Siedlung Mausegatt in Mülheim an der Ruhr

Nur in der Siedlung Mausegatt findet man Infos zum Mülheimer Bergbau.
Nur in der Siedlung Mausegatt findet man Infos zum Mülheimer Bergbau.
von Ernst Käbisch

Wer etwas über den Bergbau in Mülheim an der Ruhr wissen möchte, wird enttäuscht sein, daß hier gar keine Zechenanlagen und z.B. nicht ein einziger Zechenförderturm erhalten blieben. Und sogar die einzige, mitten in einem Kreisverkehr aufgestellte Seilscheibe stammt nur von einem Förderturm der Oberhausener Zeche Alstaden. Schon etwas entschädigt dann aber die wunderbare ehemalige Bergarbeitersiedlung Mausegatt in Mülheim-Heißen. Immerhin hier kann man noch einiges über den Mülheimer Bergbau erfahren.

Schon fährt der Bus 753 stündlich ab Ratingen nach Mülheim-Heißen. Und immer noch ist das für mich wie eine Fahrt in eine andere Welt. Denn Heißen war einmal der wichtigste Bergbaubezirk der Stadt Mülheim. Und hier förderten die Zechen Wiesche, Humboldt und vor allem als großes Verbundsbergwerk bis zum Jahr 1966 die Zeche Rosenblumendelle die auch hier so reichhaltig vorhandene Steinkohle.

Heute finde ich Bergbauspuren sogar ausserhalb Die Siedlung Mausegatt

Also Spuren der Bergwerke sucht man in Mülheim inzwischen vergeblich. So hatte ich zuletzt immer gedacht. Denn es sind alle Fördertürme ja längst abgerissen. Und an die Zeche Humboldt etwa, die vom Rhein-Ruhr-Zentrum überbaut wurde, erinnert nur eine schlecht lesbare Infotafel vor dem Eingang. Wahrscheinlich gibt es wohl noch hier und da Zechengebäude. Dann sind die meistens in schwer oder gar nicht zugänglichen Gewerbegebieten.

Und aber heute bin ich doch ganz überrascht, daß ich Zechenrelikte entdecke und das nicht nur in der Siedlung Mausegatt. Also da ist ja in Heißen an einem Kreisverkehr die Seilscheibe der Oberhausener Zeche Alstaden aufgestellt. Und nebenan war die Zeche Rosenblumendelle. Immerhin finde ich da ein weißgetünchtes Bergbausymbol an einem sonst allerdings nichtssagenden Haus. Schon war das aber ein Zechengebäude. Und das Nachbargebäude ist noch original in der Bauweise mit den roten Backsteinen.

So scheint mir das sogar eher noch ein Zechengebäude zu sein vom großen Verbundbergwerk Rosenblumendelle. Und diese Zeche übernahm 1928 ja auch das Abbaufeld der Essener Zeche Hagenbeck, wo ich mich letzte Woche umschaute. Und von der Zeche Hagenbeck sind noch 2 Zechengebäude erhalten. Dann hier bei der Zeche Rosenblumendelle kann ich das gar nicht genau sagen. Denn ich mag ja auch nicht weiter in das betriebsame Gewerbegebiet hineingehen. So sind da aber sicher auch noch das ein oder andere ehemalige Zechengebäude.

Von der Siedlung Heimaterde zur Siedlung Mausegatt

Und nun gehe ich die Kruppstraße entlang parallel zur A40, wo auch auf dem Mittelstreifen die Straßenbahn fährt. Das ist ein eher langweiliger Fussweg, aber einmal streife ich hier die sehr eindrucksvolle Kruppsche Siedlung Heimaterde. Und hier sind stilvolle Wohnhäuser, wo Bergleute und Stahlarbeiter der Kruppschen Werke wohnten.

An der Bushaltestelle Heißen Kirche sehe ich, daß der Bus nach Ratingen noch nicht losfährt. Dann ist noch Zeit, um in die Siedlung Mausegatt zu gehen. Denn die hatte ich mir vor 3 Jahren schon einmal angeguckt. Dieser Ort ist eigentlich der einzige in ganz Mülheim, wo man noch den Eindruck hat, die Menschen denken noch mit guten Gefühlen an den Bergbau zurück. Und sie gehen da nicht gleich zur Tagesordnung über, die ja in dieser Stadt schon seit 1966 Strukturwandel heißt.

In der Siedlung Mausegatt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein

Inzwischen bereuen es viele, die ganzen Mülheimer Bergwerke fast spurlos abgerissen zu haben. In der Siedlung Mausegatt scheint aber ein wenig die Zeit stehengeblieben, auch wenn vermutlich dieser Park am Eingang der Siedlung mit dem Grubenzug und der Bergarbeiterskulptur und dem liebevoll mit vielen Details zum Mülheimer Bergbau ausgestatteten Schaukasten mit Glasfenster erst weit nach den Zechenschliessungen angelegt wurde. Das mit Bergbauszenen bemalte Stromhäuschen kenne ich sogar noch nicht. Das wunderbare Zechenwohnviertel Mausegatt – und Kreftenscheer (auch Kreftenscheer ist wie Mausegatt der Name eines Flözes) um die Mausegatt- und die Kreftenscheerstraße ist doch ein ganz guter Ort, um etwas über den Bergbau in Mülheim an der Ruhr zu erfahren.

Auf dem Weg zurück zur Busstation bleibe ich an einem kleinen Fußballstadion in der Paul-Kosmalla-Straße stehen. Das aus einer anderen Zeit stammende Eingangstor sieht ganz so aus wie eine ehemalige Markenkontrolle eines Bergwerks und auf der Straße davor sind Spuren im Asphalt, die mich vermuten lassen, daß hier einstmals Zechenbahnen verkehrt haben. Es gibt sie noch, die Spuren des Bergbaus auch in Mülheim an der Ruhr. Man muss aber schon sehr genau hingucken. Infos darüber findet man aber selten abseits der sehenswerten Siedlung Mausegatt.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here