Zeche Brassert in Marl

ehemalige Markenkontrolle der Zeche Brassert
ehemalige Markenkontrolle der Zeche Brassert
von Ernst Käbisch

Schon in 2 Monaten wird das Bergwerk Auguste Victoria als vorletztes Steinkohlebergwerk im Ruhrgebiet geschlossen. So fahre ich mal nach Marl. Denn vielleicht ist ja etwas über die Befindlichkeit der Menschen hier zu erfahren. So ist es doch sicher ein einschneidendes Ereignis im Arbeitsleben in ihrer Stadt. Und als Ziel meines Ausflugs habe ich mir die bereits 1972 geschlossene Zeche Brassert ausgesucht. Und eigentlich habe ich gar nicht erwartet, noch viele Relikte davon zu finden.

Endlich mal ist die Gelegenheit, nach Marl zur Zeche Brassert zu fahren. So mache ich das im Anschluß an meinen Besuch der Zechensiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck. Denn dort habe ich ja erstaunt festgestellt hatte, daß das keine Geistersiedlung mehr ist. Weil der Investor hat schon Fenster und Dächer in die ersten so renovierungsbedürftigen Häuser eingebaut. Wahrscheinlich wird diese eigentlich wunderbare Siedlung doch noch gerettet. Denn durch jahrzehntelange Leerstand war sie arg heruntergekommen.

Brassertstraße als Spur der Zeche Brassert

Dann von Gladbeck-Zweckel gehe ich zu Fuß bis zum Bahnhof Gladbeck-West. Weiter fahre ich dann mit der S-Bahn bis Marl-Mitte. Und hier habe ich nun eigentlich nur ein Stück um das Einkaufszentrum Marler Stern mit dem Rathaus und den großen Wohnneubauten der 60er Jahre herum zu gehen. Dann bin ich schon in der Brassertstraße. Und der Straßenname ist jetzt nur die erste Spur dieser weiteren Zeche in Marl. Außerdem ist hier in Marl ja die Ende dieses Jahres schliessenden Zeche Auguste Victoria.

Dann ist es schon so, daß das Viertel um den Marktplatz Brassert herum ganz wie eine Zechensiedlung aussieht mit stilvollen Wohnhäusern für die ehemaligen Bergleute. Und darunter sind prächtige Villen, wo die besser gestellten Steiger gewohnt haben. Dann sind rechts von mir rote Backsteinbauten, wo ich sofort denke, das sieht typisch aus wie die Markenkontrolle einer Zeche. Und tatsächlich hat eine Künstlergruppe diese Zechenrelikte prächtig saniert. Dann auf einem Schild am Werkseingang wird darauf hingewiesen, daß dies die ehemalige Markenkontrolle der Zeche Brassert ist.

Die Markenkontrolle der Zeche Brassert

Und hier bei der Markenkontrolle ist auch der Eingang zum Freizeitpark Brassert. Schon ganz offensichtlich an zahlreichen Relikten aus der Bergbauzeit ist hier ein ehemaliges Zechengelände. So gibt es hier weitere gut erhaltene Zechengebäude. Dann ist auf einer Wiese etwas, was wie eine Protegohaube eines stillgelegten Schachtes aussieht. Und es gibt auch eine typische Haldenlandschaft mit einer bewaldeten Halde und einer großen Wiese davor. Gerade ist da ein Circuszelt aufgebaut ist. Und dann finde ich die kleine Gedenkstätte an den vergangenen Bergbau mit einer aufgestellten mächtigen Seilscheibe eines Förderturms.

Und die Gedenkstätte gucke ich mir natürlich etwas genauer an. Weil an so einem Ort auch immer etwas Information zu finden ist. Und die schwarze Lore, die neben der Seilscheibe steht, ist allerdings weiß mit „Bergwerk Auguste Victoria Ausbildung“ beschriftet. Dann auch auf der Rückseite ist in weiß ein stilisierter Förderturm von der noch aktiven Schachtanlage 3/7 von Zeche Auguste Victoria abgebildet. Immerhin ist eine kleine, aber mal wieder schwer lesbare Gedenktafel zur Schliessung der Zeche Brassert auf der Seilscheibe angebracht.

43 Jahre nach der Zeche Brassert schliesst auch die letzte Marler Zeche

Also 1972 bereits wurde diese Zeche Brassert geschlossen. Und jetzt 43 Jahre später wird Ende des Jahres 2015 auch das letzte Marler Bergwerk als vorletzte Ruhrgebietszeche geschlossen. Dann ist das schon ein sehr einschneidendes Ereignis. Und man kann den Marlern nur wünschen, daß Marl eine lebendige Stadt bleibt. So wie es grüne Schilder am Straßenrand an zahlreichen Stellen der Stadt verkünden.

Dann hätte ich fast noch ein weiteres wichtiges Zechenrelikt übersehen. Und das ist direkt an der Brassertstraße ein großer eindrucksvoller roter Backsteinbau. Und früher war es das Verwaltungsgebäude der Zeche Brassert. Also jetzt befindet sich hier die Glück-Auf-Schule. So nenne ich das mal eine gelungene Neunutzung eines so industriegeschichtlich trächtigen Gebäudes.

Update am 18.12.2015 mit Link:

http://www.derwesten.de/region/rhein_ruhr/aus-nach-116-jahren-die-letzte-schicht-auf-auguste-victoria-id11393860.html

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