Silbergruben im Kalksteinabbaugebiet

Silberhaltigen Bleiglanz hoffte man in den
Silberhaltigen Bleiglanz hoffte man in den Silbergruben zu finden.
von Ernst Käbisch

In Wülfrath ist das größte Kalksteinabbaugebiet Europas. Und auch hier und in der Nachbarstadt Velbert wurde jahrhundertelang Bergbau betrieben. Während der Gründerzeit am Ende des 19ten Jahrhunderts schossen in einer Art Goldgräberstimmung zahlreiche Silbergruben aus dem Boden. Denn man hatte Hoffnung, größere Mengen Silber und Kupfer zu fördern. Und das erfüllte sich aber nicht. Also letzlich rentierten sich die großen Investitionen in aufwändige Grubenanlagen nicht.

Schon schwer sind diese kleinen Steinstücke. Tim hat die ganz fachmännisch mit Schlägel und Eisen aus dem schwarzen Felsbrocken am Klopfplatz im Zeittunnel Wülfrath  geschlagen. Und wir durften die sogar mit nach Hause nehmen. Denn sie sehen edel und nach etwas ganz Besonderem aus. Wahrscheinlich sind sie das tatsächlich auch.

Denn Bleiglanz enthält nämlich auch etwas von dem Edelmetall Silber. Und das Silber ist das, warum diese Brocken so glänzen und funkeln. Gerade, wenn die Sonne darauf scheint, ist das so. Dann aber ist der Silbergehalt doch nicht so groß. Und genaugenommen ist das sogar minimal. So ist das ein Promilleanteil dessen, was diese schweren Steinbrocken an gebundenem Blei enthalten. Denn das Blei macht die Steine auch so schwer.

Also auch in Wülfrath am Zeittunnel verläuft dieses erzreiche Vorkommen. Man nennt das auch das „Velberter Erzgebirge“.  So ein weiteres Abbaugebiet ist auch in (Ratingen-)Lintorf und (Mülheim-)Selbeck bei den Lintorfer Erzzechen wieder anzutreffen. Soeben haben wir am Klopfplatz des Zeittunnels in Wülfrath nachvollzogen, was die Menschen seit Jahrhunderten in der Region faszinierte.  Und was sie dazu bewog, Bergbau zu betreiben. Denn sie wollten möglichst viel Silber fördern. Und wenn nicht Silber, dann wenigstens Bleierz, Zinkerz, Kupfererz + Eisenerz . Und sie wollten damit reich werden.

Silbergruben schossen wie Pilze aus dem Boden

Während der Gründerzeit gab es geradezu eine Goldgräberstimmung in der Region. So war das in Velbert, in Wülfrath, in Mettmann, in Heiligenhaus und auch in Lintorf und in Selbeck. Und Zechen bzw. korrekt genannt Gruben schossen wie Pilze aus dem Boden. Und überall wurde versucht, die Schätze des Bodens zu fördern. So wie bei den Steinkohlezechen im Ruhrgebiet wurden Schächte abgeteuft. Und es wurden Abbausohlen erschlossen. Dann wurden Zechen gebaut und Zechensiedlungen, wo die Bergleute wohnen konnten.

Von den erhofften Edel- und Halbedelmetallen Silber und Kupfer wurden aber nur minimale Mengen gefördert. Immerhin wurde aber reichlich Blei, Zink und Eisen entdeckt und auch abgebaut. Eine eigene Infrastruktur mit Zechenbahnen wie der Schleppbahn in Velbert, entstand. Dort wurden die Erze mit Pferdebahnen nach Essen-Kupferdreh zur Phönixhütte gebracht. Aus dieser Zeit stammt auch noch die  inzwischen denkmalgeschützte Schleppbahnbrücke im Velberter Langenhorster Wald. Gerade erst vor 4 Jahren wurde sie vor dem fast schon feststehenden Abriss gerettet.

Mehr schlecht als recht konnten die großen Investitionen einige Jahrzehnte durch die Erzförderungen gedeckt werden. Darüber hinaus konnten die Bergleute bezahlt werden. Aber überall in den Gruben kehrte bald Ernüchterung ein. Weil nicht alles  wollte so recht klappen, wie man sich das in kühnen Träumen vorgestellt hatte.

Ab Anfang des 20ten Jahrhunderts schlossen die Silbergruben (Bleigruben) wieder

Es gab aber zahlreiche Widrigkeiten. So war ein großes Problem die Unmassen an Wasser besonders bei den Lintorfer Erzzechen. Trotz modernster Pumpen konnten die nicht abgepumpt werden. Und die Weltmarktpreise für Blei und Zink fielen. Und so mussten ab Anfang des 20ten Jahrhunderts alle diese Silbergruben nach und nach wieder aufgeben.

Halde der Grube JOSEFINE

Heute sind fast alle Spuren aus dieser Goldgräberzeit verschwunden. Einige Zechenwohnhäuser und auch Maschinenhäuser sind erhalten geblieben. Einige Straßennamen wie Zechenweg, Bleiwäsche, Bleibergweg und auch Silberberger Weg  erinnern an die Zechen. Der Silberberg ist aktuell einer von 2 aktiven Kalksteinbrüchen in Wülfrath. Immer wieder erleben Bewohner der Region aber böse Überraschungen durch plötzlich eintretende Bergschäden. Die nach Schließung der Zechen verfüllten Schächte sackten nach. Das gibt noch immer gelegentlich massive Probleme besonders beim Straßenbau und beim Wohnungsbau. Auch ein paar Halden gibt es noch. So ist darunter die ganz kuriose Halde der Grube JOSEFINE in Velbert inmitten eines Ackers. Der Bauer respektiert die Halde. Und er bestellt das Feld ringsum die Halde. Und so schützt er dieses eindrucksvolle Relikt einer vor über 100 Jahren geschlossenen Zeche vor neugierigen Mineraliensammler.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here