Wo war die AMALIENGRUBE in Ratingen-Cromford?

Das ist nicht die AMALIENGRUBE, sondern ein uralter Kalkbrennofen
Das ist nicht die AMALIENGRUBE, sondern ein uralter Kalkbrennofen
von Ernst Käbisch

Seit ein paar Jahren sind mir immerhin die Lintorfer Erzzechen, die zum Teil auf Ratinger Gebiet sind, ein Begriff. Und ich habe eventuell einen Stolleneingang eines Stollens der einstigen Bleizeche von der Heiligenhauser Hofer Mühle auf Ratingen-Höseler Gebiet unweit von Haus Anger entdeckt. Aber sogar in der Kernstadt Ratingen gab es einst Bergbau, nämlich immerhin einen Versuchsschacht der Selbecker Erzbergwerke in Cromford. Das war also irgendwo bei den ehemaligen Kalksteinbrüchen am Blauen See.

Mit den ehemaligen Bleigruben im Niederbergischen Land in Velbert, Heiligenhaus, Mettmann und Wülfrath habe ich mich zuletzt viel beschäftigt. Es sind nur noch wenige Spuren der alten Bergwerke auffindbar, was nicht verwundern kann. Weil diese Gruben alle zum Anfang des 20ten Jahrhunderts ihre Fördertätigkeit einstellten, also vor über 100 Jahren.

Die AMALIENGRUBE und die Gruben im niederbergischen Land

Immerhin gibt es von der Grube JOSEFINE in Velbert eine kleine nur ca. 3 Meter hohe bewaldete Halde mitten auf einem bestellten Acker. Dieses Relikt des Velberter Bergbaus ist ein eindrucksvolles Bild. Es gibt Straßennamen wie Zechenweg und Bleiwäsche in Wülfrath, dann die Straßen Grubenstraße, Fortunastraße, Maikammer, Talburgstraße, Bleibergstraße…All diese Strassennamen beziehen sich auf den einstigen Bergbau und Zechen- bzw. korrekt bei Erzzechen ja Grubennamen wie FORTUNA, MAIKAMMER, THALBURG…. Zur Erzgrube THALBURG existiert immerhin eine Infotafel auf dem Panoramaradweg in Heiligenhaus. Von einigen der alten Bleigruben sind sogar meist aber bis zur Unkenntlichkeit umgebaute Zechengebäude erhalten geblieben. Darunter ist das so erstaunlich gut erhaltene Förderturmmaschinenhaus und ein Verwaltungsgebäude der Grube EISENBERG in Velbert-Birth, wo man noch auf alten Fotos diese Gebäude im vollen Zechenbetrieb ausmachen kann.

War die AMALIENGRUBE am blauen See?

Etwas haben viele dieser Gruben gemeinsam. Sie sind nämlich meist unweit von den in der Region auch zahlreichen ehemaligen Steinbrüchen, wo einst Kalkstein aus Millionen Jahre alten Korallenriffen der einmal bis hier sich erstreckenden Nordsee gebrochen wurde. Viele dieser Steinbrüche sind nun mit Wasser vollgelaufen und „normale“ Seen geworden. Einige der Gruben sind auch inzwischen abgesoffen z.b. die Grube REGINA mitten im Wülfrather Steinbruchsee Prangenhaus. Und beim legendären Schacht Drucht der Lintorfer Erzzechen im Druchter Wald vermutet man ja auch, daß der genau dort war, wo der „Bleiweiher“ an der Bissingheimer Straße in Duisburg-Rahm ist; auch das ist ja ein ehemaliger Kalksteinbruch und direkt an der Straße waren einmal 2 Kalkbrennöfen tätig.

Die AMALIENGRUBE als Probeschacht der (Mülheim-)Selbecker Erzzechen

So ist nachvollziehbar, daß bei den eindrucksvollen Steinbruchseen Blauer See und graues Loch in Ratingen vermutlich die AMALIENGRUBE der (Mülheim-)Selbecker Erzzechen als Probeschacht abgeteuft wurde und der Betrieb allerdings nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden musste, weil hier nur Bleiglanz und etwas Kupferkies gefunden wurde. Das war zuwenig, um die Erlaubnis für eine dauerhafte Fördertätigkeit zu bekommen. So kann man es in spärlichsten Infos im Internet lesen.

Ein Sommerferientag am blauen See

An einem Sommerferientag machen Tim und ich mal wieder im Gebiet des Blauen Sees um die zahlreichen Relikte der ehemaligen Ratinger Kalkwerke einen Ausflug und lösen einige der Gutscheine aus dem Ferienpassheft der Stadt Ratingen ein. Wir können Minigolfspielen und eine Person hat das gratis, ebenso gehen wir zum Preis für eine Person in den Märchenzoo, um zu gucken, ob der Wiederaufbau nach dem katastrophalen Kahlschlag vom letztjährigen Sturm „Ela“ im Wald weiter vorangeht.

Tim versucht einmal auf einem Squad zu fahren, lenkt die schwere Maschine aber in einen Graben, worauf wir einen weiteren Versuch unterlassen und ohne Bezahlung gehen. Ich war da eh schon verärgert, weil auf dem Gutschein hieß es, eine Baggerfahrt oder eine Squadfahrt sei umsonst. Der Mann sagt aber, 5 Runden Squadfahrt müssen wir kaufen, dann erst ist eine Runde umsonst. Und wir gucken wie immer hier am Ufer vom Blauen See nach Kristallen, hübsche Quarzsteine, in denen sich das Licht bricht, und ich gucke – natürlich vergeblich – ob ich hier irgendwo Anzeichen der einstigen Amaliengrube finde. Daß diese Grube irgendwo hier in Cromford unweit der stilvollen Arbeitersiedlungen der einstigen Textilfabrik (die erste Fabrik auf dem Kontinent) am Blauen See oder vielleicht auch am grauen Loch war, steht für mich aber außer Frage.

Ein Link

Kurz nach der Veroeffentlichung dieses Textes schickt mir Andre aus Ratingen-Lintorf 2 Links zum Thema, darunter einen interessanten Film auf youtube, wo ein Tauchgang im Blauen See gezeigt wird. Spannend ist da zu sehen, wie ein alter Stollen entdeckt wird, der aus dem Bergbau stammen koennte und also die genannte AMALIENGRUBE sein kann. Vielleicht ist dieser Stollen aber auch so wie der Zeittunnel Wülfrath ein Relikt aus dem einstigen Kalksteintagebau. Aus rechtlichen Gruenden verlinken wir hier diesen kleinen Film nicht. Er kann aber leicht auf youtube gefunden werden. Hier ist noch ein Zeitungsartikel zu den Schaetzen im Blauen See.

 

 

Ein paar Fotos habe ich bei unserem Ausflug auch gemacht; einfach draufklicken:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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