Vom Entenfang zu Haus Küchen in Mülheim

Waldsee Entenfang in Mülheim an der Ruhr
Waldsee Entenfang in Mülheim an der Ruhr

Die Broich-Speldorfer Gartensiedlung wurde angelegt, damit die Mülheimer Großindustriellen nicht alle nach jwd abwanderten, sondern wenn möglich mit ihren Familien in der Stadt blieben. Es gab aber nur 2 bekannte Industrielle, die dieses Angebot annahmen, nämlich Fritz Thyssen, der seine Villa auf die Großenbaumer Straße baute und der Stinneserbe Kommerzienrat Küchen mit seinem Haus Küchen auf dem Uhlenhorster Weg.

Was kann denn schliesslich der Entenfang für meine derzeitigen Probleme, denke ich mir, als ich dann spontan dorthin fahre, obwohl der schöne Waldsee auch in Mülheim an der Ruhr gelegen ist. So wie diese Mülheimer Firma, die mich doch heute am Sonntag zum Wachdienst zu einem Supermarkt in Duisburg schicken wollten. Die Lokführer streiken doch gerade; da komme ich doch gar nicht dorthin?

Vorbei an Villa Fritz Thyssen fahre ich zu Haus Küchen

Ausser eventuell mit dem Fahrrad, aber da bin ich ja Stunden unterwegs. Allmählich ordnen sich die Gedanken aber wieder. Was nicht geht, das geht eben nicht. Und eigentlich ist heute viel zu sehr goldenes Oktoberwetter für trübe Gedanken. Es ist richtig warm – wie im Sommer – und das gleichmäßige Radfahren durch den nicht enden wollenden Wald in Mülheim beruhigt die Nerven, so daß ich ganz erstaunt bin, nun bereits an der Villa Fritz Thyssen auf der Großenbaumer Straße vorbei zu fahren.

Ich bemerke schon, daß auch hier der Sturm „Ela“ stark gewütet hatte. Im parkähnlichen Garten der Villa Fritz Thyssen ist inzwischen die weiße marmorne Schönheit am Rand des Swimmingpools des Gartens deutlich zu erkennen. Ein paar vorher die Sicht verdeckende Bäume und Sträucher hatten vor dem Sturm den freien Blick darauf weitgehend genommen.

Die Broich-Speldorfer Gartenstadt

Von der Thyssenvilla sind es dann noch vielleicht 2 Kilometer bis zur Abzweigung, wo links der Uhlenhorster Weg abgeht. Plötzlich wirkt das hier nicht nur großstädtisch, sondern sogar wie in der Metropole RUHR. Die Straßen werden breiter und eine gelbe Straßenbahn fährt gerade auf dem Uhlenhorster Weg in Richtung Duisburg. Das ist hier immer noch die Broich-Speldorfer Gartenstadt, die angelegt wurde, damit die einheimischen Industriellenfamilien in der Stadt bleiben. Große prächtige Villen stehen nun auf beiden Seiten des Uhlenhorster Wegs und links ist auch die Feldhockeyarena des bekannten Mülheimer Hockeyclubs Uhlenhorst.

Wie so oft im Ruhrgebiet entsteht auch hier der Eindruck, daß das nicht nach Ruhrgebiet aussieht. Beinahe fahre ich an Haus Küchen vorbei. Residenz Uhlenhorst steht da ja auch und daß es sich dabei aber um die Villa des ehemaligen Kommerzienrates Küchen handelt, lese ich auf der vor dem Tor aufgestellten Infotafel der Route der Industriekultur.

Zuerst gehe ich gar nicht hinein, weil ich auf einem Schild auch etwas von einer Privatstraße lese, aber es kommen mir von da Radfahrer und Fußgänger entgegen und schliesslich bemerke ich die Information, daß hier ja auch ein öffentliches Restaurant ist.

Am Portal von Haus Küchen erinnert ein Reliefbild mit dem Bergbausymbol Schlägel und Eisen an den Bergbau in Mülheim an der Ruhr.

Die Villa ist wie ein Schloss, prächtig und von 2 marmornen Löwen mit aufgerissenen Mäulern bewacht. Das Bemerkenswerteste ist aber ein Reliefbild rechts neben dem Hauptportal, wo zentral das Bergbausymbol Schlägel und Eisen steht inmitten eines Kranzes und etwas verkitscht mit zwei Engelsfiguren. Dennoch ist es interessant, ausgerechnet hier an Mülheims längst untergegangene Bergbautradition erinnert zu werden. Sonst ist man in Mülheim warum auch immer sehr bemüht, nicht an die Bergbauvergangenheit der Stadt erinnert zu werden. Spuren danach sucht man in dieser Stadt fast vergeblich.

Auf dem Rückweg von Villa Haus Küchen mache ich Pause bei „Jackies Bike Treff“ am Entenfang und gönne mir ein KöPi. Hunderte von Radfahrern haben heute bei dem herrlichen Wetter die gleiche Idee.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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