Tour de Ruhr – quer durch das Ruhrgebiet

Friedrich Thyssen 6
Friedrich Thyssen 6

Also wenn man heutzutage durch das Ruhrgebiet fährt, wird man im Vergleich zu früheren Jahrzehnten so manche Überraschung erleben. Denn die zum Schneiden dicke Luft, all die lärmenden und schmutzigen Fabrikhallen sind weg. Und auch die Zechen sind bis auf wenige Ausnahmen verschwunden. Denn der vorherrschende Eindruck im Ruhrgebiet ist inzwischen, dass das hier eine sehr grüne und freundliche Metropole ist. Und die Menschen arbeiten inzwischen im Dienstleistungsgewerbe und in kreativen Berufen. So ist der Himmel über dem Ruhrgebiet wieder blau. So hatte es Willy Brandt einst den Menschen versprochen.

Schon ist noch viel übrig aus der vergangenen Zeit, der Blütezeit der Montanindustrie. Zum Beispiel ist das Dortmunder Unionviertel im Westen der City noch weitgehend von den längst stillgelegten Betrieben der Dortmunder Union geprägt. Denn Union war nicht nur das Bier, wie man denken kann. Und man muss ja nur mal einen Blick auf das Dortmunder U werfen. Denn dort war die Brauerei  und ist jetzt ein chices Kreativcentrum mit Galerien, Cafes und den Filmen unter dem U ist. Schon ist aber die Erinnerung an die Vergangenheit gewahrt.

Tour de Ruhr – das Unionviertel in Dortmund

Also zur Firma Union gehörten auch Bergbau- und Hüttenbetriebe, wie man sich leicht selbst überzeugen kann. Dafür geht man einfach durch die zentrale Rheinische Straße des Unionviertels. Denn hier in der Rheinischen Straße ist auch die vor sich hinbröckelnde leerstehende ehemalige Verwaltung der Dortmunder Union. Und ringsumher stehen all die gigantisch-großen längst nicht mehr produzierenden Fabrikhallen der Stahlhütten. Und im Union-Gewerbehof am Fuss einer dieser Hallen arbeiten kleine Betriebe von Künstlern, Ingenieuren und Stadtplanern. Weiter gibt es hier ein kleines Gewächshaus. Und man erzählt mir sogar, dass noch mehr geplant ist. So ein Gewächshaus soll auch in der unweit größeren Halle aufgebaut werden.

Der Bochumer Verein mit der Jahrhunderthalle

Weiter ist der Bochumer Verein für Bochum das, was Krupp für Essen war und Union für Dortmund. Denn die Jahrhunderthalle im Bochumer Westpark ist wie das Dortmunder U ein Symbol für den gelungenen Strukturwandel im Ruhrgebiet. Und hier finden in und um die frühere Halle der Stahlhütte Veranstaltungen aller Art statt. So gucken wir uns hier mal das Fest der Kulturen an. Denn das findet an 2 Tagen auf mehreren Bühnen statt. Und vor allem ist es spannend an all den kleinen Ständen mit Essen, Schmuck, Kleidung, Angeboten für Kinder, die um die Halle aufgebaut sind. Denn hier kann man Kontakte zu Menschen und Kulturen aus aller Welt knüpfen.

Die Maschinenhausruine der Zeche Rudolph und ein Bergschaden in Essen

Und natürlich hat die Montanindustrie in all den Jahrhunderten im Ruhrgebiet fast unlöschbare Spuren hinterlassen. Schon ist ja Vieles weg. Dann an oft unvermuteten Stellen trifft man immer wieder auf Relikte etwa der Bergbauvergangenheit. So ist das z.B. im Oefter Wald im Essener Süden. Denn dort förderten etliche Kleinzechen Schätze der Erde. Und hier habe ich lange nach der als Geheimtipp geltenden Maschinenhausruine der Zeche Rudolph gesucht. Während einer dieser Suchen wäre ich fast in so einen Schacht einer anderen Zeche, der Zeche Jacke gefallen. Also Vorsicht! Denn an manchen Stellen ist das Ruhrgebiet ganz schön löchrig.

Das CentrO mit dem Gasometer in Oberhausen

Dann in der Stadt Oberhausen ist an der Stelle, wo die Gutehoffnungshütte war, ein riesiges Vergnügungs- und Einkaufszentrum entstanden. Und das ist das CentrO. Trotzdem finden sich besonders auch in dieser Stadt an vielen Stellen Spuren der das ganze Ruhrgebiet prägenden Montanindustrie. So ein Zechenförderturm in einem Schwimmbad ist ja vielleicht noch etwas albern. Und das soll halt den Umsatz des Betriebes heben. Dann aber ist z.B. das Gasometer wirklich kolossal beeindruckend. Und längst ist das ein überzeugender Ausstellungsort für spektakuläre Ausstellungen geworden. So war hier zuletzt die Christoausstellung. Weiter gibt es in Oberhausen die erste Stahlhütte St.Antony als Industriemuseum. Und ein wunderbares Industriemuseum ist auch in der alten Zinkfabrik am Hauptbahnhof.

Der Förderturm der Zeche Friedrich Thyssen 6 in Duisburg-Hamborn

Und Duisburg ist eigentlich fast die einzige der Ruhrgebietsgroßstädte, wo nach wie vor die Montanindustrie brummt wie früher. Denn hier arbeiten die gigantisch grossen Stahlhütten ThyssenKrupp im Norden und KruppMannesmann im Süden der Stadt. Und gleich 2 große Kraftwerken gibt es in Duisburg. Und diese Riesenwerke schneiden den Bewohnern zahlreicher Stadtbezirke über viele Kilometer den Zugang zum Rhein ab. Schon aber ist Duisburg eine sehenswerte Stadt. Und nur der Bergbau ist auch hier längst Vergangenheit. Inzwischen gibt es nur noch wenige Zeugnisse aus dieser Zeit. So ist der Förderturm von der Zeche Friedrich Thyssen 6 in Duisburg-Hamborn. Und bei dem Übermass an industriellen „Denkmälern“ in dieser Stadt ist vieles sicher Erhaltenswerte längst abgerissen worden. Zuletzt war das der markante Hochofen 4 der ThyssenKrupp-Hütte. Und der wurde berühmt durch Schimanskitatorte. Schon muss auch Platz für das Neue sein.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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