Symbolische Europastadt Eurode

Aachener Strasse im deutschen Teil von Eurode mit Alsdorfer Halde
Aachener Strasse im deutschen Teil von Eurode mit Alsdorfer Halde
von Ernst Käbisch

Seit Jahrhunderten sind die beiden Städte Herzogenrath und Kerkrade eng aneinander gewachsen. In Folge dessen bietet sich hier die symbolische Namensgebung Eurode an. Denn die Menschen von Eurode leben nicht nur nachbarschaftlich und freundschaftlich zusammen, sie haben auch viele Gemeinsamkeiten. Wegen einer dieser Gemeinsamkeiten bin ich hierhingefahren. Sowohl in Herzogenrath als auch in Kerkrade wurde jahrhundertelang Bergbau betrieben.

Als erstes will ich mir noch ein Bergbaudenkmal in Herzogenrath angucken, bevor ich vom Bahnhof Herzogenrath ins nahe Kerkrade zu Fuß gehe. So auf den Google Maps sieht das ja nicht weit aus. Und mal wieder habe ich unterschätzt, wie lang dann doch der Weg ist. Zuletzt führt dann die Geilenkirchener Straße aus Herzogenrath heraus und steil auf eine Hochebene. Schon kann ich die ganze Zeit über abgeernteten Feldern die mächtigen Alsdorfer Halden in Herzogenraths deutscher Nachbarstadt Alsdorf sehen.

In der Halbstadt Herzogenrath von Eurode

Eine dieser Halden der Grube Anna in Alsdorf ist wie zahlreiche Halden im Ruhrgebiet auch eine brennende Halde. Dort hatte sich der Restkohlenstoff im unsachgemäß aufgeschütteten tauben Gestein aus der Steinkohleförderung selbst entzündet. So eine brennende Halde ist nicht zu löschen. Außer man trägt die ganze Halde wieder ab. Bei so einem riesigen Berg, wie ich ihn hier sehe, ist diese Lösung natürlich zu verwerfen. Und die Menschen müssen damit leben, hier so einen von Menschenhand geschaffenen Vulkan zu haben. So ein Haldenbrand kann 100 Jahre brennen.

Inzwischen bin ich aus Herzogenrath schon wieder heraus und auf plattem Land. Und nun frage ich 2 Männer nach der Seilscheibe und da sie das Bergbaudenkmal der Grube Adolf gar nicht kennen, nach der Adolfstraße. 3 Kilometer wäre das noch von hier, sagt man mir. Da ich das ja auch noch wieder zurückgehen müßte, drehe ich um. Also gehe ich nun ins Zentrum der kleinen Halbstadt Herzogenrath von Eurode hinein.

Dann an der Aachener Straße finde ich mit einer Lore auf einer umzäunten Wiese ein weiteres Zechenrelikt. Eigentlich sollte die Aachener Straße mich nun direkt auf die „Domaniale Mijnstraat“ in Kerkrade führen. Aber das wird nun eine Autoschnellstraße ohne Fußgängerweg und ich komme zwar leicht an die Stadt- und Staatsgrenze und nach Kerkrade hinein, allerdings an einer ganz anderen Stelle, wie ich es geplant hatte.

In der Halbstadt Kerkrade von Eurode

Schon finde ich diese symbolische Namensgebung Eurode gut. Aber ich merke an dieser anderen Halbstadt Kerkrade von Eurode mal wieder, wie groß dann doch noch die Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden sind. Das ist ja nicht nur die andere Sprache und die andere Verwaltung. Nicht zuletzt sind es in Jahrhunderten geprägte kulturelle Eigenheiten, die die jeweiligen Menschen dieser Länder eben zu Deutschen und Niederländern machen.

Weiter komme ich auf meinem Irrweg durch Kerkrade auch durch das beschauliche Zentrum mit der Fußgängerzone, die wie alle niederländischen Fußgängerzonen genau gleich aussehen. Immer sind es in Hollands Städte die gleichen Geschäfte und Cafes und Restaurants. Und dann gehe ich über einen wunderbaren mittelalterlichen Marktplatz mit einem barocken Prachtstück von Haus, vermutlich dem Rathaus von Kerkrade.

Endlich nach zweimaligem Fragen finde ich dann auch Schacht Nulland der ehemaligen Domanialen Mijn. Noch ein eindrucksvoller Förderturm mit sichtbaren Seilscheiben und auch noch vorhandenen Seilen blieb von der Zeche erhalten. So ein wie eine orientalische Burg aussehendes Zechengebäude habe ich im Ruhrgebiet nirgendwo gesehen. Ein weiterer noch erhaltener Förderturm in den Niederlanden steht in Kerkrades niederländischer Nachbarstadt Heerlen und ist ein prächtiger Malakowturm der einstigen Zeche Oranje-Nassau. Seit der Zechenschliessung ist dort ein Bergbaumuseum.

Neue Straße/Nieuwstraat in Eurode

Dann auf dem Rückweg von Schacht Nulland nach Herzogenrath gehe ich auch durch die Neue Straße/Nieuwstraat, wo die eine Seite holländisch ist und die andere Seite deutsch. Weil die Bauweise der Häuser unterschiedlich ist, wird schnell deutlich, welche Seite deutsch und welche holländisch ist.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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