Vom Gellenberg in Essen-Heidhausen in den Oefter Wald

Landgasthaus Oefter Wald

Einstmals waren in hügeliger, ländlicher Gegend im Süden von Essen zahlreiche steinkohlefördernde Kleinzechen aktiv. Denn die Montanindustrie brummte auch hier schon mächtig. Längst kann man sich das nicht mehr vorstellen in dieser idyllisch und urwüchsig wirkenden Landschaft. Dann ist es nur die abenteuerlich verfallende und versteckt im Wald liegende Maschinenhausruine der Zeche Rudolph, die noch von der längst vergangenen Industrialisierung der Gegend im Südwesten vom Ruhrgebiet zeugt. Und dass die Ruhr einstmals der am stärksten befahrenste Industriefluss Europas war, ist überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.

Immmerhin machen mich im Bus 190 nach Kettwig mitfahrende Fahrgäste noch durch Gesten darauf aufmerksam, dass der 190er in die Gegenrichtung zur Ruhrlandklinik auf der anderen Strassenseite abfährt. Dann aber fährt der mir nun gerade vor der Nase weg. Weil die Fußgängerampel so lange auf rot steht. Dann aber macht das nichts. Denn so kann ich noch am S-Bahnhofskiosk ein belegtes Brötchen essen und an der Ruhr den farbenprächtigen Sonnenaufgang über der Altstadt von Essen-Werden bewundern.

Wanderung in den Oefter Wald

Dann fährt der Bus durch den prächtig in hügeliger Landschaft gelegenen Essener Ortsteil Werden nach Essen-Heidhausen hinein. Also wenn ich wirklich einmal so eine von mir als inzwischen Ortskundigem geführte Tour zur Maschinenhausruine der Zeche Rudolph anbiete, werde ich die drittletzte Busstation „Geilinghausweg“ als Ausstiegsstation und Startpunkt der kleinen Wanderung empfehlen. Denn zwar hat man an der vorletzten Station „Tüschener Weg“ am Eingang zur Ruhrlandklinik den herrlichen Ausblick links über die hügelige Landschaft bis nach Velbert und Heiligenhaus, aber ich muss nun erstmal ein Stück wieder bergauf gehen auf den Gellenberg. Und von hier oben geht der Blick nach rechts sehr überraschend weit über dichtbewaldete Hügel und Täler bis nach Duisburg. Dann kann ich detaillliert  Hochöfen und Heizkessel der Kraftwerke und Hütten am Rhein erkennen.

Und diese Ausblicke habe ich nun aber auch, wo ich talabwärts den Hinweisschildern zur Landgaststätte „Oefter Wald“ folge. Also das ist eine wunderbare ländliche Gegend hier. Und die kleinen Bauernhöfe rechts und links der schmalen und kaum befahrenen Straße sind meist stilvoll aus Bruchsteinen von Ruhrsandstein gebaut. Weiter sind die weitläufigen Felder in dieser hügeligen Landschaft natürlich längst abgeerntet. Und es dauert noch ein paar Monate, bis die wieder bestellt werden.

Der Landgasthof „Oefter Wald“

Dann ist der Landgasthof „Oefter Wald“ ein altes efeuumranktes Haus am Waldrand und wirkt etwas märchenhaft. Und um die Uhrzeit ist er ja auch noch geschlossen. Dann vom Biergarten des Gasthofs aus führt ein schmaler Weg über eine Wiese ins Tal, wo der Oefter Bach entlangfliesst. Schon aber will ich ja diesmal von hier aus zur Maschinenhausruine der Zeche Rudolph finden. Dafür muss ich nur, sobald ich den Wald erreicht habe, ein Stück nach links auf einem deutlich erkennbaren ausgetretenen Pfad entlanggehen. Schon nach ein paar Metern erkenne ich die Silhouette der Ruine durch die winterlich entlaubten Bäume und Sträucher des Waldes. Also im Sommer hätte ich das nur schwer gefunden.

Die Maschinenhausruine der Zeche Rudolph

Und letzte Woche war ich von Kettwig aus kommend hierhingegangen. Dann waren diese weissen Warnschilder an allen vier Seiten des so wunderbar aussehenden verfallenen Gebäudes noch nicht angebracht. Also der Eigentümer warnt vor der Einsturzgefahr der Ruine und verbietet das Betreten des Gebäudeinneren. Und dem kann ich nur zustimmen. Denn man muss ja auch gar nicht in das so abenteuerlich verfallend aussehende Gebäude hineingehen. Schon von aussen hat man ja großartige Ein- und Durchblicke.

Der Oefter Bach, Schloss Oefte, die Ruhr in Essen-Kettwig

Dann habe ich keine Lust mehr, wieder bergauf nach Heidhausen zurückzugehen und gehe nun durch den Wald hinunter zum idyllisch im Tal entlangfliessenden Oefter Bach. Weiter geht es dann auf der anderen Seite des Tales vorbei am Golfplatz wieder hoch bis Schloss Oefte. Und vor Schloss Oefte führt die stark befahrene Laupendahler Strasse rechts nach Werden und links nach Kettwig entlang. Dann dahinter fliesst nach einem schmalen Stück Wald die Ruhr in mehreren Ruhrarmen Richtung Duisburg-Ruhrort. So gibt es hier kleine mit Bäumen bewachsene Inseln in der Ruhr und  diese ganze Landschaft hier wirkt urzeitmässig und sich selbst überlassen.

Schon gar nicht mehr ist vorstellbar, dass dieser  Fluss einmal der starkbefahrenste Industriefluss Europas war. Dann gehe ich über schmale Trampelpfade auf etwas morastigem Waldboden zwischen der Laupendahler Straße und der Ruhr in Richtung S-Bahnhof Kettwig Stausee. So ganz ohne Schiffsverkehr ist der Fluss völlig unbewegt und ruhig. Denn noch nicht einmal ein Ruderboot ist im Moment auf dem Wasser. Und nur ein Vater mit seinem Sohn sitzen ganz entspannt mit Angeln am Ufer der Ruhr und warten, dass ein Fisch anbeisst.

2 Links auf weiterführende Informationen:

https://gesunex.de/zeche-rudolph-im-oefter-wald-in-essen/2294

https://gesunex.de/ruine-des-maschinenhauses-der-zeche-rudolph-essen/5495

Einfach auf eins der Vorschaubilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

4 KOMMENTARE

  1. War heute am Maschinenhaus. Es ist leider inzwischen von einem hässlichen 2m hohen stabilen Drahtzaun umgeben. Keinen Chance mehr, dort hinein zu gelangen. Schade!

    • Der Zaun ist schon länger da, seit über einem Jahr. Eigentlich finde ich den nicht weiter störend, weil man kann ja trotzdem in die Ruine hineingucken; blöd finde ich bloss, daß der immer wieder zerstört wird und inzwischen auch mit Graffitis besprüht wird.

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