Tangotanzen am Baldeneysee in Essen

Tangotanzen am Baldeneysee: der Förderturm von Zeche
Tangotanzen am Baldeneysee: der Förderturm von Zeche Carl Funke

von Ernst Käbisch

„Tango am Baldeneysee“ heißt eine ruhrgebietstypische Trinkhalle nahe Schloss Baldeney in Essen. Dabei ist Tangotanzen am See sicher nicht gerade zu empfehlen. Denn rings um den See mit seinen hohen, bewaldeten Hügeln an den Ufern ist eigentlich flächendeckend Bergschadensgebiet. Weil hier, wo die Flöze so oberflächennah verlaufen, förderten zahlreiche Stollenzechen des Altbergbaus und auch Tiefbauzechen das schwarze Gold.

Schon seit mehreren Wochen ist es meistens mein Sonntagsvormittagsausflug, dass ich in Etappen mal wieder um den Baldeneysee in Essen herumgehe. Inzwischen kenne ich den See immer besser. Aber ich finde hier auch immer mehr Bergbaurelikte, die mich interessieren.

Blick über den See Richtung Essen-Kupferdreh

Also heute gucke ich mir mal wieder die Strecke von Schloss Baldeney bis zur Zeche Carl Funke in Essen-Heisingen etwas genauer an. Wo ich das letzte Mal hier war, fand ich das schon sehr spannend. Und ich fand bei der Gelegenheit ja das Stollenmundloch der Zeche Heisinger Tiefbau. Obwohl ich da einen verregneten Tag erwischt hatte. Schon ist es heute viel angenehmer. Denn der viele Schnee von gestern ist wieder geschmolzen und zaghaft wagt sich auch die Sonne, durch Lücken in der Wolkendecke zu scheinen. Und die Temperatur ist heute an einem Tag Mitte Februar schon frühlingshaft.

Tangotanzen am Baldeneysee

Schon vor ein paar Tagen war ich von Essen-Stadtwald kommend hierhin in den Stadtbezirk Heisingen zu Fuß gegangen. Aber an der „Korte Klippe“ fand ich keinen Wanderweg die steilen und bewaldeten Felsen hier zum See hinunter. Und ich wollte auch nicht abseits der Wege durch den Schellenberger Wald gehen. Weil rings um den See ist durchgehend Bergschadensgebiet durch die vielen Bergwerksanlagen meist des frühen Bergbaus. An mehreren Stellen am See sind geologische Aufschlüsse, wo man sieht, wie die Erde vor Jahrmillionen hier gefaltet wurde. Außerdem erkennt man vereinzelt sogar die Kohleflöze.

Und auch heute schon bin ich an mehreren Stollenmundlöchern vorbeigegangen. Einiges davon ist ja nicht ganz eindeutig. Aber bei anderem ist es ganz klar. Obwohl es hier kaum Infotafeln zu den Bergbaurelikten gibt. Denn unweit der Schächte 1 und 2 von der Zeche Carl Funke ist das Stollenmundloch der Zeche Heisinger Tiefbau, wovon ich auch schon Fotos im Internet fand. Ein Stück weiter östlich von Zeche Heisinger Tiefbau ist eine weitere gemauerte Stelle am Felsen, die ich als Stollenmundloch der Zeche Hundsnocken vermute. Und darüber ist dann eine uralte hohe Mauer aus Ruhrsandstein mit Metallverstrebungen, die ganz nach einer ehemaligen Schachtanlage aussieht.

Oben ist dieses Areal umzäunt. Aber an einer Stelle ist der Zaun niedergetreten. Also mir ist das dann schon zu gefährlich, mir das näher anzugucken. Denn Schächte von Bergwerken waren ja tief. So ist mir das hier nicht ganz geheuer. Und mir fällt in dem Moment der ulkige Name einer Trinkhalle direkt am Felsen bei Schloss Baldeney ein. „Tango am Baldeneysee“ heißt die nämlich. Also ich jedenfalls tanze hier besser keinen Tango.

Zechenrelikte am Nordufer vom Baldeneysee

Hier kann man sich leicht ein Bein brechen.

Und auch unterhalb dieses Ortes entdecke ich unweit des Wanderwegs eine Stelle, die mir nicht ungefährlich vorkommt. Nämlich ist das ein größeres Erdloch, wo ich ein Rohr erkenne und Backsteine. Also wenn man das übersieht und da unbeabsichtigt reintritt, kann man sich zumindest leicht ein Bein brechen.  Tangotanzen am Baldeneysee ist wohl wirklich bei all diesen Bergschäden hier nicht unbedingt empfehlenswert.

Lore eines Wassersportvereins am Baldeneysee

Von der Zeche Carl Funke ist vergleichsweise etwa zur Zeche Pörtingsiepen am Südufer des Baldeneysees doch noch einiges erhalten geblieben. Denn etwa der stattliche Förderturm von Schacht 1 ist der einzige überhaupt noch verbliebene Förderturm im Essener Süden. Und zur erhalten gebliebenen Markenkontrolle oberhalb des Förderturms schon beim ehemaligen Schacht 2 scheinen auch einige Zechengebäude direkt am Baldeneysee erhalten zu sein. Und die stilvollen Gebäude aus roten Backsteinen werden von den hier zahlreich vertretenen Wassersportvereinen neugenutzt.

Mit Ausnahme des Streckenabschnitts von der Zeche Carl Funke bis zur Kampmannbrücke mit einem interessanten geologischen Aufschluss habe ich jetzt das Nordufer vom Baldeneysee mal wieder durch. Demnächst will ich mich mit meinem Cousin aus Velbert in Essen-Kupferdreh treffen und mich da noch einmal genauer umgucken. Denn das ist da ganz ähnlich wie im Muttental in Witten, wo wir letztens schon mal gemeinsam waren. Und danach ist mal wieder der Süden vom Baldeneysee dran.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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