St.Antony-Hütte in Oberhausen

Ehemaliges Wohnhaus der Hütteneigner und jetzt Industriemuseum
Ehemaliges Wohnhaus der Hütteneigner und jetzt Industriemuseum

Mich interessiert heute mehr der faszinierende Schachtturm von Schacht 4 der Zeche Osterfeld. Dann ist aber direkt nebenan die St.Antony-Hütte und die ist ja die erste Hütte des Ruhrgebiets. Und die ist ja die Vorläuferin des späteren Weltkonzerns Gutehoffnungshütte. So ist sie industriegeschichtlich bedeutsamer als die Zeche.

Im Norden von Oberhausen im Bezirk Osterfeld ist eine richtige Kleinstadtidylle. Dabei ist das schon an der Stadtgrenze zu Bottrop und mitten im Ruhrpott. Eigentlich komme ich mir hier aber sogar vor wie auf einem Dorf. An einem beschaulichen Fachwerkhaus steht ein mächtiger Maronenbaum. So an diesem sonnigen 4.Oktobertag fallen unablässig die reifen, essbaren Maronen vom Baum herunter. Seit einiger Zeit sammelt ein Mann die reifen Esskastanien von der kaum befahrenen Straße. Und im Gespräch vertieft vor dem alten Gebäude neben dem Maronenbaum steht eine ältere Hundebesitzerin.

Und mit ihr redet eine ebenfalls bereits etwas ältere Frau mit Kind im Kinderwagen.  Hinter dem wie ein Bauernhaus wirkenden Fachwerkhaus ist ein weitläufiger, bewaldeter Park und auf dem großen Teich am Eingang zum Park plätschert ein Springbrunnen. Dann ist da vor mir ein weiteres Parkgelände mit einer lebensgroßen Skulptur von Franz Haniel (1779-1868). Und das ist einer der Mitbegründer der Gutehoffnungshütte. So steht er auf einer Wiese und rechts daneben ist ein seltsames Areal. Und das ist von einem geschwungenen Dach überdacht und hier wird offenbar etwas ausgegraben.

Die St.Antony-Hütte, Vorläuferin der Gutehoffnungshütte

Also das überdachte Areal ist eine archäologische Ausgrabungsstelle. Denn hier wird der Rest der ersten Eisenhütte des Ruhrgebiets, der St.Antony-Hütte freigelegt. Dafür wird da Stein um Stein freigelegt und ausgebuddelt. Immerhin ist die St.Antony-Hütte die Vorläuferin der weltberühmten Oberhausener Gutehoffnungshütte. Und das Fachwerkhaus auf der anderen Straßenseite war das Wohnhaus der Hütteneigner. Immerhin ist es jetzt ein Industriemuseum. Dann ist der Teich mit dem plätschernden Brunnen der ehemalige Hüttenteich. Denn das ist hier eine ganz geschichtsträchtige Gegend. Trotzdem das hier alles so unscheinbar aussieht.

Schon einmal vor ein paar Jahren waren wir in dem Museum. Schon sehr interessant ist das hier natürlich. Jedenfalls ist es das, wenn man sich für die Industriegeschichte des Ruhrgebiets interessiert. Denn das ist ja hier praktisch die Wiege der Montanindustrie im Ruhrgebiet. So ist zumindest hier der Beginn der Hüttenindustrie im Ruhrgebiet anschaulich dokumentiert. Denn noch bis heute arbeiten ja in Duisburg die Großhütten ThyssenKrupp und KruppMannesmann.

Schachtanlage 4 der Oberhausener Zeche Osterfeld

Und doch interessiert mich im Moment hier noch etwas anderes. Denn nur ca. 200 Meter von hier links in die Straße „zum Dörnbusch“ hinein ist nämlich eine alte Zechenanlage. So ist das die Schachtanlage 4 der Oberhausener Zeche Osterfeld. Und diese Anlage ist umzäunt. Dann verkünden da große Informationstafeln am Zaun, daß hier Einfamilienhäuser entstehen werden. Außerdem soll ein Gesundheitspark sowie ein Seniorenzentrum entstehen. Wahrscheinlich muss das aber überhaupt nichts bedeuten. Denn hier sind im Umzäunten noch mehrere abenteuerlich verfallen aussehende Zechengebäude. Und allen voran ist da ein fantastischer Schachtturm. Dann ist der aber an mehreren Stellen durchsichtig. Denn er bröckelt leider gut sichtbar vor sich hin.

Dann ist da  am Zaun um das Zechengelände ein kleines Schild. Und da ist schon der Grund angegeben, warum die Gebäude so verfallen sind. Denn auf dem Gelände ist keine Baustellentätigkeit sichtbar. Schon ist eigentlich nur Stillstand bemerkbar. Denn auf diesem Schild wird die nächste Verkaufsberatung angekündigt. Weil auch eine Rohbaubesichtigung soll dann stattfinden. Schon ist der Termin bereits längst vorbei.

Relikte der Montanindustrie in Oberhausen

Und das stimmt dann nicht so optimistisch. Denn werden hier tatsächlich diese Zechenrelikte noch restauriert? Dabei wirken die doch so großartig. Und sicherlich stehen sie unter Denkmalschutz. Außerdem wirken sie aber bedauernswert. So verfallend wie sie aussehen. Immerhin scheinen die Bewohner einer benachbarten Wohnsiedlung stolz darauf zu sein, hier in der Nähe solcher Zechenrelikte zu wohnen. Denn erst gucken sie etwas misstrauisch. Immerhin gehe ich ja als Ortsfremder durch ihre Siedlung. Denn ich will ja eine bessere Aussicht auf die Zechengebäude bekommen. Dann merken die Leute, dass ich nur fotografiere. Und da ich offenbar an der Zeche interessiert bin, wirken sie freundlich.

So im Vergleich wird in der Stadt Oberhausen gut mit den alten Relikten der  Montanindustrie umgegangen. Denn was interessant ist und erhalten werden kann, wird erhalten. Wenn es denn noch möglich ist. So ein Beispiel ist die Zinkfabrik Altenberg am Hauptbahnhof. Jetzt ist das ein Industriemuseum. Und da ist ja auch die St.Antony-Hütte. Und sogar von der Gutehoffnungshütte sind interessante Reste übriggeblieben. Nicht nur ist das Gasometer ein Topausstellungsort. Weitere Gebäude der Hütte werden überzeugend neugenutzt. Selbst das Vergnügungs- und Einkaufszentrums Centr0 wird ja angenommen. Und so wirkt Oberhausen als einstige Industrie- und Arbeiterstadt authentisch.

Anfahrt zur St.Antony-Hütte mit dem ÖPNV:

Ab dem Busbahnhof vor dem Oberhausen HBF fährt am Wochenende stündlich der Bus 961 nach Bottrop zur Spechtstraße. Kurz vor der Endstation, an der Station St.Antony-Hütte muss man aussteigen. Hier sind direkt die Ausgrabungsstätte, das Museum und der Park nicht zu übersehen.

Zur Schachtanlage 4 der Zeche Osterfeld sind es noch ca. 200 Meter links in den Weg „zum Dörnbusch“ hinein.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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