Wir sind die Moorsoldaten – die Emslandlager

Gedenkstätte des eh. KZ Börgermoor, wo das Lied der Moorsoldaten entstand.
Gedenkstätte des eh. KZ Börgermoor, wo das Lied der Moorsoldaten entstand.

von Ernst Käbisch

So weit außerhalb meiner Vorstellungskraft ist das Thema der Emslandlager für mich plötzlich nicht mehr. Denn das ehemalige KZ Börgermoor, wo das Lied „Wir sind die Moorsoldaten“ entstand, ist unweit von da, wo ich vor 40 Jahren mal in den Ferien war. Aber zu der Zeit war der 2.Weltkrieg und damit das Thema Konzentrationslager gerade erst etwas über 20 Jahre zu Ende.

Also mich beschäftigt das Thema der Emslandlager aus einem ganz privaten Grund. Denn als ich das letzte Mal im Emsland war, wusste ich davon noch gar nicht. Aber das berühmte Moorsoldatenlied entstand ja genau hier im KZ Börgermoor. Und das war nur etwa 3 Kilometer entfernt vom Bauernhof meiner Verwandten. So muss ich den Ort sehen, wo ich jetzt mal wieder hier bin.

Immerhin ist es so, dass seit meinem letzten Besuch in dieser abgelegenen Gegend bei Papenburg mindestens 40 Jahre vergangen sind. Also da war das Ende des Weltkriegs und die Schließung des Lagers gerade mal 25 Jahre oder weniger her. Immerhin ist das mal eine Eselsbrücke. So kann ich mir klarmachen, dass das Grauen ganz real und ganz nah war und keine Fiktion. Und man muss ja auch immer wieder daran erinnern.

Denn ich habe doch deutliche Erinnerungen an zwei unbeschwerte lange Ferien auf dem Bauernhof meiner Verwandten als Kind. Und ich erinnere mich an weitere kürzere Aufenthalte. Das muss noch in den 60er Jahren gewesen sein. Zu der Zeit waren die 15 Emslandlager gerade mal 20 Jahre aufgelöst.

Ferien im Ort, wo auch die Moorsoldaten lebten

Wir sind die Moorsoldaten
Wir sind die Moorsoldaten

Schon erinnere ich mich, dass ich zuerst gar nicht über mehrwöchige Ferien in dem ziemlich fremden Börgermoor begeistert war. Denn meine Eltern fuhren stattdessen auf Safari nach Afrika. Und ich musste Kühen beim Gemolkenwerden und Schweinen, wenn sie gefüttert wurden, zugucken. Aber schnell schlug meine Enttäuschung in Begeisterung um. So habe ich es zumindest heute in Erinnerung.

Denn für ein Stadtkind sind es schon ungewohnte Erfahrungen, von und mit der Natur zu leben. So gewöhnt man sich auch an die Brutalität der Natur. Denn z.B. ist mir unvergesslich, als mein Cousin die Ente für den Sonntagsbraten auf dem Hof mit dem Hackebeil köpfte. Und das tote Federvieh flog noch kopflos über den Hof.

Dass unweit von hier und das vor gar nicht langer Zeit im KZ Menschen andere Menschen barbarisch quälten und töteten, kam mir als Kind nicht in den Sinn. Stattdessen freundete ich mich mit Kindern aus der Torfarbeitersiedlung von Börgermoor an. Und ich spielte mit denen in ihren kleinen Häusern mit den großen Gärten, wo zum Teil auch wie bei meinem Cousin Felder waren und Tiere gehalten wurden. Aber diese Gärten waren nicht so groß wie die Ländereien meines Cousins.

Denn er war der einzige aus der Siedlung, der nicht im Moor als Torfstecher arbeitete, sondern als Bauer. Und ich fand Gefallen daran, beim Cousin auf dem mit Erntegut beladenen Treckeranhänger zu sitzen oder gar selber mal Trecker zu fahren. Dann waren die vielen Tiere auf dem Hof etwas, woran ich richtig Gefallen fand. Und besonders die neugeborenen Ferkel fand ich immer klasse und guckte Ihnen beim Spielen zu oder wenn sie von der Mutter gesäugt wurden.

Mehrere KZ-Gedenkstätten erinnern an die Emslandlager und die Moorsoldaten

KZ-Friedhof Bockhorst/Esterwegen der Emslandlager
KZ-Friedhof Bockhorst/Esterwegen der Emslandlager

Zu Fuß sind es vom Hof ca. 3 Kilometer bis zur neu angelegten Gedenkstätte für das Lager Börgermoor, wo ich am eindrucksvollsten das großformatige Foto der KZ-Baracken finde. Dann sind Berge von altem Baumaterial z.B. Backsteinen auf dem umzäunten Gelände einer Gärtnerei bzw. dem ehemaligen KZ-Gelände. Daher vermute ich, dass da vielleicht doch noch die eine oder andere Baracke wieder nachgebildet wird. Weiter gibt es im Nachbarort Esterwegen eine Gedenkstätte an das KZ Esterwegen.

Und ich gucke mir mit dem Sohn meines Cousins noch den KZ-Friedhof Bockhorst/Esterwegen an, wo die zahlreichen Opfer der Emslandlager in durchnummerierten Gräbern begraben wurden. Also dieser Ort ist schauriger und noch wesentlich eindrucksvoller als der Gedenkort ans KZ Börgermoor. Und nur an manchen Gräbern sind Namensschilder. So bekommt das anonyme Grauen auch Namen. Meist sind es russische Namen, aber auch luxemburgische und belgische Namen lese ich. Und meistens waren die verstorbenen Häftlinge noch ganz jung. Dann gibt es hier auch eine Gedenktafel an den berühmtesten Häftling der Emslandlager, nämlich den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky. Denn von Ossietzky war Häftling vom KZ Esterwegen. Und auch er starb noch jung an den Folgen seiner KZ-Haft.

Lore zur Erinnerung an den beendeten Torfabbau in Börgermoor
Lore zur Erinnerung an den beendeten Torfabbau in Börgermoor

Das Ende des Torfabbaus in Börgermoor

An den 1986 beendeten Torfabbau in Börgermoor erinnere ich mich noch ganz genau. Daran wird am Eingang der Siedlung durch eine Lore mit Torf auf einer Schiene erinnert. Und das ist ähnlich wie im Ruhrgebiet bei einer stillgelegten Zeche. So sind die Schienenreste, die sich Karlheinz nach dem Abriss der Torfbahn mitnehmen durfte und noch zum Teil auf dem Hof lagert, wie Bergbaurelikte einer alten Zeche. Aber anders als im Ruhrgebiet wird in der Region weiter Torf abgebaut. Und die Torfstecher müssen jetzt nur ein bisschen weiter fahren in ein anderes Torfabbaugebiet. Oder sie arbeiten bei der Werft in Papenburg.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

 

1 KOMMENTAR

  1. Auch Ich habe als Kind vor etwa 35 Jahren und später die Ferien dort in Surwold im Eichengrund bei meinen Verwandten auf dem Bauernhof verbracht.
    Dass dort ein KZ war habe ich heute erst erfahren.

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