne-Kanal und an der Emscher

Nur ein paar Schritte von der Strassenbahnstation Heßlerstraße entfernt fliessen einträchtig parallel der Rhein-Herne-Kanal und die Emscher in Richtung Duisburg. Von hier sehe ich noch einmal die Haldenspitze mit der Bramme und links ist die Rückseite der Herculesfigur zu sehen, die der Düsseldorfer Künstler Marcus Lüpertz auf einen Förderturm der Gelsenkirchener Zeche Nordstern gestellt hatte.

Im Bezirk Altenessen

Ich gehe nun nach Süden in den Bezirk Altenessen hinein. Wenn ich mich beim letzten Mal hier unwohl gefühlt habe, dann ist es jetzt ganz anders. Mir gefällt es in diesem belebten und auch multikulturell belebtem Bezirk. Viele der „Gastarbeiter“, die in Zeiten des „Wirtschaftswunders“ geholt wurden, sind geblieben und jetzt sind viele von deren Nachkommen selbst Unternehmer. Die Straßen sind voller Gründerzeithäuser und in jedem zweiten Haus ist ein Geschäft, eine Kneipe, ein Döner-Imbiss, ein Elektroladen.. Vor Supermärkten stehen ganz unvermittelt 3 Protegohauben der ehemaligen Zeche Heinrich. Zeche Heinrich kommt mir bekannt vor.? Ja richtig, im Süden von Essen in Holthausen gab es auch eine Zeche Heinrich – direkt an der Ruhr. Hier in Altenessen ein Stück weiter die Wilhelm-Nieswandt-Allee entlang ist schon die nächste Zeche, die Zeche Carl.

Die Zeche Carl

Unweit des U-Bahnhofs Altenessen-Mitte ist inzwischen ein lebendiges und offenbar beliebtes Kulturzentrum in den interessanten alten Zechengebäuden um den markanten Malakowturm der Zeche Carl herum entstanden. Jeden Tag sind hier mehrere Veranstaltungen in der alten Maschinenhalle der Zeche, entnehme ich einem Plakat. Jetzt am frühen Morgen des Feiertags ruht das Gelände aber natürlich.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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