Wo die Neanderthaler wohnen

Nur an wenigen Orten in Mettmann sehe ich solche buntbemalten Neanderthaler.
Nur an wenigen Orten in Mettmann sehe ich solche buntbemalten Neanderthaler.
von Ernst Käbisch

So wie die Esel in Wesel und die Füchse in Ennepetal und die Elefanten in Hamm, so prägen die Neanderthaler das Stadtbild der kleinen Kreisstadt Mettmann im Bergischen Land. So ist es aber wohl nur geplant. Obwohl die Stadt Mettmann wegen ihrem Ortsteil Neandertal, dem Fundort der Steinzeitmenschen, auf ihren Ortsschildern offiziell den Zusatz „die Neanderthalstadt“ verwenden darf, machen doch bisher nur wenig Institutionen und private Firmen Gebrauch von dem Steinzeitmenschen. Obwohl der eigentlich doch ein idealer Werbeträger wäre.

Sowohl der englischsprechende „Kollege“ als auch der Busfahrer gucken mich interessiert an, als ich auf die Frage des Engländers, wo denn die Neanderthalhalle ist, sage, daß ich da auch hin muss. Und in etwa weiss ich ja, wo das ist. Und der Busfahrer sagt, dann kann er demnächst antworten, wenn er danach gefragt wird. Dafür hab doch auch nur in Google Maps geguckt?

Und wie ich gedacht hatte, ist diese kleine grell grüngestrichene Halle unweit des zentralen Jubiläumsplatzes in Mettmann. Dann etwa 5 Minuten sind es dahin zu Fuß zu gehen. Und das kann man doch auch gar nicht verfehlen in so einem kleinen Ort, der aber immerhin als Kreisstadt der „Chef“ von dem viel größeren Ort Ratingen ist.

Die Neanderthalhalle ist geschmückt mit dem Logo von einem Neanderthaler

Und da die Mettmanner wie die Düsseldorfer oder die Berliner als übergeordnete Hauptstädter gelegentlich mit Anweisungen kommen, denen man folgen muss, macht sich nun die Hälfte der Leute wie ich aus dem Bus auf in Richtung Neanderthalhalle. Schon kenne ich solche Veranstaltungen, die sich Bildungsmessen nennen. Und das beeindruckt mich weiter nicht. Dann als die Dame am Eingang zu mir sagt: „Der Nächste bitte!“ und den Vermerk in der Liste macht, daß ich anwesend bin, habe ich mein Soll eigentlich schon erfüllt.

Und nur aus Höflichkeit gucke ich mich noch ein wenig um und sehe z.B. diesen Stand von der „Schule“, wo ich auch schon mal war. Ein halbes Jahr habe ich da aus Stahl irgendwelche Dinge gefeilt, gesägt, gebohrt und geschraubt. Es ist nicht so, daß das keinen Spaß gemacht hätte, nur Perspektive hatte das nicht, jedenfalls nicht für mich. Und ich treffe sogar den Eduard, den man wie mich seinerzeit in diese Schlosserei verdonnert hatte. Er als studierter Architekt aus Moskau fand es unter seiner Würde, solche einfachen Metallarbeiten zu verrichten und hatte es ein halbes Jahr durchziehen können, nur alle halbe Stunde mal seine Feile kurz zu benutzen. Wir hatten aber viel Spaß in der Zeit und er hat mir viel über Russland erzählt.

Nur wenige Firmen nutzen den Neanderthaler als Werbeträger

Bis der Bus fährt, habe ich noch etwas Zeit. Ich will mal gucken, ob ich nicht noch mehr Neanderthaler finde hier in der Innenstadt. Aber bisher ist das noch nicht so doll, wie die Mettmanner so ein werbetechnisch hervorragendes Symbol zur größeren Werbewirksamkeit ihrer Geschäfte oder Institutionen nutzen. Schade eigentlich, die müssten sich mal in Wesel umgucken – oder in Ennepetal – oder in Hamm. Dort wissen die Menschen ein solches überregional, ja allgemein bekanntes Symbol zur Eigenwerbung ihrer Firmen, Institutionen oder Vereine einzusetzen.

Ansonsten gibt es in Mettmann viele alte Fachwerkhäuser und schieferverkleidete Häuser in einer kleinen Altstadt mit zwei Kirchen. Die größere Kirche ist die katholische St.Lambertuskirche, wo noch immer Weihnachtsbäume und die Krippe stehen und die kleinere ist die evangelische, die wie protestantische Kirchen meistens viel spartanischer eingerichtet ist.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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