Von der Hofermühle in Heiligenhaus zur Schinderhanneshöhle

Im Talgrund ist der Steinbruch an der Hofermühle in Heiligenhaus bereits mit Wasser vollgelaufen
Im Talgrund ist der Steinbruch an der Hofermühle in Heiligenhaus bereits mit Wasser vollgelaufen
von Ernst Käbisch

In der kleinen Nachbarstadt von Ratingen, Heiligenhaus, war bergbaumässig richtig viel los. Außer der Bleigrube THALBURG gab es hier auch Schächte der Grube EISENBERG in Velbert. Und sogar an der Hofermühle, im Angertal an der Stadtgrenze zu Ratingen, wurde Bergbau betrieben. Hier waren zahlreiche Kalksteinbrüche, die zum Teil inzwischen zu Seen vollgelaufen sind. Im Stadtwald in Duisburg sehe ich erst bei meinem heute dritten Besuch dort unweit eines Steinbruchs die Schinderhanneshöhle, wo einst erfolglos nach Kohle gegraben wurde.

Kurz bevor von der Meiersberger Straße die Straße links hinab zur Hofermühle führt, geht rechts die Straße nach Mettmann ab. Da Andre die ehemalige Zeche BENTHAUSEN in Mettmann-Metzkausen noch nicht kennt, zeige ich ihm das, was ich mir da vor kurzem von den Zechenrelikten der alten Bleizeche angeguckt hatte. Die bis zur Unkenntlichkeit modernisierten Beamtenhäuser der Zeche direkt an der Homberger Straße, die umzäunte verwilderte Schachtanlage mit ehemaligem Hauptschacht und Nebenschacht daneben und das imposante ehemalige Wohnhaus der Bergleute mit dem erhalten gebliebenen Stück Zechenmauer davor. Wir fahren auch in die Straße Benthausen hinein bis zum Gut Benthausen. Aber dieses interessante Erdloch neben dem Bauernhof, was ich für ein Bergbaurelikt halte, ist jetzt völlig zugewachsen und nicht zu sehen.

Ein ehemaliger Steinbruch an der Hofermühle in Heiligenhaus

Endlich passt es bei uns mal zeitmäßig zu so einer gemeinsamen Bergbautour, nachdem wir uns zuletzt oft in Mails über unser gemeinsames Interesse am ehemaligen Bergbau in der Region ausgetauscht hatten. Die Zeche BENTHAUSEN verlassen wir über schmale Landwege an stilvollen uralten Bauernhäusern mit auf der Straße herumlaufenden Hühnern vorbei. Wir fahren nun zur Hofermühle in Heiligenhaus. Und hier sehen wir uns ein umzäuntes ehemaliges Kalksteinbruchgelände an. An einigen Stellen ist der Zaun aber unterbrochen und man kann durchgehen auf das urwüchsig wirkende Gelände. Das ist aber doch noch recht gepflegt und wirkt nur auf den ersten Blick völlig verwildert. Zum Beispiel ist die Wiese im Tal kürzlich gemäht worden. Ringsum sind schroffe bewaldete Felsklippen und an mehreren Stellen im weitläufigen Tal sind Kalksteine aufgestapelt. Urige Gebäudereste in alter Bruchsteinbauweise zeugen davon, daß hier einmal professionell Kalkstein gebrochen wurde.

Bergbau an der Hofermühle?

Das Gelände ähnelt etwas den Kalksteinbrüchen in Wülfrath oder auch in Ratingen. Nur ist es hier völlig menschenleer ausser uns. Dafür ist in heute sommerlicher Hitze hier viel Viehzeug wie Mücken und Bremsen; von etlichen dieser Viecher werden wir gestochen, man kann nur hoffen, daß einen wenigstens Zecken verschonen. Aber das ist alles noch zu ertragen, weil es spannend ist, sich hier diese sehr interessanten Relikte aus jahrhundertealtem Kalksteintagebau anzugucken und dann auch Ausschau zu halten nach einem Bergbaustollen, der irgendwo hier in die schroffen Felsen getrieben wurde.

Auch an der Hofermühle wurde wie an so zahlreichen Orten in der Region Bergbau betrieben, das ist bekannt und eine Tatsache, aber es gibt vergleichsweise wenig Informationen dazu. Es ist heute aber viel zu lästig, bei dem zugewachsenen Gelände sich detailliert hier umzugucken. Aber es leuchtet ein, daß genau hier in diesem ehemaligen Steinbruch tatsächlich irgendwo ein Stollen in den Felsen getrieben wurde. Man muss halt noch einmal hierhin, vielleicht mal im Winter mit deutlich weniger Vegetation und keinen Mücken und Bremsen.

Von der Hofermühle fahren wir nach Duisburg zur Schinderhanneshöhle

Komfortabel wie ich mich heute bei Andre im Auto fortbewegen kann fahren wir über Landstraßen in Heiligenhaus und Essen-Kettwig vorbei an der ehemaligen Selbecker Grube NEU-DIEPENBROCK 3 und durch den Uhlenhorst in Mülheim dann noch nach Duisburg, wo ich jetzt endlich die wahre Schinderhanneshöhle sehen kann. Die ist nämlich nicht direkt an dem Steinbruchsee im Stadtwald Duisburg wie ich zuletzt dachte, sondern etwa 50 Meter weit davon entfernt im Stadtwald. Da hätte ich lange nach suchen können. Aber diese Stelle in einer Senke sieht jetzt haargenau so aus wie die Fotos von der Schinderhanneshöhle, die ich im Internet gesehen habe.

Die Schinderhanneshöhle in Duisburg

Der gebürtige Duisburger Andre kennt die Höhle noch aus seiner Kindheit. Hier also wurde nach Kohle probegebohrt und da man hier keine Kohle fand, gab es im ganzen Duisburger Süden keine Steinkohlezechen. Der Eingang zur Höhle ist fast vollständig mit Geröll zugeschüttet; das ist aber wohl mit Absicht vom zuständigen Förster so gemacht, denn ein offener Stollen im Wald ist natürlich eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Andererseits ist es natürlich schade, daß ein so geschichtsträchtiges Relikt aus der Bergbauzeit in kürzester Zeit völlig verschwunden sein wird. Man könnte vielleicht wenigstens eine Infotafel aufstellen, aber dann müsste man das Areal wohl umzäunen, damit nicht irgendwelche Idioten hier den Rest des jetzt noch gerade so sichtbaren Höhleneingangs zerstören. In jedem Fall ist es schade, wenn so ein industriegeschichtlich interessanter Platz völlig in Vergessenheit geraten wird.

Hier ist ein Link auf eine Reportage, wo der ehemalige Bergbau in Heiligenhaus immerhin erwaehnt ist – und Bilder von Stolleneingaengen eventuell auch zu Bergbaustollen – gezeigt werden.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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