Von der Zeche Prinz Friedrich zur Zeche Carl Funke

Von der Zeche Prinz Friedrich zur Zeche Carl Funke: Sutanüberschiebung
Von der Zeche Prinz Friedrich zur Zeche Carl Funke: Sutanüberschiebung

von Ernst Käbisch

Auf der Nordseite vom Baldeneysee gibt es noch ein mir völlig unbekanntes Stück. Und das führt mich von der Eisenbahnbrücke der Ruhrtalbahn ganz im Südosten des großen Ruhrstausees durch ein Vogelschutzgebiet. So gehe ich nun an der Ruhraue am Heisinger Bogen entlang bis zum Fährhaus der Lanfermannfähre. Von hier ist es nicht weit bis zur Zechensiedlung der Zeche Carl Funke in der Carl-Funke-Straße.

Wie schon an den letzten Sonntagvormittagen fahre ich wieder an den Baldeneysee. Ein weiteres Mal muss ich dazu mit der S-Bahn quer durch Essen, um mit Umsteigen am Hauptbahnhof bis nach Essen-Kupferdreh zu kommen. Und an der Kupferdreher Straße im Zentrum von Kupferdreh gucke ich da, wo die Straße den aus Velbert fließenden Deilbach tangiert, nach einem Stollenmundloch.

Denn entweder hier oder auf dem Zechengelände von der Zeche Prinz Friedrich war oder ist noch? das Stollenmundloch von der Zeche Prinz Friedrich Stolln. So eindeutig ist das auf sonst oft sehr genauen Karten im Internet nicht vermerkt. Offenbar ist dieser Stollen der Vorgängerzeche der Zeche Prinz Friedrich schon sehr in Vergessenheit geraten.

Zeche Prinz Friedrich wurde Zeche Carl Funke 3

Also, wie fast erwartet, finde ich hier kein Stollenmundloch auch nicht bei der ehemaligen Zeche Prinz Friedrich. Später wurde das die Schachtanlage 3 von der Zeche Carl Funke. Ein bisschen Zechenatmosphäre ist hier noch in einem längst wieder modernen Gewerbegebiet zu spüren. Immerhin sind die Waschkaue und Verwaltungsgebäude der Zeche noch erhalten. Aber schon sind die aus roten Backsteinen gebauten Zechenrelikte völlig umgebaut. Und sie sind den Zwecken der neuen Firmen in diesem Gewerbegebiet Prinz Friedrich angepasst. Dann vor der Waschkaue steht eine alte Lore. Immerhin gibt es hier überhaupt noch Relikte des Bergbaus. Denn das ist ganz im Gegensatz zur Schachtanlage 4 an der Stadtgrenze zu Hattingen, wo ja nichts mehr an Spuren zu finden ist.

Außerdem gab es noch als Schachtanlage 5 von Carl Funke die Zeche Altendorf Tiefbau in Essen-Burgaltendorf und in Hattingen. Dort sind noch viele Zechenrelikte zu finden. So ist da unweit der Ruhr ein restauriertes uraltes Stollenmundloch zu bewundern. Weiter ist schon eine inzwischen schwer entzifferbare Infotafel einer Schachtabdeckung von Schacht Willm auf einem verwilderten Zechengelände fast unten noch vor dem Tal am Steinkohlenplatz. Und am Steinkohlenplatz schon in Hattingen sind große und imposante, ehemalige Zechengebäude bewohnt. Dann wurde sogar eine Bochumer Zeche, nämlich die Zeche Dahlhauser Tiefbau als Schachtanlage 6 noch Teil der Heisinger Großzeche Carl Funke.

Zu Fuß zu Schacht 1 und 2 der Zeche Carl Funke

Teich im Heisinger Bogen
Teich im Heisinger Bogen

So gehe ich jetzt also über die alte Eisenbahnbrücke der Ruhrtalbahn zu den Schachtanlagen 1 und 2 der Zeche in Heisingen. Und da komme ich durch eine reizvolle Landschaft mit kleinen schwarzen Weihern auf der rechten Seite. Und links ist eine Sumpflandschaft in der fast wie ein Urwald wirkenden Ruhraue am Heisinger Bogen. Das ist hier ein Vogelschutzgebiet und ich sehe und höre auch viele Vögel wie Fischreiher, Schwäne, Gänse, Enten. Aber auch Fische, Quappen und andere Wassertiere fühlen sich im See und den kleinen Teichen offenbar wohl.

Vogelschutzgebiet im Heisinger Bogen
Vogelschutzgebiet im Heisinger Bogen

Ein Restaurant ist in dem alten Fährhaus der Lanfermannfähre. Und die Carl-Funke-Straße führt nun mit stilvollen Zechenwohnhäusern etwas bergauf zu den Schächten 1 und 2 der Zeche Carl Funke. Zwar habe ich mich hier schon mehrmals umgeguckt. Aber bei manchem der hier um den Förderturm von Schacht 1 herum so vielfältigen Bergbaurelikte kann ich mich einfach nicht sattsehen und immer wieder fallen mir neue Details auf. So ist oberhalb des geschwungenen Backsteinmauerrests, der vermutlich das Stollenmundloch der Zeche Hundsnocken darstellt, auch eine gemauerte Wand aus Ruhrsandstein. Vielleicht ist ja auch das der Eingang zum Stollen? Viele Rätsel bleiben offen bis zum nächsten Mal. Oder auch für immer.

Stollenmundloch der Zeche Heisinger Tiefbau und Sutanüberschiebung

Zechensiedlung Carl Funke
Zechensiedlung Carl Funke

Und an dem Stollenmundloch der Zeche Heisinger Tiefbau bzw. am auch so genannten Carl-Funke-Stollen hat jemand rumgekratzt und versucht, durch ein Loch einen Blick ins Innere des Stollens zu erhaschen. Vergeblich – die zubetonierte Wand hat standgehalten und gibt die Geheimnisse des Stollens nicht preis. Dafür sieht die sogenannte Sutanüberschiebung daneben heute bei völlig anderen Lichtverhältnissen wie neulich ganz anders aus. Farbenprächtig sind die gefalteten Steinschichten, wo zwischendurch dunklere Stellen sind, die ich als Kohle vermute. Von gelb wie Schwefel? über feuerrot von Eisenhaltigem bis hin zu Ocker- und Blau- und Grüntönen verlaufen Farben eigentlich des gesamten Farbspektrums über dem so bizarr wirkenden Felsen.

Also vermute ich doch, in so einem Stollen zumal direkt neben der Sutanüberschiebung wird es ebenso faszinierend aussehen, nur halt etwas dunkler.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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